Osterwieck – wertvolle Perle unter kostbaren Perlen

Von Burkhard Budde


Lust auf eine Reise in die Vergangenheit?! Am liebsten sucht Manuela Hennig einen Ort auf, an dem sie wunderschöne „große Dinge“, aber auch faszinierende „kleine Dinge“ entdecken kann. Manuela Hennig, die aus Thüringen stammt und seit 1989 in der Stadt Osterwieck in Sachsen-Anhalt im nördlichen Harzvorland lebt, spricht begeistert von der Stephanikirche mit ihrer Doppelturmanlage aus romanischer Zeit im 12. Jahrhundert, dem Wahrzeichen der „Einheitsgemeinde“ (etwa 11.300 Einwohner) mit ihren beeindruckenden Fachwerkhäusern in der Altstadt.  

Das Mitglied der Kantorei Osterwieck übertreibt nicht: St. Stephani ist der erste große reformatorische Stadtkirchenbau. Und lädt als Denkmal christlicher Mission im Nordharzer Raum zu einer lohnenden sowie lustvollen Reise in die Geschichte ein.


Der romanische Bau war 1495 durch ein Unwetter bzw. durch das folgende Hochwasser der Ilse, einem Zufluss der Oker, baufällig geworden. Der Chor der Kirche wurde in den Jahren 1515 bis 1517 im spätgotischen Stil erneuert, das romanische Kirchenschiff in den Jahren 1552 bis 1557 abgerissen und nach „protestantischen Vorstellungen“ neugebaut (die Reformation war in Osterwieck um 1535 eingeführt worden).


Etwa 1000 Osterwiecker Bürger – u.a. Steinbrecher, Fuhrleute, Steinmetze, Grobschmiede, Kalkbrenner, Maurer – sollen bei diesem Bauprojekt geholfen haben. Die überwältigende Pracht im Inneren der Kirche ist so authentisch erhalten geblieben, dass sie noch heute erlebbar ist:

Es gibt – wie Manuela Hennig zu Recht sagt – „große Dinge“ zu bewundern wie den bronzenen Taufkessel (um 1300) , dem ältesten erhaltenen Kunstwerk aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau.

- Den gotische Schnitzaltar (um 1484), dem wandelbaren Altaraufsatz mit einer „Festtagsseite“, die die Marienkrönung zeigt, und einer „Passionsseite“ mit der Leidensgeschichte Christi.

- Die Renaissance-Kanzel mit den Evangelisten, Aposteln, Engeln und den Darstellungen der klassischen Tugenden sowie mit der Figur des hl. Stephanus (aus barocker Zeit), der die Kanzel trägt und das Osterwiecker Stadtwappen – die Rose - sowie ein Buch – mit Steinen als Zeichen seines Martyriums – in seinen Händen hält.

- Das Chorgestühl im Stil der Spätrenaissance (um 1620). - Der Schlussstein (HIC LAPIS ANGULARIS EST CHRISTUS; übersetzt: „Dieser Eckstein ist Christus“), der das „neue“ protestantische Kirchenverständnis („Allein Christus“) zum Ausdruck bringt.

Auch wird der interessierte Besucher sofort in den Bann gezogen, wenn er die Nordempore, die Gildenprieche  und die Ratsempore (für die Ratsherren und Vorsteher der Sieben Gilden in Osterwieck bis 1575) betrachtet, die 1585 mit 32 Bildern aus dem Alten und Neuen Testament gestaltet wurden. Und er staunt nicht schlecht über die v. Gustedt`schen Adelsprieche (1773) sowie über die Halberstädter Voigt-Orgel (1866).


Aber in den „kleinen Dinge“ steckt eine einzigartige Begeisterungsmöglichkeit, die zugleich Köpfe besonders nachdenklich machen und Herzen besonders bewegen können: Die Osterwiecker Bürger zeigten im Zuge der Reformation und des Langschiffneubaus von St. Stephani nicht nur ein solidarisches Zusammengehörigkeitsgefühl in ihrer Stadt und für ihre Kirche als Mittelpunkt der Stadt, die auch für die wirtschaftliche Existenz vieler wichtig war, sondern zugleich eine Spürnase für Schönes und Wahres, Bleibendes und Elementares. Und für authentisch Menschliches in Krisenzeiten und Außeralltäglichem:

In 129 Inschriften an Wänden und Pfeilern, auf Bögen und Brüstungen, auf 240 Sandsteinreliefs, Wappen und vielen Epitaphien haben sich Osterwiecker sowie Freunde und Förderer der Stadt verewigt.


Kunst und Erinnerungskultur bedeuteten für viele Stadt- und Landbewohner nicht das missverstandene Beschwören eigener Bedeutsamkeit, schon gar nicht eine gleichgültige Haltung gegenüber den Vorfahren, der Mit- und Nachwelt, sondern ein Spiegel ihrer (Glaubens-) Überzeugungen, ein Kommentar ihrer eigenen (Lebens-) Geschichte sowie eine Quelle ihrer Hoffnung auf Nicht-Vergessen-Werden.


Eine Mutter beispielsweise betrauert auf einem Epitaph drei Kinder. Hintergrund ist der Dreißigjährige Krieg. Zu sehen ist u.a. Christus am Kreuz, drei Frauen sowie Johannes, Maria und Maria Magdalena, darunter die klagende Mutter – geweint und geklagt wird um die drei Kinder, aber auch über Christi Kreuzestod. Texte der Tafeln sprechen noch deutlicher: „Mein Sohn Johan Abrh…ist uf diese welt gebohren in wulffenbüttel…ungefehr eineinhalb …hat ihn der Allerhöchste von dieser betrübten welt…zu sich in sein freudenreich gefordert undt ist alhier in osterwic begraben…Er woll…am jüngsten tage eine frelige auffersthung geben undt verleihen.“

Wer sich so in der offenen Bürgerkirche noch zu seinen Lebzeiten (!) verewigt, ist nicht eitel, sondern bleibt durch die Hoffnung auf den Ewigen auf dem Teppich – und schenkt damit vielleicht auch der Nachwelt Trost?! 

Auch die historische Altstadt mit ihren etwa 400 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern, die reich verziert sind, zeigt viele Spuren tiefer Frömmigkeit und reformatorischer Gesinnung.

So taucht zum Beispiel der Kampfspruch der Reformation „verbum dm manett in eterum“ (= “Des Herren Wort bleibet in Ewigkeit“) am „Eulenspiegelhaus“ in der Schulzenstraße 8 auf. In der Stadt, die auch die „Fachwerkstatt der Reformation“ genannt wird, gibt es 41 Hausinschriften mit reformatorischen Botschaften.

138 Fassaden der Häuser, die bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges erbaut worden sind, spiegeln zudem Stilgeschichte wider:


Elemente der Romanik (Zeit von etwa 1000 bis 1250 mit frühchristlichen und byzantinischen sowie spätantiken Bauelementen wie Rundbögen, Pfeiler, Säulen und Wölbung), der Gotik (in Deutschland von vor 1200 bis nach 1500 mit Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe gleichsam himmelhoch aus dem Boden wachsend),

der Renaissance (vor allem in Italien von etwa 1420 bis 1600 mit der Erhaltung und Fortsetzung antiker Kunstelemente sowie mit der Harmonisierung von Bauteilen und der Bevorzugung naturalistischer Bauornamente),

des Barock (von etwa von 1600 bis 1780 mit kraftvollen Formen und kurviger Linienführung, mit Pracht und Prunk als neues Raumerlebnis),

des Klassizismus (von etwa 1770 bis 1830 als Gegenbewegung zum Barock mit „edler Einfalt“ und „stiller Größe“).

Sämtliche niedersächsische Fachwerkstile aus 500 Jahren – u.a. charakteristische Fächerrosetten, Balkenköpfe in Walzenform, Stockschwelle in Schiffskehlenform – sind zu sehen, beispielsweise in der „Alten Vogtei“ aus dem Jahr 1533 in der Schulzenstraße 3.

In Mode waren zur Zeit der Renaissance (in Deutschland von etwa 1580 bis 1640) lateinische Verse sowie Zauberknoten, Runen und Lebensbäume.


Manfred Gruner, Historiker aus Braunschweig, hat schon zu DDR-Zeiten Osterwieck kennen- und schätzen gelernt. Die Altstadt – die „Perle von Sachsen-Anhalt“ - wirke heute „wie Phönix aus der Asche“. Manfred Gruner empfiehlt einen Besuch im Heimatmuseum am Markt 1, dem früheren Rathaus aus dem Jahr 1265, mit Umbauten in den Jahren 1554 bis 1560. Denn auch im Museum gibt es viele Dinge, die etwas zu erzählen haben, zum Beispiel vom Osterwiecker Rat, von den sieben Gilden, vom Ledergeld, von Waffen und natürlich von der Reformationszeit. Und jeden ersten Sonnabend im Monat wird um 11 Uhr - vom Markt 11 ausgehend - eine Stadtführung angeboten, um die Stadt noch besser entdecken zu können.


Und dann wird sicherlich berichtet, dass Kaiser Karl der Große im Jahr 780 in „Ostrewic“ (wic= Handelsplatz) – wohl zunächst „Saligenstede“ genannt – eine Kirche und ein Missionszentrum gegründet haben soll, das 804 nach Halberstadt verlegt wurde. Und sicherlich werden viele weitere kleine Zeitreisen unternommen.

Und manche Besucher werden beim Rundgang durch die Fachwerkstadt oder beim Eintauchen in die Aura der Kirche den historischen, aber auch spirituellen und ästhetischen Geist vergangener Zeiten wahrnehmen, der gerade aufgeklärte Zeitgefährten bewegen kann, ihren kritischen Drive mit historischer Verantwortung zu verbinden - um nicht in der Gegenwart durch Geschichtsvergessenheit abzuheben, sondern stets dankbar, menschlich sowie erneuerungsfähig, ja neugierig zu bleiben.

Manuela Hennig drückt es so aus: „Mich begeistert diese Stadt einfach. Und ich entdecke immer wieder etwas Neues.“


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt


Der bewegte Wanderer


Warum er denn so gerne wandere? wird ein Mann gefragt, der gerade in seine Wanderkarte schaut. Er blickt erstaunt auf und antwortet: Immer, wenn er sich unter freiem Himmel bewege, fühle er sich frei. Und dann fügt er noch hinzu: Ich habe keinen Aufpasser, der alles kontrolliert. Keine Spaßbremse, die alles madig macht. Keine Fee, die alles für mich macht. Keinen Götzen, der alles von mir fordert.


Der Fragende versteht nicht so recht. Der Wanderer schildert seine Erfahrungen: Wenn er auf das Singen der Vögel lausche, höre er auch etwas Wichtiges über sich selbst. Wenn er über die Schönheit der Blumen staune, dann sehe er auch etwas Prächtiges in seinem Leben. Überhaupt, wenn er das Werden und Vergehen in der Natur beobachte, dann könne er auch eine unsichtbare und schöpferische Hand entdecken. Deshalb suche er Orte der Stille, gehe manchmal wie auf Zehenspitzen durch den Wald, wolle ungestört, unbeobachtet und unkontrolliert etwas Frieden und Geborgenheit erleben.


Aber wenn die Natur Stress mache, weil plötzlich der Nebel den Blick verstelle, dunkle Wolken und ein gefährliches Gewitter die Gefühle verändere? Oder wenn er an einer Wegkreuzung stehe und sich verlaufen habe, er eine Entscheidung fällen müsse - was dann?


Langsam wird deutlich: Ein Wanderer in Schönwetterzeiten, vor allem jedoch ein Wanderer, der durch schwere Zeiten gut hindurchkommen will, lebt von verschiedenen Begabungen, die wie unterschiedliche Geschwister sind. Sie verstehen sich nicht immer, kämpfen manchmal sogar gegeneinander, aber sie werden alle gebraucht, wenn ein Mensch (über-) leben will:

Die rationale Begabung des Menschen kann die Wanderkarte lesen, analysieren und neue Wege begründen.

Die poetische Begabung nimmt die Ästhetik der Bäume, Tiere und Pflanzen wahr, die auf keiner Karte verzeichnet ist.

Und die intuitive Begabung erahnt, dass der ganze Mensch mit all seinen Sinnen etwas finden kann, was er vielleicht gar nicht gesucht hat, aber als Gottes Gabe und Liebe spürbar ist:

Eine Sonne, die den Nebel der Sorgen und Ängste vertreibt. Einen Himmel im Menschen, der Freiheit und Freude schenkt.

Burkhard Budde


(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 8.8.2020 in Ostwestfalen und Lippe)



Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


The moving wanderer


Why does he like to hike so much? a man is asked who is just looking at his hiking map. He looks up in amazement and answers: Whenever he walks under the open sky, he feels free. And then he adds: "I don't have a supervisor who checks everything. I have no buzzkill to put a damper on everything. No fairy to do everything for me. "No idol who demands everything of me.


The questioner doesn't quite understand. The wanderer describes his experiences: When he listens to the birds singing, he hears something important about himself. When he is amazed at the beauty of the flowers, he also sees something magnificent in his life. In general, when he observes the coming and going of nature, he can also discover an invisible and creative hand. That is why he looks for places of silence, sometimes walking through the forest as if on tiptoe, wants to experience some peace and security undisturbed, unobserved and uncontrolled.


But what if nature causes stress, because suddenly the fog blocks the view, dark clouds and a dangerous thunderstorm change the feelings? Or if he stands at a crossroads and gets lost, he has to make a decision - what then?


Slowly it becomes clear: a hiker in good weather, but especially a hiker who wants to get through difficult times well, lives from different talents, which are like different brothers and sisters. They do not always get along with each other, sometimes even fight against each other, but they are all needed if a person wants to (survive):

The rational talent of man can read the map of trails, analyse it and create new paths.

The poetic talent perceives the aesthetics of the trees, animals and plants, which are not recorded on any map.

And the intuitive talent foresees that the whole human being can find something with all his senses that he may not have been looking for, but which can be felt as God's gift and love: a sun that dispels the mist of worries and fears. A heaven in man that gives freedom and joy.

Burkhard Budde


(also published in the Westfalen-Blatt on 8.8.2020 in Ostwestfalen and Lippe)


YOU SILENCE I BIRD

im Wolters Kulturgarten
in Braunschweig am 6.8.2020
mit neuen Songs und viel Schwung.

Der Indie-Pop-Abend im Einklang mit den "Corona-

Spielregeln" war wieder ein Gewinn für Freunde des musikalischen Dialoges zwischen Natur und Kultur.




Der Musikfreund konnte sich mit Hilfe der universellen Sprache der Gefühle im freiheitsliebenden Kleid der Indie-Pop-Musik bewegt bewegen lassen.

Danke!

Burkhard Budde


Wernigerode – ein Magnet, der begeistert

Von  Burkhard Budde


Welches liebevolle Prädikat soll man diesem beeindruckenden Magneten geben, der trotz oder gerade wegen seines Alters immer noch, sogar immer mehr ausstrahlt und anzieht? Die „Bunte Stadt am Harz“? Das „Venedig des Nordens“?  Die „Stadt mit dem Neuschwanstein des Harzes“? Die „Stadt mit exotischer Note“? Der „Diamant mit vielen historischen Perlen“? Wie auch immer: Es gibt in Wernigerode am Nordrand des Harzes auf jeden Fall eine Vielzahl von faszinierenden Magneten, die selbst Neugierige noch neugieriger machen.

Diese unstillbare Neugier kannten bereits große und unvergessene Dichter, die erlebnis- und zugleich wissensdurstig waren. Und deshalb den Ort Wernigerode in Sachsen-Anhalt, der sich in zwei Tälern erstreckt und in den Harz hineinreicht, aufsuchten;

zum Beispiel 1777 Johann Wolfgang Goethe, unermüdlicher Schöpfer deutschsprachiger Dichtung mit Meisterwerken der Weltliteratur;

1860 Wilhelm Raabe, Schriftsteller aus dem Weserbergland, der mehrere Jahre in Wolfenbüttel und in Stuttgart, etwa 40 Jahre in Braunschweig lebte und 1873 in Bad Harzburg während eines Sommeraufenthaltes die Geschichte „Zum Wilden Mann“ schrieb;

1880 Theodor Fontane, Schriftsteller, der eine Liebeserklärung im Blick auf den zum Kur- und Erholungsort gewordenen Wernigerode verfasst hat: "Ich liebe diesen Ort so, dass ich, ich will nicht sagen, hier sterben, aber hier begraben sein möchte." (gestorben und begraben ist Fontane allerdings 1898 in Berlin)

Oder 1907 Hermann Löns, Natur-, Heide- und Heimatdichter, der die Bezeichnung Wernigerode als „Die bunte Stadt am Harz“ prägte und dem 1929 ein Gedenkstein im Stadtteil Hasserode errichtet wurde.


Neugierig auf diese Stadt ist in diesem Jahr auch erneut der Autor dieses Artikels. Die Stadt mit den Harzbergen als Silhouette, die sich gleichsam in die Natur hineinkuschelt, und das „Schloß Wernigerode“, das auf einer Anhöhe rund 100 Meter oberhalb der Stadt liegt, dessen Glanz und Würde man bereits aus der Ferne erahnt, weckt die Lust auf neue Abenteuer: Welche Geheimnisse schlummern hinter den historischen Mauern und in kulturellen Häusern schlummern und können neu entdeckt werden?

Doch beim diesjährigen Ausflug in die Stadt mit etwa 34 000 Einwohnern gibt es zunächst eine andere Überraschung. Aus der Ferne grüßt das Riesenrad „Grand Soleil“ der Familie Göbel. Gerne wird dieser Gruß erwidert. Denn in 48 Meter Höhe gewinnt man einen Überblick: Man sieht die mittelalterliche Stadt, aber auch ihre zeitgeschichtliche Bauentwicklung, vor allem jedoch die Vorharzlandschaft und den Oberharz.

Anschließend geht es mit der Schlossbahn vom Schlossparkplatz Anger zum „Schloß Wernigerode“, dem Wahrzeichen der Stadt, die 1121 erstmals urkundlich erwähnt wird. Unterwegs berichtet der Fahrer der modernen E-Bahn, dass die Stadt im letzten Jahr etwa zweieinhalb Millionen Tagesgäste gehabt hat. Aber dann verzaubert das Schloss selbst die Gäste. Es ist von Gärten eingerahmt und bietet mit seiner Aura noch einen anderen einmaligen Ausblick auf Stadt und Umgebung als ein Riesenrad. 

Und manche scheinen sich auch für die Bau- und Eigentümergeschichte zu interessieren:

Zunächst „Castrum Wernigerode“ (1213),

Grafenburg (1268 belehnt Markgraf von Brandenburg den Grafen Konrad von Wernigerode mit der Burg),

Burg des Erzbischofs von Magdeburg als Lehnsherrn (1381), Residenz der Familie zu Stolberg-Wernigerode (1429 war das  Geschlecht der Wernigeröder Grafen erloschen und Wernigerode kommt zur Grafschaft Stolberg),

Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648),

Umbau zum Barock- und Residenzschloss (1671-1676), wieder Sitz der Grafen zu Stollberg-Wernigerode (ab 1710), Repräsentationsschloss als historistisches Gesamtkunstwerk im neogotischen Stil (1862-1885 durch den Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, Stellvertreter Otto von Bismarcks und Vizekanzler des Deutschen Reiches, sowie durch den Architekten Carl Frühling, auf den auch die Terrassengestaltung des Weingartenbereichs am Schloss zurückgeht),

Museum (seit 1930) mit überraschenden Erlebnissen und Einblicken in die Wohnkultur des deutschen Hochadels im 19. Jahrhundert (weitere Infos: www.schloss-wernigerode.de)

Manfred Gruner, Braunschweiger Historiker, ist seit Mitte der 1950er Jahre immer gern in Wernigerode gewesen. Besonders „gruselig“ erlebte er im damaligen „Feudalmuseum“ des Schlosses die Folterkammer, die heute nicht mehr zur Besichtigung freigegeben ist.


Auf dem ältesten Teil von Wernigerode, dem „Klint“, steht das Gebäude der St.-Sylvestri-Kirche. Benediktinermönche aus dem Kloster Corvey bauten der Legende nach an dieser Stelle eine Kapelle, die den Mittelpunkt der Siedlung Wernigerode bilden sollte. Ein Umbau in eine dreischiffige, kreuzförmige romanische Basilika erfolgte im 10. Jahrhundert, ein weiterer Umbau in eine frühgotische Basilika anlässlich der Gründung eines Chorherrenstiftes 1265, schließlich ein Umbau im neugotischen Stil mit der Errichtung eines neuen Turms in den Jahren 1880 bis 1886, erzählt Manfred Gruner.


Der höchste Punkt von Wernigerode ist übrigens der Brocken (gerundet 1141 Meter hoch), da das Brockenplateau zum Stadtgebiet von Wernigerode gehört. Und der bekannteste Mann der Stadt ist der „Brocken-Benno“, der in Wernigerode lebt und der zu seinem 88. Geburtstag am 20. Mai 2020 zum 8.888 Mal auf den Brocken stieg.

Der bunte, ausstrahlende und anziehende Magnet Wernigerode bietet eine Fülle von offenen Geheimnissen, die jeden liebenswürdigen Neugierigen begeistern können; zum Beispiel das Rathaus als eine Perle des mittelalterlichen Fachwerkhauses am Marktplatz; das „Kleinste Haus der Stadt“ mit nur zehn Quadratmetern Wohnfläche; der Miniaturenpark „Kleiner Harz“ im Bürgerpark, der mehr als 80 kulturhistorische Bauwerke des Harzes zeigt; die Harzer Schmalspurbahnen, die mit Dampf betrieben werden und auch von Wernigerode aus starten, wenn man zum Brocken will; das Harzplanetarium. Oder die vielen Museen, Kirchen, Galerien, Wandertouren, die kulturellen und gastronomischen Angebote (nähere Infos erteilt gerne die Tourist- Information, www.wernigerode-tourismus.de).

Manfred Gruner übrigens genießt zudem mit seiner Frau Hella bei Besuchen der Stadt, der ehemaligen „DDR-Vorzeigestadt“, die guten Einkaufsmöglichkeiten auf den Flaniermeilen Westernstraße und Breite Straße. Und er empfiehlt, sich den Wohltäterbrunnen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus genauer anzusehen. Er entstand im Stil der Neogotik, ist in einer Eisengießerei zu Ilsenburg gegossen worden und befindet sich seit 1848 auf dem Platz. Er stellt eine Erinnerung an Menschen dar, die sich um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. „Wappenschilde am oberen Beckenrand verweisen auf Namen von Angehörigen des Grafengeschlechts und Adligen der Stadt, während am mittleren Beckenrand Namen von Bürgern und Bürgerinnen aufgeführt sind“, erläutert Gruner. Namen sind eben mehr als Schall und Rauch, auch Programm, manchmal stehen sie auch für Taten, die wegen ihrer bleibenden Qualität bis heute sichtbar sind und  neugierig machen.


Immer bleibt die unstillbare Neugierde, die immer größer wird, wenn man sich diesem Magneten nähert. Denn wer einmal in Wernigerode ist, muss nicht begeistert werden – der ist es schon. Und darum könnte das Prädikat dieser Stadt auch heißen „Ein bunter Magnet, der begeistert.“


(Veröffentlicht auch im Wolfenbütteler Schaufenster

am 9.8.2020)


Geistlicher Impuls


Licht in der Schlangengrube


Neugierig blickt ein kleiner Hund in eine dunkle Schlangengrube. Und erschrickt. Etwas Unheimliches und Rätselhaftes, Vieldeutiges und Gegensätzliches blitzt in den Augen der Schlangen auf.


Eine grimmig blickende Schlange, die aber wohl Mitleid mit der kleinen Kreatur hat, richtet den Oberkörper auf und zischt: „Fall nicht in die Grube! Hier wird Gift gespritzt sowie auch schnell und überraschend zugebissen“. Und es werde genau gerechnet, akribisch und detektivisch auf- und abgerechnet, besonders bei noch offenen Rechnungen. Was nicht fair ausgetragen worden sei, werde fies nachgetragen.


Eine andere Schlange, die sich gerade gehäutet und erneuert hat, mischt sich ein und faucht: „Da übertreibst du aber. Es geht nur darum, sich geschickt anzupassen und keine Blöße zu zeigen. Dann wirst du überleben und auch fette Beute machen.“ Und sie kriecht und schleicht sich mit ihrer gespaltenen Zunge stolz davon. Und hinterlässt auf ihrem Weg schleimige Spuren voller Gier.


„In dieser Grube“, flüstert eine scheue Schlange dem Hund gleichsam ins Ohr, „findest du Unheil, aber auch Heil; Unglück, aber auch Glück; Dummheit, aber auch Weisheit – stets schöpferisch Unerschöpfliches. Spring und sieh selbst.“


Gerade will der kleine Hund in die Grube springen, als er die Rufe seines Halters hört. Und er ruft zum Abschied noch in die Grube: „Ich muss los. Kommt doch auch zu meinem Halter, der alle Geschöpfe unendlich liebt. Und jedes einzelne Geschöpf mit liebenden Augen sieht.“ Da müssen alle Schlangen spontan lachen. Manche lauter. Manche in sich hinein.


Aber eine hört auf zu lachen, als sie oberhalb der Grube einen Sonnenstrahl sieht, der ein wenig Licht in die Grube wirft. Diese Schlange reibt sich den Schlafsand aus den Augen und denkt über einen liebenden Blick nach, gleichsam über den Schöpfer aller Kreaturen. Und wird neugierig auf Neuanfänge innerhalb und außerhalb der Grube, auf einen ewigen Lichtstrahl in zeitlicher Finsternis.


Burkhard Budde


(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 1.8.2020 in Ostwestfalen und Lippe)


Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


Light in the snake pit


Curiously a small dog looks into a dark snake pit. And scared. Something eerie and mysterious, ambiguous and contradictory flashes in the eyes of the snakes.


A grim-looking snake, who is probably taking pity on the little creature, raises its upper body and hisses: "Don't fall into the pit! Poison is sprayed here and also bitten quickly and surprisingly". And it is precisely calculated, meticulously and detective-like, especially when there are still outstanding bills. Anything that was not carried out in a fair manner was badly resenacted.


Another snake, which has just shed its skin and renewed itself, interferes and hisses: "You're exaggerating. It's all about skilfully adapting and not showing any nakedness. Then you'll survive and make a great plunder too." And she crawls away proudly with her forked tongue. leaving behind slimy traces of greed.


"In this pit," whispers a shy snake in the dog's ear, as it were, "you will find misfortune, but also salvation; misfortune, but also happiness; stupidity, but also wisdom - always creatively inexhaustible. Jump and see for yourself."


The little dog is about to jump into the pit when he hears the cries of his owner. And he calls out into the pit to say goodbye: "I must go. Come to my owner, who loves all creatures infinitely. And who sees every single creature with loving eyes." All snakes have to laugh out loud. Some laugh louder. Some inside themselves.


But one of them stops laughing when it sees a ray of sunlight above the pit, which throws a little light into the pit. This snake rubs the sleeping sand out of its eyes and thinks about a loving look, as it were about the creator of all creatures. And becomes curious about new beginnings inside and outside the pit, about an eternal ray of light in temporal darkness.


Burkhard Budde


(also published in the Westfalen-Blatt on 1.8.2020 in Ostwestfalen and Lippe)


Faszination Bergstädte im Oberharz

Von  Burkhard Budde


Die Sehnsucht ist groß. Und sie wird mächtiger, wenn man asphaltierte Wege verlässt und die Natur hautnah erlebt. Sinnliche Erfahrungen des Ursprünglichen und Elementaren, nach der sich viele Menschen sehnen, können beim Gehen im Freien, beim Spaziergang oder bei der Wanderung durch Mutter Natur, erlebbar werden. Und begeistern.


Denn unter der Oberfläche gewachsener Kultur- und Techniklandschaft schlummert in der Tiefe wilde Natur, die vom neugierigen Besucher entdeckt werden kann. Und umgekehrt berührt die Natur den staunenden Besucher - zum Beispiel mit einem Sonnenstrahl, der durch ein Blätterdach fällt, und die Nase des Wanderlustigen zärtlich streichelt. Oder mit dem harzig, würzigen Waldgeruch, der langsam  in seine Nase kriecht.


Der Wanderer - früher auch der Pilger, der Handwerksbursche oder der Schausteller -, der zu Fuß aufbricht, bewusst eine Auszeit vom Alltag nimmt, will entschleunigen, sich erholen oder ablenken, Energie tanken oder Freundschaften stärken, Regionen erwandern oder sich einfach über kleine Dinge in der Natur freuen. Er will und muss nicht alles mit dem Kopf begreifen, aber er kann versuchen, alles ganzheitlich und sinnlich wahrzunehmen: Die brennende Sonne, den erfrischenden Regen, die entspannende Ruhe. Und die eigene Unruhe und seinen eigenen Stress zu bewältigen.

Aber wo gibt es solche natürlichen Wellnessoasen, die in der Natur fit für den Alltag machen oder einfach zweckfrei ein beglückendes Freiheitserlebnis vermitteln? Viele Rückzugs- und Erholungsorte sind bekannt und anerkannt. Doch nicht jeder kennt die Bedeutung der Bergstädte im Oberharz: Von Wiesen, Wäldern und Bergen umgeben, mit ihren Flüssen, Teichen und Seen, Talsperren und historischen Besonderheiten wie Bergwerksmuseen und Gruben sind alle sieben Bergstädte Oasen faszinierender Einheit von Kultur und Geschichte sowie Technik und Natur.

Die Bergstadt Bad Grund (etwa 8238 Einwohner), die erstmals 1317 als Forstort urkundlich erwähnt wurde und damit die älteste der Bergstädte ist, war wegen des Erzbergbaus bereits um 1450 zu einem Berg- und Hüttenort geworden. Heute gehört der seit dem 19. Jahrhundert anerkannte Kurort mit dem einzigen Moorbad im Harz zu den Harzer „Leuchttürmen“. Und seine Schachtanlage Knesebeck (mit dem einzigartigen Hydrokompressorenturm) zum Weltkulturerbe.


Darüber hinaus nennt Volker Höfert, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, als weitere Besonderheit die Iberger Tropfsteinhöhle mit dem Museum im Berg. Überhaupt sei Bad Grund fernab vom Massentourismus ein „überschaubarer, ruhiger Urlaubsort“. Und die Heilklimawege sowie die Wander- und Bike-Routen seien besonders zu empfehlen.

In der Bergstadt Lautenthal (etwa 1513 Einwohner), die 1538 als Bergmannssiedlung gegründet und 1580 Stadt wurde, ist nach Ortsbürgermeister Hartmut Arndt das alte Aussehen „größtenteils unverfälscht erhalten“ geblieben. Teilweise stehen ganze Straßenzüge unter Denkmalsschutz, damit dieser Charakter – anfangs gab es einen langgestreckten Straßenmarkt im Tal der Laute, die neben dem Fluss der Innersten die Stadt durchfließt - nicht verloren geht. An die alte Zeit erinnern auch der historische Marktplatz mit der Barock-Kirche aus dem Jahr 1659, das Bergbaumuseum „Lautenthals Glück“ sowie ein etwa vier Kilometer langer Bergbaulehrpfad auf dem Kranichsberg, der an dem „Lautenthaler Kunstgraben“ (Teil des Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft) entlang führt. Und der Ortsbürgermeister hat noch einen Tipp: Stellplätze für Wohnmobile neben dem beheizbaren Freibad mit Liegewiese und Spielplatz.

Die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld (etwa 14.561 Einwohner) - mit dem offiziellen Titel „Berg- und Universitätsstadt“ -  wurde wohl als erste Besiedlung im heutigen Zellerfeld Anfang des 13. Jahrhunderts durch Mönche des Benediktinerklosters „Cella“ geschaffen. 1431 wurde das Kloster geschlossen. Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte eine zweite Besiedlung durch Sächsische Einwanderer aus dem Erzgebirge, die von den braunschweigischen Herzögen für den Bergbau im Oberharz gewonnen werden konnten. Zellerfeld erhielt 1529 Stadtrechte; 1554 bekam auch Clausthal die Bergfreiheit. Beide Bergstädte, die zunächst selbstständig waren, wurden 1924 zusammengeschlossen. Seit 1930 wird im Stadtgebiet kein Bergbau mehr betrieben.


Die heutige Stadt, so Bürgermeisterin Britta Schweigel, „punktet“ neben dem ältesten Bergwerksmuseum Deutschlands mit der Marktkirche zum Heiligen Geist auf dem Marktkirchenplatz, die 1642 geweiht wurde, der größten erhaltenen Holzkirche in Deutschland - umringt von historischen Gebäuden wie „Rathaus“ und „Oberbergamt“. Die Bürgermeisterin betont mit berechtigtem Stolz das „internationale Flair und das multikulturelle Studentenleben“ ihrer Stadt. Es gibt etwa 4000 Studenten, etwa 1000 Mitarbeiter und etwa 80 Professoren an der Uni. Und natürlich „unberührte Natur“, wo „ruhiges Wandern in beschaulichen Wäldern“ sowie an vielen Teichen entlang möglich ist.

Die Bergstadt Wildemann (etwa 786 Einwohner), 1529 auch von Bergleuten aus dem Erzgebirge gegründet, 1534 zur Stadt erhoben, schlängelt sich mit vielen Bergmannshäusern entlang der Innersten. Am Rande des Ortes liegt der Bergbauernhof „Klein Tirol“. Geworben wird insbesondere mit einer der bedeutendsten erhaltenen Anlagen des Oberharzer Silberbergbaus, der 1924 zum Erliegen kam, nämlich dem Bergwerk „19-Lachter-Stillen“ mit der „Grube Ernst August“.

Die Bergstadt Altenau (etwa 1758 Einwohner), die 1617 Stadtrechte erhielt, auch vom Bergbau geprägt ist, liegt mitten im Harz - zum Gipfel des Brockens, der mit 1142,2 Meter Höhe der höchste Berg des Mittelgebirges ist - sind es zwölf Kilometer. In Altenau entspringt die Oker, die die stark bewaldete Stadt mit zahlreichen Tälern und Hügelkuppen durchfließt. Besondere Attraktionen sind die Holzkirche St. Nikolai (errichtet 1669), der Kräuterpark (2004 eröffnet), die Thermen- und Saunalandschaft „Kristall Heißer Brocken“ (Neubau 2007) und „Die Altenauer Runde“, die zu Fuß den heilklimatischen Kurort bzw. die „Fünf-Täler-Stadt“ mit Dammgraben, dem Hütten- und Okerteich (Teil des UNESCO Weltkulturerbes) von der schönsten Seite entdecken lässt. Und wenn man will, kann man sich anschließend mit Altenauer Bier erfrischen, das es seit 400 Jahren gibt.

Die Bergstadt Sankt Andreasberg (etwa 1601 Einwohner), die 1535 Stadtrechte erhielt, war eine blühende Bergmannssiedlung. Um 1575 gab es in und um Sankt Andreasberg über 300 Gruben. Vor allem 1527 waren auch hier Bergleute aus dem böhmischen und sächsischen Erzgebirge sowie aus dem Mansfelder Land zum höchstgelegenen Ort des Harzes gekommen. Der Glockenturm auf dem Glockenberg (627 Meter hoch), das Wahrzeichen der Stadt, wurde 1688 errichtet, 1835 abgerissen und neu gebaut.

Stolz sind die Sankt Andreasberger im Naturpark Harz am Rande des Nationalparks Harz auf die Sternwarte Sankt Andreasberg (eröffnet 2014), auf die Dachdeckerschule (seit 1966), vor allem jedoch auf die Grube Samson (Teil des UNESCO-Weltkulturerbe zusammen mit dem Bergwerk Rammelsberg, der Goslarer Altstadt und der Oberharzer Wasserwirtschaft), in der die weltweit einzige, noch betriebsfähige Fahrkunst und zwei Wasserräder von neun Meter und zwölf Meter Durchmesser zu sehen sind. Und auf die Grube Catharina Neufang, die Einblick in den Bergbau um 1500 gibt. Aber auch das weltweit einmalige Kanarienvogelmuseum gehört zu den Schätzen der Bergstadt. Der „Harzer Roller“, der unter Tage vom geruchlosen Kohlenmonoxid am schnellsten betroffen war und dadurch die Bergleute warnen konnte, wurde früher von Bergleuten gezüchtet und verkauft, um eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben.

Für besonders Wissbegierige bietet sich das Nationalparkhaus Sankt Andreasberg mit seinen Infos über Geologie, Ökologie und Bergbau an. Für besonders Erlebnishungrige können die Sommerrodelbahn sowie das Skigebiet Matthias-Schmidt-Berg genannt werden. Und für Goethe-Fans wird interessant sein, dass sich der Dichterkönig in Andreasberg 1777 über den Bergbau informierte und 1783 entlang des Rehberger Grabens wanderte. (Und sich übrigens auch 1777 in Altenau und überhaupt im Harz aufhielt.)

Wer – wie Goethe oder wie ein Natur-und Kulturfreund unserer Tage - den Oberharz besucht, wird es nicht bereuen: Er kann sich an der frischen Luft erfreuen, schöpferische Ruhe in einer idyllischen Landschaft und in verwegenen Wäldern finden, aber auch die Spuren der Vorfahren freundlicher Harzer entdecken, die als Pioniere des Bergbaus hart gearbeitet, vor allem die Weichen für die Zukunft gestellt haben.


Und wer mit allen Sinnen die Natur- und Kulturwelt „erwandert“, kann sich ihrem Bann nicht entziehen. Und seine Sehnsüchte können gestillt werden.


P.S.

Dass einst freie Bergstädte heute nicht mehr „frei“ sind, sondern sich mit anderen Städten „gefunden“ haben – dass beispielsweise Sankt Andreasberg zu Braunlage gehört – sei nur angemerkt: Doch wen kümmert das schon, wenn er die Freiheit in der Bergwelt erlebt?!


(veröffentlicht auch im Wolfenbütteler Schaufenster

am 2.8.2020)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

Die Denke bedenken?!


Gefreut haben sich schon viele über großzügiges, geärgert über pingeliges Denken. Entsetzt sind viele, wenn das Denken nur um sich selbst kreist, boshaft oder intrigant geprägt ist; erleichtert, wenn einer seine verkrustete Denke erneuert, beweglich und lernfähig ist.


Jeder Mensch kann in eine zermürbende Reflexionsmühle geraten: Ist ein Mitmensch ein Heuchler, der sich geschickt verstellt? Ein Intrigant, der hinterhältig ist? Ein Rächer, der es anderen heimzahlt? Ein Ahnungsloser, der sich über den Tisch ziehen lässt? Ein Langweiler, der gedankenfaul ist? Bin ich selbst etwa ungeliebt („Keiner mag mich!“), ein Opfer („Alle sind gegen mich!“), ein Versager („Ich mache alles falsch!“), ein Fiesling („Gehe ich über Leichen?“).


Solche oder ähnliche finstere Gedanken sind wie schweres Gepäck, das ermüdet, unbeweglich, lustlos und unzufrieden macht. Und manche Befürchtung wird dann wie von Geisterhand erfüllt. Denn was gedacht wird, muss zwar nicht stimmen, kann aber das Verhalten und die Handlung bestimmen.


Zum Glück können negative Gedanken im Kopf mit positiven Gedanken in Schach gehalten, gesteuert oder überwunden werden: zum Beispiel der Gedanke, der Angst macht, mit einem Gedanken, der Vertrauen stärkt und Mut weckt – natürlich nur, wenn der Betroffene immer wieder neu das Steuer verantwortungsbewusst in die Hand nimmt.


In einem offenen und weiten Raum des Denkens ist sogar Platz für die Sehnsucht nach der Macht der Liebe. Am Gedanken, dass ich ein „Gedanke Gottes“ bin und dass Gott selbst ein „glühender Backofen voller Liebe“ (Luther) ist, kann ich mich erwärmen, die Gewissheit erfahren, bedingungslos geliebt zu sein, ohne abzuheben oder blind fanatisch zu werden. Vor allem kann dieser „liebende Gedanke“ einem Menschen die Kraft zum Um- und Neudenken schenken.


Diese Haltung ist erlebbar. Und trainierbar: Zum Beispiel mit der positiven Perspektive gegenseitiger Wertschätzung; der konstruktiven Perspektive empathischer Achtsamkeit; der eigenständigen Perspektive unabhängiger Mündigkeit.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die Denke kritisch zu bedenken.

Burkhard Budde


(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 25.7.2020 in Ostwestfalen und Lippe)


Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


Thinking?!



Many have been delighted by generous thinking, but annoyed by fussy thinking. Many are horrified when the thinking is only about itself, malicious or scheming; relieved when one renews his encrusted thinking, is flexible and capable of learning.


Every person can get into a gruelling reflection mill: Is a fellow human being a hypocrite who cleverly disguises himself? A schemer who is devious? A revenger who gets back at others? An unsuspecting man who lets himself be taken over? A bore who is lazy in thought? Am I myself unloved ("Nobody likes me!"), a victim ("Everyone is against me!"), a failure ("I do everything wrong!"), a meanie ("Will I kill myself?").


Such or similar dark thoughts are like heavy baggage that makes you tired, immobile, listless and dissatisfied. And some fears are then fulfilled as if by magic. For what is thought may not be true, but it can determine behavior and action.


Fortunately, negative thoughts in the head can be kept in check, controlled or overcome with positive thoughts: for example, the thought that makes you afraid, with a thought that strengthens trust and inspires courage - of course, only if the person concerned takes the wheel responsibly again and again.


In an open and wide space of thinking there is even room for the longing for the power of love. The thought that I am a "thought of God" and that God himself is a "glowing oven full of love" (Luther) can warm me up, I can experience the certainty of being unconditionally loved without taking off or becoming blindly fanatical. Above all, this "loving thought" can give a person the strength to rethink and rethink.


This attitude can be experienced. And trainable: For example with the positive perspective of mutual appreciation; the constructive perspective of empathic mindfulness; the independent perspective of independent maturity.

In any case, it is worthwhile to critically consider the thinking.

Burkhard Budde


(also published in the Westfalen-Blatt on 25.7.2020 in Ostwestfalen and Lippe)


Einzigartiger Fingerabdruck der Stadt Goslar

Von Burkhard Budde

Eine einzigartige Stadt am Rande des Harzes lädt zu einer faszinierenden Reise ein. Es geht um keine 08/15-Reise, die mit Stress und Langeweile kämpft und nur wenig vom Alltagsleben ablenkt. Auch ist an keine Luxusreise gedacht, die superteuer, status- und genussverliebt angeboten wird. Die Reise nach Goslar in eine Stadt mit etwa 51 000 Einwohnern, vor allem mit 1800 Fachwerkhäusern, Plätzen und Altstadtgassen, ist vielmehr eine Begegnung mit einem unverwechselbaren Fingerabdruck insbesondere deutscher Kultur und Geschichte – für erlebnishungrige und zugleich geistoffene Besucher.


Diese Erlebnisreise in die Welt der Vorfahren befreit nicht nur von den Fesseln einer genervten und getriebenen Seele, sondern auch von der bedrückenden Enge des oberflächlichen und bequemen Geistes. Sie kann die Gegenwart verstehbarer und erlebbarer, aber auch gegenwärtige Herausforderungen für die Welt der Nachfahren verantwortbarer machen.

Der Markplatz in Goslar


Die Reise führt in das „Nordische Rom“ – im Mittelalter war die Stadt mit Königspfalz, Kaiserresidenz, Silberbergbau, mit 47 Kirchen, Klöstern und Kapellen ein pulsierendes Zentrum der Macht und des Glaubens; in eine Weltkulturerbestätte der UNESCO, wozu die Altstadt gemeinsam mit dem ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg am Stadtrand gehört. Die Reise führt vor allem zum „Geist des Ortes“, zum genius loci, der beim Eintauchen in die Aura Goslars sowie beim Betrachten historischer Details geweckt wird. Und zu einem unvergesslichen Erlebnis verschmilzt: durch Wahrnehmung - ohne einfache Ablenkungsmanöver, durch faire Erinnerung - ohne einseitige Gegenwartsfixierung, durch neues Wissen - ohne sture Überheblichkeit sowie durch eigene Deutung - ohne blinde Gefolgschaft einer Interpretation.


Und welche „Augenöffner“ kann der Oberbürgermeister dieser ehemaligen kaiserlich freien Reichsstadt (von 1340 mit der Verleihung des Heerschildrechts durch Kaiser Ludwig des Bayern bis 1802 mit der preußischen Besetzung) empfehlen? „Ein absolutes Muss, um Goslar kennenzulernen, ist ein Spaziergang durch die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und mittelalterlichen Bauten,“ meint OB Dr. Oliver Junk (Foto: Stadt Goslar/Klingebiel) und fügt hinzu: „Anschließend bietet es sich an, durch die Wallanlagen zu schlendern, die 2018 umgestaltet wurden und mittels Infostelen Erklärungen und geschichtliche Hintergründe zu den Teichen, der Stadtbefestigung und bergbaulichen Anlagen bereithalten.“


Da im 15. Jahrhundert das Raubritter- und Fehdewesens sein Unwesen trieb, wurden die Befestigungen der aufstrebenden und blühenden Stadt, die besonders aus Berg-, Hütten- und Forsteinkünften zu Wohlstand gekommen war, immer wichtiger. Bis heute spiegeln Häuser, das Rathaus, die Gilde- und Bürgerhäuser im Zentrum der Stadt diesen Wohlstand wider, die von 1267 bis 1566 zum Städte- und Kaufmannsbund der Hanse gehörte, aber auch Handel (mit Kupfer und Silber, Bier, Schiefer, Vitriol bzw. Galitzenstein) mit Städten der Region trieb. Die Bürgerstadt, die im 14. Jahrhundert ein Holzröhrensystem hatte, mit dem alle Häuser mit fließendem Wasser versorgt werden konnten. Die bis 1511 alleiniger Besitzer aller Gruben am Rammelsberg war. Die Auseinandersetzungen mit den Braunschweiger Herzögen vor allem wegen der Rechte am Rammelsberg hatte, ab 1568 mit Herzog Julius, der als Schutzherr von Goslar das Unterharzer Berg- und Hüttenwesen umgestalten ließ. Wie viele andere Städte erlebte die stolze Handelsstadt Goslar in der nachmittelalterlichen Zeit einen Verlust der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit durch das Erstarken der Territorialstaaten.


Aber zurück zur Gegenwart. Oliver Jung hat noch einen persönlichen Tipp: „Mein Geheimtipp ist der Blaue Haufen. Er bietet einen Blick auf Goslar von unten und von oben.“ Und in der Tat: Am Rammelsberg gibt es Bergwiesen, wo sich der sogenannte „Blaue Haufen“ aus ehemals blauschwarzem und heute mit Gras und Gebüsch überwucherten Schiefer-Hügel aus dem Jahr 1572 befindet. Hier muss sich ein Lichtloch zum 88 Meter tiefen Schacht befunden haben, um die Bergleute im Stollen mit Frischluft versorgen zu können. Heute ist diese „erlebnisreiche Schnittstelle zwischen unsichtbarer Vergangenheit und sichtbarer Gegenwart“ ein bevorzugter Platz vieler Jugendlicher.


Lutz und Heidrun Pfeifer vor ihrem "Glas & Holz" Studio


Nicht nur Bürger, Kaufleute, Händler und Ministerialadel, haben die Stadt geprägt, sondern zunächst haben Könige und Kaiser die Weichen gestellt. Und viele historische Spuren hinterlassen.


Zum Beispiel König Heinrich (919-936): 922 wurde Goslar im Tal der Gose, ein Nebenfluss der Oker, als eine Marktsiedlung gegründet.


Oder Kaiser Otto I (936-973): 968 begann der Bergbau im Rammelsberg.


Oder Kaiser Heinrich II (1002-1024): Die Königspfalz wurde von Werlaburgdorf bei Schladen an der Oker nach Goslar verlegt. Die Kaiserpfalz (Kaiserhaus) sowie der Dom (Stiftskirche Simon und Judas) wurden errichtet; vom Dom ist nur noch die Vorhalle unterhalb der Kaiserpfalz erhalten. Goslar wurde zur Lieblingspfalz und zum Zentrum des Reiches.


Die Kaiserpfalz


Oder Kaiser Friedrich I (1152-1190): Der Staufer hatte Konflikte mit einem Welfen, dem Herzog von Sachsen Heinrich dem Löwen, der ihm die Unterstützung beim Italienfeldzug verweigerte, weil der Kaiser ihm Goslar mit dem Rammelsberg nicht übertragen wollte. Der Löwe, der Goslar kriegerisch nicht erobern konnte, wurde am Ende vom Kaiser geächtet.


Oder Kaiser Otto IV (1198-1218): Der Welfe, Sohn Heinrichs des Löwen, konnte 1206 Goslar erobern. Er starb 1218 auf der Harzburg.


Schließlich Kaiser Friedrich II (1212-1250): Der Welfe hielt 1219 den letzten großen Reichstag in Goslar ab. Und es kam zum Ausgleich zwischen Welfen und Staufern; aber es begann auch das Ende des hochmittelalterlichen Kaisertums.


Die Marktkirche


Und wie denkt heute Propst Thomas Gunkel aus Goslar über seine Stadt mit so viel Geschichte und Geschichten, mit so viel Kultur und Traditionen? Was empfiehlt der Kirchenmann? Ein „Muss“ ist für ihn der Besuch der Marktkirche, der ehemaligen Klosterkirche Neuwerk sowie der Frankenberger Kirche und der St. Annenkapelle. In der Altstadt ist für ihn das historische Rathaus ein „Highlight“, das allerdings wegen Restaurierungsarbeiten wohl erst im Laufe des nächsten Jahres wiedereröffnet wird. Im Blick auf das Museum im Rammelsberg sollten Besucher zwei Tage einplanen, weil das Museum zwischen mittelalterlichem und neuzeitlichem Teil unterscheidet.


Und dann freut sich Thomas Gunkel noch auf ein „Kleinod“, das voraussichtlich ab Frühjahr 2021 „entdeckt“ werden kann: Im Besitz der Marktkirche bzw. in der reformations-zeitlichen Bibliothek befindet sich das älteste Gemeinde-Gesangbuch, von dem es nur noch ein Exemplar gibt, das sogenannte Erfurter Ferbefaß-Enchiridion, sowie das September-testament, ein Druck, den Martin Luther nach der Übersetzung des Neuen Testamentes auf der Wartburg anfertigen ließ.


Kinder, die Hoffnungs- und zukünftigen Verantwortungsträger der Gesellschaft, können einen Spielplatz im Garten des St. Annenhauses oder den Steinbergspielplatz nach einer Wanderung durch das Trüllketal zum Steinberg kennenlernen, empfehlen Gerald de Vries, Goslarer Propsteikantor, und seine Frau Franziska. Zudem sei die Lohmühle mit Zinnfigurenmuseum und Zwinger mit Mittelaltermuseum  auch für Kinder geeignet. Und für den Kantor an der Marktkirche ist selbstverständlich auch die Besteigung des Nordturms der Marktkirche ein „Leuchtturm“.


Dem schließt sich Lokalhistoriker Manfred Gruner gerne an: „Nach 232 Stufen aufwärts steht man 56 Meter über dem Erdboden in einem sechseckigen Raum des Turm der Marktkirche und hat einen herrlichen Blick über die Dächer bis ins Harzvorland.“ Einen weiteren „herrlichen Ausblick auf die Stadt“, so Manfred Gruner, bietet der Maltermeisterturm, etwa zwei Kilometer südlich der Altstadt am Rande des Rammelbergs. Wohl im 13. oder 14. Jahrhundert erbaut, diente er einst als Wachturm und läutete durch Glockengeläut zum Schichtbeginn im Bergwerk. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wohnte der Maltermeister im Turm, der für die Verwaltung des Grubenholzes zuständig war.


Und noch zwei Tipps hat Manfred Gruner: Von der Gaststätte auf dem Steinberg westlich der Altstadt gibt es ebenfalls einen wunderschönen Blick auf Goslar. Oder vom Sudmerbergturm („Sudmerberger Warte“), der 12,1 Meter hoch ist und als Rundturm 5,6 Meter Durchmesser hat, fällt der Blick auf die Stadt, das Harzvorland und zum Brocken.

Um bei der Fülle der Schätze der Altstadt jedoch nicht den Überblick zu verlieren, empfiehlt sich eine Führung (Infos: Touristen-Information am Marktplatz). 



Aber selbst ein erster Stadtbummel durch die Gassen mit ihrem alten Straßenpflaster und mit dem Schmuck an den Fachwerkhäusern motiviert, den Ort mit den vielen historischen Details selbst sprechen zu lassen, den „Geist der Stadt“ kennenzulernen und mit ihm in einen lebendigen Dialog zu treten.


(veröffentlicht auch am 26.7.2020 im

Wolfenbütteler Schaufenster)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt


Kampf um den Kuchen


Emotionen kochen hoch. Einer scheint Angst zu haben, nur ein kleines Stück abzubekommen. Ein anderer fürchtet, nicht das größte Stück zu ergattern. Einer will sich nicht mit Krümeln zufrieden geben. Ein anderer versucht die Rosinen herauszupicken. Manche Augen sprechen Bände. Selbst ein freundliches Lächeln auf den Lippen und schöne Seifenblasen aus dem Mund können es nicht verbergen: Diffuse Angst, zu kurz zu kommen oder gar vergessen zu werden, sondern auch Gier, Neid und Bosheit spiegeln sich in den blitzenden Augen wider. Ob in der Tiefe der erregten Seelen auch Minderwertigkeitsgefühle, Allmachtphantasien, alte Verletzungen, offene Rechnungen oder gar Dummheit eine Rolle spielen? Und was ist mit den Teilnehmern, die  am Kampf nicht teilnehmen oder anders kämpfen wollen, die keine Kraft und keine Nerven, keinen Lautsprecher und keine Fürsprecher haben?


Aber der Reihe nach: Die Eltern haben ihre Kinder – etwas verfremdet formuliert, aber jeder weiß wohl, was gemeint ist – zum „Kaffeetrinken“ eingeladen. Es gibt einen „großen Kuchen“, aber auch einen „großen Hunger“. Vielen läuft das Wasser im Mund zusammen. Nur wenige nehmen am Katzentisch Platz, merken es gar nicht oder wollen es lieber nicht wahrnehmen. Die meisten können den Mund nicht voll genug bekommen.


Vater sagt: „Es soll fair und gerecht zugehen.“ Und die Mutter ergänzt: „Weil wir euch alle gleich lieb haben. Und unsere Familienbande auch später nicht zerstört werden soll.“ Aber was ist „gerecht“? fragen sich die Kinder heimlich. Wenn alle die gleichen Chancen auf ein Stück des Kuchens haben? Wenn der Bedürftige mehr erhält als der Versorgte? Wenn breite Schultern, die schon ein Kuchenbuffet besitzen, weniger bekommen, weil sie mehr tragen können als diejenigen, die über keinen Kuchen verfügen? Wenn derjenige, der beim Herstellen des Kuchens in der Küche geholfen, mit einem leckeren Stück belohnt wird? Wenn auch an die gedacht wird, die nicht erschienen sind, aber noch dazukommen werden?


Zank und Unfrieden, Selbstgefälligkeit, Selbstgerechtigkeit und Selbstverliebtheit liegen in der Luft. Da sagen die Eltern fast wie aus einem Mund: „Bevor wir über unsere Vorstellungen mit euch besprechen, lasst uns das tun, was auch eure Großeltern schon getan haben. Und auch eure Kinder tun sollten.“


Und die Mutter spricht ein Tischgebet. Und Großvater sagt laut „Amen“, was übersetzt heißt „So sei es.“


Ob die Kinder die Botschaft verstanden haben? Die Einladung, vor der Schlacht am „Kuchenbuffet“ innezuhalten, über den Tellerrand der eigenen Bedürfnisbefriedigung in sich hineinzuhören, alle Teilnehmer als von Gott Gewürdigte wertzuschätzen? Sich zu vergewissern, dass Gesundheit und Frieden im Zweifel wichtiger sind als schnelle Befriedigung im Machtkampf um Vorteile zu Lasten oder auf Kosten anderer? Dass alle nur Gäste auf Erden sind – und Gott der Geber des Lebens aller ist? Ein Leben, das nicht nur materielle, sondern auch geistige Nahrung sowie beglückende und solidarische Gemeinschaft besonders in Krisenzeiten braucht.

Burkhard Budde


Veröffentlicht auch am 20. Juli 2020 im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe


Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


Battle for the cake


Emotions are running high. One of them seems afraid he's only gonna get a little piece. Another is afraid of not getting the biggest piece. Another won't settle for crumbs. Another tries to pick out the raisins. Some eyes speak volumes. Even a friendly smile on the lips and beautiful soap bubbles from the mouth cannot hide it: diffuse fear of being left out or even forgotten, but also greed, envy and malice are reflected in the flashing eyes. Whether in the depths of the aroused souls also feelings of inferiority, fantasies of omnipotence, old injuries, open accounts or even stupidity play a role? And what about the participants who do not want to participate in the fight or want to fight differently, who have no strength and no nerves, no loudspeaker and no advocates?


But in order: The parents have invited their children - somewhat alienatedly formulated, but everyone knows what is meant - to "drink coffee". There is a "big cake", but also a "big hunger". For many, the water in their mouths is running down. Only a few take a seat at the cat table, don't even notice it or prefer not to notice it. Most of them cannot get their mouth full enough.


Father says, "Let it be fair and just." And mother says, "Because we love you all equally. And we don't want to see our family ties destroyed in the future." But what is "fair"? the children ask themselves secretly. When everyone has an equal chance of getting a piece of the pie? When the one in need gets more than the one being cared for? When broad shoulders who already have a cake buffet get less because they can carry more than those who do not have a cake? When the person who helps to make the cake in the kitchen is rewarded with a delicious piece? When even those who did not show up but will be added to it are remembered?

Quarrelling and discord, complacency, self-righteousness and self-indulgence are in the air. Almost as if from one mouth, parents say: "Before we discuss our ideas with you, let us do what your grandparents did. And your children should do as well."


And the mother says grace. And Grandpa says "Amen,"

which translates as "So be it."


I wonder if the children understood the message. The invitation to pause before the battle at the "cake buffet", to listen to themselves beyond their own needs, to appreciate all the participants as being worthy of God? To make sure that health and peace are more important than quick satisfaction in the power struggle for advantages at the expense or to the detriment of others? That all are only guests on earth - and that God is the giver of life for all? A life that needs not only material but also spiritual nourishment as well as a happy and solidary community, especially in times of crisis.

Burkhard Budde


Also published on 20 July 2020 in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe


Vom Zauber der Stadt Bad Harzburg

Von Burkhard Budde

Warum den Blick wehmütig in die Ferne schweifen lassen, wenn der Zauber beglückenden Erlebens in der Nähe liegt? Bad Harzburg am Nordrand des Harzes mit viel und lebendigem Charme muss nicht vom Besucher aus einem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden. Das Tor zum Nationalpark Harz mit einer sagenhaften Bergwelt ist keine Schlaf- und Geisterstadt mit einzelnen Touristen, die sich wie Gespenster in der Bummelallee, einer attraktiven Fußgängerzone, lustlos hin und her bewegen. Die ehemalige Enklave, die zum Landkreis Wolfenbüttel gehörte und als dessen „Bell Etage“ galt, heute zum Landkreis Goslar zählt, ist zwar kein Bienenkorb mit emsigem Treiben, das stresst und nervt, aber auch keine letzte Zufluchtsstätte für alte und einsame Herzen, die hier ihren Lebensabend verbringen wollen.


Was aber zählt zum Zauber dieser Stadt, die aufgrund der Verkehrsanbindung über die B4/B6/A36 und der A369 sowie der Zugverbindungen von und nach Braunschweig (über Wolfenbüttel) und von und nach Hannover ein beliebtes Ausflugsziel für die ganze Familie aus der Region und darüber hinaus geworden ist?


„Eine weit und breit einzigartige Attraktion, die eine Magnetwirkung hat“, so Bad Harzburgs Bürgermeister Ralf Abrahms, „ist der Baumwipfelpfad.“


Der im Jahre 2015 eröffnete Pfad, der etwa ein Kilometer lang ist und 22 Meter über dem Boden schwebt, habe bereits über eine Millionen Besucher angelockt. Aus guten Gründen: Er gibt auf dem Weg durch die Baumwipfel Einblicke in die Natur, speziell in das Kalte Tal. Und Ausblicke auf die Berge, speziell auf den Burgberg, dem 485 Meter hohen Hausberg Bad Harzburgs.


Von dem Burgberg, der nicht nur über den Baumwipfelpfad oder auf Wanderwegen, sondern auch mit einer nostalgischen Kabinenseilbahn, die 1929 in Betrieb genommen wurde, gut zu erreichen ist, ist auch der Propst von Bad Harzburg Jens Höfel begeistert. „Vom Berg aus hat man auf die Stadt und auf das nördliche Harzvorland einen grandiosen Ausblick.“

Beeindruckend sind auch die Reste der Harzburg, die König Heinrich IV. um 1065 zum Schutz gegen die Sachsen errichtet hatte. Und ein Turm, der an Kaiser Otto IV erinnert, Sohn Heinrichs des Löwen und Neffe von Richard Löwenherz, der 1218 auf der Harzburg gestorben ist. Zudem befindet sich auf dem Burgberg-Plateau -unübersehbar – ein großer Obelisk, die Canossa-Säule, die 1877 zu Ehren des Reichskanzlers Otto von Bismarck ( 1815 bis 1898) aufgestellt wurde sowie – etwas versteckt – der Uhlandstein , eine Erinnerung an den Dichter Ludwig Uhland (1787 bis 1862), der Abgeordneter im ersten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung, gewesen ist und Bad Harzburg besucht hatte. Und wer die Symbiose von Natur und Geschichte auch mit dem Gaumen so richtig genießen will, kann ins Gast- und Logierhaus „Plumbohms“ einkehren und sich verwöhnen lassen.


Wer vom Berg aus wandern will – zum Beispiel zu den Rabenklippen mit dem Luchs-Schaugehege und der Waldgaststätte „Rabenklippe“ oder ein Stück des „Kaiserwegs“, benannt nach dem Fluchtweg Heinrichs IV 1074 von der Harzburg in verschiedene Zufluchtsorte – kommt an der Krodo-Statue des Kunsthandwerkes Volker Schubert mit den Symbolen Rad (ewige Sonne?), Korb mit Blumen (Fruchtbarkeit?), Rockschoß (Lebensatem?), Fisch (Wiederauferstehung?) vorbei. Nach der Überlieferung soll hier 1492 eine Statue des Sachsengottes Krodo gestanden haben.


Und dann sind es nur noch einige Schritte zur aktuellsten Attraktion Bad Harzburgs, zum Turm auf dem Antoniusplatz, zur Baumschwebebahn am Burgberg, die am 1. August eröffnet werden soll und dann die vierte „Fly-Line“ Anlage dieser Art in Deutschland ist. Der etwa einen Kilometer lange und fünf Minuten dauernde Höhenflug der Flieger, die an einer Schiene bzw. an sogenannten Laufkatzen hängen, um durch einen Steilhang hinunter ins Kalte Tal zu kommen, endet am Hinterausgang des Baumwipfelpfades. Testflieger sprechen von einem atemberaubend intensiven Erlebnis.


Und was empfiehlt Gästeführer Manfred Gruner? Für ihn steht Bad Harzburg für „Wandern –Wellness – Wohlfühlen“. Wer das erleben will, dem rät er zum Beispiel vom Burgberg zur Eckertalsperre oder „für ganz Kräftige“ den Weg zum Brocken zu wandern. Auch den „WasserErlebnisWeg“, der sich am Fluss Radau und am Kalte-Tal-Bach befindet, sowie die „AdventureGolf-Anlage (Minigolfplatz mit 18 Bahnen) im Herzen des Kurparks sollten Gäste kennenlernen. Sein „Geheimtipp“ ist jedoch der Jungbrunnen in der Stadtmitte, der vom Quedlingburger Künstler Jochen Müller gestaltet wurde und den Jugendwahn, aber wohl auch den Größen- und Machbarkeitswahn humorvoll auf die Schippe nimmt. „Die Figuren“, schmunzelt Manfred Gruner, „zeigen sehr schön die Auswirkungen der guten Luft und des Mineralwassers in Bad Harzburg, denn alle sind wieder jung und klein geworden.“


Noch ein Ausflugstipp: Bad Harburg hat einen „zweiten Kurpark“, einen reizvollen Golfplatz mit 18 Spielbahnen in traumhaft schöner Lage. Direkt daneben befindet sich ein Wildgehege, wo Hirsche, Rehe, Kitzen und Ziegen zu sehen sind. Über die reizvollen und idyllischen Gestütswiesen mit den Pferden auf den Koppeln kommt man schließlich zum Cafe Goldberg (Ortsteil Schlewecke). Und wird mit einem weiten Ausblick auf das Harzer Land – einschließlich Pferderennbahn - belohnt, so dass auch der Abstand der Seele vom Alltag größer wird.


In diesem Jahr wird in Bad Harzburg wegen Corona manche Einrichtung geschlossen bleiben, zum Beispiel die Sole-Therme mit der Sauna-Erlebniswelt, die Trink- und Wandelhalle und das Silberbornbad. Und Veranstaltungen wie das Lichterfest oder die Galopprennwoche werden nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt.

Aber es lohnt sich immer, sich vom Charme der Stadt verzaubern zu lassen. Kaum einer weiß, dass die Bäderarchitektur in den Bergen entstanden ist und nicht an der Ostsee. Zahlreiche Bauten und Villen im Bäderstil um 1900 – überdachte Veranden und Erker, verteilt über das ganze Gebäude, als Schutz für die Gäste, die die klare Bergluft genießen sollten - sind in der Kurstadt noch zu finden, zum Beispiel an der Amsbergstraße, am Hindenburgring oder auch an der Papenbergstraße 4, früher das Hotel „Schlemm“. Früher gehörte die kleine Kurstadt mit ihrer repräsentativen Architektur zu den renommiertesten Kurorten Deutschlands und war ein attraktives Sommerziel für Adelige und das gehobene Bürgertum, um dem damaligen Lärm, der bedrängenden Enge und der schlechten Stadtluft zu entfliehen.


Heute gibt es noch weitere Beweggründe, nach Bad Harzburg zu kommen.


Da ist das ehemalige Hotel Parkhaus an der Herzog-Wilhelm-Straße, auch im Bäderstil der Zeit errichtet und 1896 eröffnet, in dessen Garten von 1901 bis 1935 eine Synagoge für jüdische Kurgäste und Bewohner der Stadt stand. Und jüdische Spuren sind immer zugleich aktuelle Mahnung und ständiger Weckruf, sich gegen Hass und Gewalt und für Demokratie und Menschlichkeit einzusetzen, insbesondere wenn man an den 11. Oktober 1931 denkt, als sich 2000 Angehörige von Hitlers SA und andere paramilitärische Verbände im Kalten Tal trafen und anschließend im Kurhaus die „Harzburger Front“ bildeten, damit rechtsradikale und nationalistische Kräfte gemeinsam die erste deutsche Demokratie zerstören konnten, um ihre menschenverachtende Ideologie in die Tat umzusetzen.


Da ist aber auch die neugotische Lutherkirche, die 1901 bis 1903 nach Plänen des Bad Harzburger Baumeisters Gustav Heine erbaut wurde und dessen ursprüngliche Ausmalung des Braunschweigischen Hofmalers Adolf Quensen (1851 bis 1911) zur Zeit restauriert wird.


Oder das Romantik Hotel Braunschweiger Hof, das die Braunschweigische Eisenbahn-Gesellschaft 1872 gründete und das seit 1894 im Familienbesitz ist. Und in dem auch die Goethe-Gesellschaft Bad Harzburg (gegründet 1947), die Deutsch-Französische Gesellschaft Bad Harzburg (seit 1972) und die Deutsch-Dänische Gesellschaft Harz (seit 1989) tagen.


Oder das Schacht- und Quellenhaus mit einer Förderanlage für vier Heilquellen an der Herzog-Julius-Straße, der Keimzelle des Heilbades. 1569 wurde die erste Solequelle mit dem „Wunderwasser“ entdeckt. Sie erhielt ihren Namen „Juliushaller“ nach dem Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (reg. 1568 bis 1613), dem der Ort ein Salzwerk verdankte. Bis heute „sprudeln“ in Bad Harzburg drei Quellen, die „Krodo-Quelle“ seit 1894, die „Johann-Albrecht-Quelle“ seit 1907 und die „Barbarossa-Quelle“ seit 1931 – vor allem zur Freude der etwa 23 000 Einwohner der Stadt (Stand 31.12.2019) und der vielen (Kur-)Gäste, natürlich auch immer gut und belebend für die Gesundheit aller.


Bürgermeister Ralf Abrahms


Ralf Abrahms empfiehlt darüber hinaus „Cafe Winuwuk“ mit dem „Sonnenhof“, ein „Gesamtkunstwerk – wie eine Dependance der Künstlerkolonie Worpswede.“ Hier gebe es nichts Eckiges, sondern nur Rundes und Rustikales mit vielen künstlerischen Einlagen. „Es wird echte Kaffeehauskultur gepflegt.“


Aber auch das Hofcafe Schwalbennest“ im über 1000 Jahre alten Ortsteil Bettingerode liegt dem seit 2002 amtierenden Bürgermeister am Herzen. Hier - am Ziel- und Ausgangspunkt vieler Fahrradtouren - vor imposanter Kulisse der Harzer Berge gebe es nicht nur selbstgebackenen Kuchen, sondern auch zahlreiche Schwalben.


Kultur ist auch für Jens Höfel wichtig. Er genießt es, in einem der vielen Straßencafes in der Bummelallee in der Stadtmitte – besonders bekannt ist das Cafe Peters „an der Ecke“ mit seiner über 100 Jahre alten Tradition - zu sitzen und „das Leben um mich herum zu beobachten“. Und das kann spannend entspannend sein und ein bewegt bewegendes Gefühl beglückender Freiheit vermitteln.


(veröffentlicht auch im Wolfenbütteler Schaufenster am 19.Juli 2020)


Kommentar


Bringt’s die Quote?


Warum will sich die freie CDU freiwillig an eine Frauenquote fesseln? Eine gefesselte Partei ist wie ein Mensch mit Fußfesseln: Er kann sich kaum bewegen, nicht einmal in die Höhe springen, wenn Applaus von falscher Stelle aufbraust. Und es wird peinlich, wenn er Stimmungen um der Stimmen willen hinterherläuft. Und „gefesselt“ herumlaufen, kann ihm selbst schaden und kontraproduktiv wirken.


Eine bewegungs- und handlungsfähige Volkspartei, die aus dem Geist der Freiheit und Verantwortung, der Gerechtigkeit und Solidarität, der Integration und Nachhaltigkeit lebt, wird Fesseln vermeiden und solche sprengen, die einen Automatismus und Zwang hervorrufen, letztlich bevormunden und entmündigen sowie neue Ungerechtigkeiten schaffen. Nur wer keine Fesseln trägt, kann in einer konkreten politischen Situation neue Lösungswege im Blick auf die Bewältigung einer Aufgabe finden und gehen, ohne dabei bindungs- und grundsatzlos werden zu müssen.


Eine mutige und eigenständige Partei, die sowohl pragmatisch als auch programmatisch unterwegs ist, leidenschaftlich und argumentativ für ihre Ziele und Politikangebote kämpft, wird ohne Fesseln begründete Bindungen eingehen. Damit werden Willkür überwunden und Machtkämpfe produktiv gebändigt – zum Beispiel Bindungen an einen ethischen Kompass, an das Selbstverständnis der Partei, aber auch an Frauen-, Jugend-, Talentförderung. Wer sich bindet, kann leichter abwägen und begründet sowie individuell und zugleich aufgabendienlich entscheiden.


Wichtiger als die „schöne“ Fessel der Frauenquote oder das Denken in Quoten und Gruppen ist die Bindung an konkrete Politiker, die unabhängig vom Geschlecht oder Alter, Ansehen oder Aussehen, von der Herkunft oder von der Zugehörigkeit, vom Status oder vom Titel sich glaubwürdig bewegen können – auch um Krisen zu bewältigen, um Menschen für einen politischen Kurs zu gewinnen und um Politik „kunstvoll“, d.h. zum Wohle des Gemeinwohls zu gestalten.


Burkhard Budde

Liebeserklärung an den Harz

Von Burkhard Budde – Teil 1 -


Die Sehnsucht ist groß - nach einer Auszeit vom Stress oder von der Langeweile, von den Wechselbädern der Gefühle oder der Tretmühle des Alltags. In diesem Jahr gibt es wegen Corona viele Sehnsüchtige, die sich nicht in die Röhre eines Flugzeuges zwängen und dabei das Gefühl von Käfighaltung und Angst vor Ansteckung nicht loswerden, sondern die die Freiheit und das Abenteuer vor der eigenen Haustür suchen.

Warum auch nicht? Zwar kann man als Heimaturlauber – übrigens selbst in den eigenen vier Wänden - „böse Überraschungen“ erleben, aber man kennt sich in der Nähe besser aus als in der Ferne und fühlt sich deshalb grundsätzlich sicherer.


Der Urlaubshungrige oder Erholungsbedürftige muss nicht sensationssüchtig in die weite Welt hinausschwärmen, um dort die Leere und den Stress anzutreffen, vor dem er dachte, geflüchtet zu sein. Oder auch nicht den Kampf um Anerkennung ertragen und erleiden oder selbst zelebrieren, um nicht beliebig zu erscheinen.


Der Heimaturlaub birgt vielmehr besondere Chancen, mit offenen Augen Neues zu sehen, faszinierende Erlebnisse zu haben und zauberhafte Entdeckungen zu sammeln. Immer mehr Neugierige strömen deshalb in ihre Heimat – zum Beispiel in den Harz. Und ihre Neugierde, die sich zwischen Aufdringlichkeit („Ich will alles ganz genau wissen!“) und Fingerspitzengefühl („Ich will alles ganz genau verstehen!“) bewegt, ist begründet.


Das Mittelgebirge mit dem Brocken als höchsten Berg Norddeutschland (1141 Meter) bietet viele Natur- und Kulturerlebnisse - auch in der Sommerfrische. Hier sind „Radesel“ unterwegs; biken oder andere Outdoor-Aktivitäten können ins Auge gefasst werden.


Vor allem jedoch kann jeder Natur- und Kulturliebhaber durch einsame Wälder wandern, sich im Auf und Ab der Forstwege sowie auf den federnden Waldpfaden körperlich erholen, seelischen Stress abbauen, den Kopf frei bekommen, über Gott und die Welt nachdenken, meditieren oder sich inspirieren lassen. Und Gemeinschaft erleben, in der nicht selten die besten Gespräche zustande kommen, weil spontanes und gegenseitiges Vertrauen geschenkt wird, im zweckfreien Austausch Gedanken und Gefühle wachsen und reifen können.


Aber auch wundersame Begegnungen sind möglich – mit Vögeln, die den Wanderer zwitschernd begrüßen und begleiten, mit Bäumen, die ihn rauschend umarmen und streicheln. In Tagträumen mag sich ein Gast, der zum liebenden Freund des Waldes geworden ist, am liebsten wie ein scheues Reh verstecken, wie ein junger Vogel fliegen, wie ein starker Baum an plätschernden Bächen mit frischem Wasser verwurzeln oder wie die prächtige Knospe einer einzigartigen Blume entwickeln. Und in all dem duftenden und geheimnisvollen Geschehen lächeln und blinzen die Sonnenstrahlen durch die Wolken sowie die Blätter des bewegten und bewegenden Waldes hindurch.

 


Auch der Dichter Heinrich Heine (1797 bis 1856) war im Harz zu Fuß unterwegs. Sein Buch „Die Harzreise“ (1824) motiviert mit romantischen Tönen zum Streifzug durch malerische Täler und Orte wie Osterode, Lerbach, Clausthal-Zellerfeld und Goslar - Städte mit liebevollen Details und kulturhistorischen Überraschungen. In Heines Beobachtungen tummeln sich neben dem Staunen über die Schönheit der Natur und Kultur Herzschmerz und Spott, Witz und Nörgelei – ganz wie im echten Leben eines Entdeckers unserer Tage, der ohne Scheuklappen und ständigem Blick auf sein Smartphone seine Wege bewusst geht und neben seiner Besserwisserei auch neue Entdeckungen wahrnimmt und genießt.


Hier im Harzer Wald beeindruckt die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt; hier – nur hier in Norddeutschland – gibt es Moore, Bergfichtenwälder, Felsen und Blockhalden; leider auch viele Spuren des Klimawandels wie die Waldschäden und das Waldsterben, die jedoch den Blick auf die Schönheiten grandioser Landschaften nur wenig trüben können. Der Wanderer verspürt die Eigendynamik eines Urwaldes, der sich unbeeinflusst entwickelt, sieht aber auch das Engagement der Forstwirtschaft, die ökologisch ausgerichtet ist. Und bei manchem entsteht ein Verantwortungsgefühl für das Ganze, dass Mensch und Natur, Politik und Gesellschaft in einem Boot sitzen, möglichst im Gleichschlag und im Ausgleich der Interessen in eine Richtung rudern sollten. Und das Klima- und Naturschutz auch Menschen- und Tierschutz bedeutet, um nachhaltige sowie gemeinsame Perspektiven zu haben.



Seit dem 1. Januar 1994 gibt es den Nationalpark Harz in Niedersachsen, benachbart vom Nationalpark Hochharz in Sachsen-Anhalt. Und beide liegen mitten in Deutschland, während alle anderen Nationalparke in Deutschland an den Außengrenzen liegen. Kann von dieser Mitte nicht auch ein versöhnendes Herz hörbar für die Politik und Gesellschaft kräftig schlagen, das vor allem Menschen mit ihrer besonderen Verantwortung nicht an dem Ast des Lebens sägen, auf dem sie selbst sitzen?! Sondern den alten Wald-Wild-Konflikt – die unterschiedlichen Sichtweisen der Förster und der Jäger – nicht durch Selbstregulierung, sondern durch eine gemeinsame Strategie im Blick auf einen Waldumbau zugunsten eines Mischwaldes und eines natürlichen Gleichgewichtes zu bewältigen?! Nicht nur das Reh mit seinen zarten Gliedern und Kulleraugen hat seine Unschuld verloren, weil junge Laubbäume mit jungen Trieben ganz oben auf seinem Speiseplan stehen, sondern auch eine Monokultur, die sich nur als Produktionsstandort für Holz versteht und mit Hilfe des Klimawandels zum Waldsterben einlädt.


Früher – viele Hundert Jahre lang – gehörte der Harz mit seiner Holzverkohlung, vor allem mit seinem Bergbau und der Erzverhüttung zu den bedeutendsten Industrieregionen im deutschen Sprachraum. Etwa 50 Prozent des Silbers stammte ab Mitte des 16. Jahrhunderts aus den Bergwerken des Harzes. Offiziell endete der Harzer Bergbau erst im Jahr 2007.


Geblieben sind jedoch viele Spuren der mittelalterlichen Wasserbautechnik und einmalige Sehenswürdigkeiten des Weltkulturerbes – zum Beispiel das Wasserregal, das zum größten Teil vom 16. bis 19. Jahrhundert erbaut wurde, und heute den Rang einer Welterbestätte hat.


Das Wasserregal („Regal“ bedeutet Recht, königliches Hoheitsrecht, auf Bergbau und Wasser) ist ein Energiegewinnungs- und Verteilersystem. Dazu gehören 150 Stauseen und Teiche (z.B. der Oderteich, der 1720 erbaut wurde und bis ins 19. Jahrhundert größte Talsperre Mitteleuropas war), 500 Kilometer lange Gräben, 30 Kilometer künstliche Wasserläufe, Stollen, Schächte und Wasserräder. Das Meisterwerk ermöglichte den Abbau von Silber, Blei und Kupfer in Bergwerken, die hoch im Gebirge lagen, um die tiefgelegenen Schächte und Stollen zu entwässern, indem mit Wasser Pumpen und Räder angetrieben wurden.


„Wasserknechte“ mussten nicht länger im Schweiße ihres Angesichts das Wasser aus der Tiefe entsorgen. Ein System, eine geniale Verbindung von Natur und Technik, kam Menschen zugute. Es hat noch heute mit den Harzwasserwerken eine lebensspendende Funktion.

Im Einklang mit der Natur werden neue Sehnsüchte nach einem Wald geweckt, der die Seele verzaubern kann. 


Aktuelle Probleme werden zwar nicht einfach weggezaubert, aber der Wald wird als Kulturlandschaft erlebbar – als beglückende Freiheit neu entdeckt.

 

-         Der folgende zweite Teil handelt vom „Tor zum Oberharz“, Bad Harzburg -

(veröffentlicht im Wolfenbütteler Schaufenster am 12.7.2020)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt


Störrischer Esel?


Ob mit oder ohne Maske: Nicht sein Gesicht, seine Stimme oder seine Hände, sondern seine Füße verraten ihn. Er scheint sich nicht von der Stelle bewegen zu können. Gerne erzählt er wie ein Wasserfall, kann aber nicht aktiv zuhören. Manchmal vernimmt er zwar einleuchtende Argumente, bleibt aber trotzdem stur bei seiner Meinung. Er nörgelt an allem und jedem herum, wagt jedoch selbst selten Neues. Einen offenen und intensiven Gedankenaustausch scheut er. Und regt sich tierisch auf, wenn sein Verhalten kritisiert wird. Kaum zu glauben, aber er verhält sich wie ein störrischer Esel auf einem Gebirgspfad.


Warum kommt der Esel nicht vom Fleck? Ist es die schwüle Luft einer diffusen Angst, die Last einer ehrlichen Auseinandersetzung nicht (er-) tragen zu können? Die unbekannte Ruhe vor einem gefährlichen Sturm, der in den tiefen Abgrund der Sinnlosigkeit und Ohnmacht treibt? Oder die glühende Hitze einer zwanghaften Regulierungswut, die die Luft zur Eigenverantwortung und Verhältnismäßigkeit nimmt? Die eisige Kälte eines autoritären Perfektionsdrills, der andere gerne bloßstellt und demütigt, um von eigenen Mängeln abzulenken?


Braucht der Esel einen Tritt in den Allerwertesten? Widerspruch und Widerstand? Eine Möhre, die verlockend riecht? Muss er ein Anderer werden?


Ein Esel wird nie zu einem Hund, zu einer Katze oder zu einem Hahn. Doch alle (vier) werden im Leben und für das Leben gebraucht – trotz ihrer Eigenarten und Widrigkeiten, ihres (hohen) Alters und ihrer (fehlenden) Leistungsfähigkeit. Keiner ist nutzlos. Wenn alle das einbringen, was sie  besonders gut können und gelernt haben, kann gemeinsame Not mutig und clever in einen gemeinsamen Neuaufbruch mit langfristigen Perspektiven verwandelt werden. Selbst ein störrischer Esel ist wegen seiner Trittsicherheit gerade im unwegsamen Gebirge der gemischten Gefühle und (Un-) Gewissheiten Teil einer solchen Lösung. Auf dem breiten Rücken seiner Erfahrungen ist viel Platz – z.B. für einen getretenen Hund, für eine vertriebene Katze und einen ungeliebten Hahn, die sich nicht länger alles gefallen lassen wollen.


Ob Hund, Katze oder Hahn, steckt nicht in jedem Menschen auch ein „störrischer Esel“ – und umgekehrt?! Ob mit oder ohne Schminke: ein leidenschaftliches Herz, ein kluger Kopf und helfende Hände können die Füße bewegen, um neue  Lebensräume zu erschließen. Und warum nicht auch den Raum des Gott- und Christusvertrauens, der die Türen zum neuen Selbst-, Grund- und Fremdvertrauen aufschließt, um nicht auf der Stelle zu treten, sondern gemeinsam Zukunft in der Gegenwart zu gewinnen?!


Burkhard Budde


(veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 11.7. 2020 in Ostwestfalen und Lippe)


Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


Stubborn donkey?


With or without mask: it's not his face, voice or hands, but his feet that betray him. He seems unable to move from the spot. He likes to talk like a waterfall, but cannot actively listen. Sometimes he hears plausible arguments, but still sticks to his opinion. He nags about everything and everyone, but rarely dares to try anything new himself. He avoids an open and intensive exchange of ideas. And he gets very upset when his behaviour is criticised. Hard to believe, but he behaves like a stubborn donkey on a mountain path.

 

Why doesn't the donkey get away? Is it the sultry air of a diffuse fear of not being able to bear the burden of an honest argument? Is it the unknown calm before a dangerous storm that drives into the deep abyss of senselessness and powerlessness? Or the glowing heat of a compulsive regulatory frenzy that takes the air of self-responsibility and proportionality? The icy cold of an authoritarian perfectionist drill that likes to expose and humiliate others in order to distract from its own shortcomings?


Does the donkey need a kick in the ass? Contradiction and resistance? A carrot that smells tempting? Does he need to become an other?


A donkey never becomes a dog, a cat or a rooster. But all (four of them) are needed in life and for life - despite their peculiarities and adversities, their (high) age and their (lack of) ability to perform. None of them is useless. If all of them bring in what they are particularly good at and have learned, common need can be courageously and cleverly transformed into a common new beginning with long-term perspectives.


Even a stubborn donkey is part of such a solution because of its sure-footedness, especially in the impassable mountain of mixed feelings and (im)certainties. On the broad back of his experiences there is a lot of space - e.g. for a kicked dog, a driven away cat and an unloved rooster, who no longer want to put up with everything.  


Whether dog, cat or rooster, is not in every person also a "stubborn donkey" - and vice versa?! Whether with or without make-up: a passionate heart, a clever head and helping hands can move the feet to open up new living spaces. And why not also the space of trust in God and Christ, which opens the doors to new self-confidence, basic trust and trust in others, in order not to tread on the spot, but to win the future together in the present?


Burkhard Budde


(published in the Westfalen-Blatt on 11.7. 2020

in Ostwestfalen and Lippe)

 

Kommentar

 

Träumen, ohne die Realität zu vergessen

Was gehört zu einem "gerechten Frieden“?

 

Träumen, politische Visionen haben, ist erlaubt. Und wichtig.

Die NATO, ein defensives Bündnis, träumt von einer Welt ohne Nuklearwaffen. Und setzt sich u.a. für Rüstungskontrolle und Abrüstung ein.


Politiker im Deutschen Bundestag träumen von einer Welt des Friedens in Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Und unterstützen deshalb das Konzept der nuklearen Abschreckung der NATO sowie die nukleare Teilhabe Deutschlands, gemeinsame Verfahren und Beschlüsse zur Nuklearpolitik. Damit der Frieden erhalten und Aggressionen abgeschreckt werden können.


Träume können aber auch den Blick für die Wirklichkeit verstellen. Wenn zum Beispiel Politiker in Deutschland  davon träumen, „Frieden ohne nukleare Waffen in Deutschland“ im Alleingang zu schaffen. Denn könnten beim Wegfall von Nuklearwaffen Aggressoren nicht verführt werden, mit konventionellen Waffen zu drohen und gezielt militärisch vorzugehen, um ihren Machtbereich zu erweitern? Die Bedrohung durch den Putinismus ist leider keine Träumerei, sondern Realität, z.B. – durch angstmachende Drohungen – im Zusammenhang mit der völkerrechtswidrigen  Okkupation der Krim sowie – durch bedrohliche Fakten -  mit der Aufrüstung neuer nuklearer Waffensysteme.


Papst Franziskus träumt davon, dass alle Atomwaffen verboten werden. Und kann offensichtlich die Strategie der nuklearen Abschreckung nicht länger tolerieren. Das erinnert mich an eine Karikatur: Zwei Igel sind im Gespräch. Im Hintergrund ist ein Fuchs zu sehen. Der eine Igel sagt: „Ich lege meine Stacheln ab. Sie provozieren nur.“ Was gut gemeint ist, muss nicht richtig sein, sondern kann gerade das bewirken, was nicht beabsichtigt worden ist. Es wäre  tragisch, wenn ausgerechnet „Friedensstifter“, die sich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen, Unfrieden verursachten, weil sie zwar eine notwendige ethische „Distanz“ zu Atomwaffen und überhaupt zur Gewalt, aber kaum realistische „Nähe“ zur Macht der Mächtigen und ihrer totalitären Idee haben, denen eine christliche oder humanitäre Ethik nur als Mittel zum Zweck, als Etikettenschwindel dient. 

Franziskus sollte an die Folgen seiner populären Aussagen denken, da der alte Pazifismus mit seiner militanten Prinzipienreiterei keine Renaissance erfahren sollte. Denn ein „staatlicher Pazifismus“ ist kein politisches Modell einer nachhaltigen Friedensordnung in individueller Würde und selbstbestimmter Freiheit.


Zum „gerechten Frieden“ gehören das Recht und die Pflicht des demokratischen Staates (und der NATO), sich und andere gegen Aggressionen zu verteidigen. Ferner zählen dazu politische Entscheidungen (wie das Konzept der nuklearen Abschreckung), die rechtmäßig und demokratisch legitimiert sind, die nachvollziehbare Gründe für die Bedrohung des Friedens und der Freiheit benennen können, die humane Ziele wie den Schutz der Freiheit im Auge haben, die politische Mittel wie Rüstungskontrolle und Abrüstung einsetzen, die einen erfolgversprechenden Weg zugunsten eines gerechteren und sicheren Friedens ermöglichen.


Wenn die Kirchen dazu beitragen, dass sich möglichst viele Menschen für den inneren und äußeren Frieden empathisch und klug einsetzen, dialogbereit und zugleich wehrhaft sind, wird vielleicht auch die spirituelle Tür zum persönlichen Seelenfrieden geöffnet, der im Wechselspiel mit den vielen anderen Arten des Friedens steht. Und ein Albtraum könnte vermieden werden, weil die Vision eines gerechteren Friedens in Würde und Freiheit, mit Wehrhaftigkeit und Rechtstaatlichkeit eine reale Chance behält.

Burkhard Budde 

Bislang nicht veröffentlichter Leserbrief zum Artikel „Auf ethische Distanz zu Atomwaffen“ von Thomas Jansen (F.A.Z. vom 24.6.2020)


Autokonzert in Wolfenbüttel


"You Silence I Bird"

beim SummerTime Festival in Wolfenbüttel am 4. Juli 2020

lädt mit originellen Songs zur bewegten Besinnung und zur besinnlichen Bewegung ein.

In der Corona- Zeit genau die richtige Dosis für die Seele.


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt


Das unbekannt Unbekannte


Langsam geht die Sonne unter. Das Farbenspiel am Horizont berührt das Herz. Ein Erlebnis von beeindruckender Harmonie. Doch wie aus heiterem Himmel, lautlos und unvorhersehbar, taucht das unbekannt Unbekannte auf. Die Idylle ist abrupt zu Ende. Fromme Tauben suchen schnell das Weite, kopflos. Verlogene Schlangen spritzen ihr Gift noch weiter, herzlos. Angsthasen, scheue Rehe und graue Mäuse flüchten in Panik, grundlos. Das Brüllen zahnloser Tiger ist unüberhörbar, ohne Vernunft und Verstand.


Ein eitler Pfau und eine selbstverliebte Katze streiten. „Du hast keine Ahnung von der Gefahr und redest dummes Zeug“, beleidigt der Pfau die Katze. Die Samtpfote, die zunächst um den heißen Brei herumgeschlichen ist, zeigt ihre Reizzähne: „Und du plusterst dich als Lebensretter auf. In Wahrheit geht es dir nur um deinen Ruhm und deine eigene Unsterblichkeit.“


In diesem Augenblick verschwindet die Sonne - völlig. Und Finsternis herrscht - grenzenlos. Doch beide Streithähne nutzen diese Gelegenheit - zum Nachdenken: Sollten sie jetzt völlig ausrasten und sich bis aufs Blut bekämpfen? Den anderen lächerlich machen? „Ein Typ wie du kennt sich ja bestens aus!“ Den anderen verwirren? „Gibt es noch andere Themen, über die wir sprechen können?“ Dem anderen Paroli bieten? „Dann passen wir ja gut zusammen!“ Den anderen ins Leere laufen lassen? „Vielleicht hast du ja Recht!“ Oder einfach schweigen - still leiden? Oder sich wie ein begossener Pudel verhalten - vom Acker machen?

Während noch beide im Nebel ihrer Gedankenblitze stochern, hören sie das Lied einer Nachtigall: „Wisst ihr eigentlich, dass ihr beide unendlich geliebt seid, nur ein Leben habt und im Leben aufeinander angewiesen seid? Dass ihr euch um neue Erkenntnisse streiten sollt, jedoch ohne den anderen zu verletzen, weil keiner den Stein der Weisheit besitzt? Streitet mit Anstand und Fairness! Haltet auch Abstand zu euch selbst, um innere Freiheit und neue Nähe zu gewinnen. Damit die unbekannte Bedrohung bekannter und bewältigt werden kann.“


Nur ein Engelsgesang einer Nachtigall? fragen sich beide. Da endet die Nacht und die Sonne geht auf – über dem Pfau, der Katze und allen anderen. Und einigen fällt es wie Schuppen von den Augen: Ist nicht durch Gottes unbegreiflich solidarische Liebe ein Neuanfang möglich? Die heute noch Kraft zur Versöhnung und zur Verantwortung vermittelt, um besonders wehrloses Leben zu schützen - bis Gott selbst letzten Sinn im erweiterten Horizont des Glaubens schenkt.

Damit der Kampf gegen das unberechenbare Virus, gegen das (noch) unbekannt Unbekannte, nicht untergeht.


Burkhard Budde  

(auch veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 4.7.2020

in Ostwestfalen und Lippe)


Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


The unknown unknown



Slowly the sun sets. The play of colours on the horizon touches the heart. An experience of impressive harmony. But as if out of the blue, silently and unpredictably, the unknown appears. The idyll comes to an abrupt end. Pious pigeons quickly seek the distance, headless. Lying snakes spray their venom even further, heartlessly Scared rabbits, shy deer and gray mice flee in panic, for no reason The roar of toothless tigers is unmistakable, without reason.


A vain peacock and a self-indulgent cat fighting. "You have no idea of the danger and you talk rubbish," the peacock insults the cat. The velvet paw, which at first sneaks around the hot porridge, shows its fangs: "And you puff yourself up as a life-saver. In truth, all you care about is your own fame and immortality."


At that moment, the sun disappears - completely. And darkness reigns - boundless. But both squabblers use this opportunity - for reflection: Should they now completely freak out and fight each other to the death? Make a fool of the other? "A guy like you knows his way around." Confuse the other one? "Is there any other subject we can talk about?" Stand up to the other guy? "Then we're a good match!" Let the other one get nowhere? "Maybe you're right!" Or just keep quiet - suffer in silence? Or act like a watered poodle - get out of the way?


While they are still both poking around in the mist of their flashes, they hear the song of a nightingale: "Do you know that you are both infinitely loved, have only one life and depend on each other in life? That you should fight for new knowledge, but without hurting the other, because neither of you has the stone of wisdom? Fight with decency and fairness! Also keep your distance to yourself to gain inner freedom and new closeness. So that the unknown threat can be known and dealt with."


Just the angelic song of a nightingale? both ask themselves. There the night ends and the sun rises - over the peacock, the cat and everyone else. And for some it falls like scales from their eyes: Isn't a new beginning possible through God's incomprehensible love and solidarity? A love that still today conveys strength for reconciliation and responsibility, in order to protect especially defenceless lives - until God himself gives last meaning in the broader horizon of faith.

So that the fight against the unpredictable virus, against the (still) unknown, does not perish.

Burkhard Budde  

(also published in the Westfalen-Blatt on 4.7.2020 in Ostwestfalen and Lippe)


Kommentar

 

Bedeutung des „C“ im Namen der CDU

 

Zum Essay „Das C ist nur Selbstbetrug“ von Thomas Schmid (DIE WELT vom 26. Juni 2020)

 

Ihr historisch fundierter, politisch erhellender und zugleich provozierender Artikel beschäftigt sich mit dem „C“ im Namen der CDU – für mich kein „Selbstbetrug“, sondern ein  „Stachel im Fleisch“ der CDU: Soll in Zukunft das „C“ in Programmatik und Pragmatik, im parteipolitischen Macht- und Wettkampf, verschwiegen, ignoriert, vergessen, im Blick auf fromme Zielgruppen instrumentalisiert oder gar aus Namen entfernt werden? Weil das „Christliche“ angesichts einer verweltlichten und multikulturellen Gesellschaft für die Gesamtpartei mehr Nachteile als Nutzen bringt?

  

Das „C“ als ständige Erinnerung an die unverlierbare und unantastbare Würde eines jeden Menschen bleibt jedoch wichtig. Wie sonst könnte der Würdeanspruch ausnahmslos und grenzenlos verpflichtend bleiben, wenn es nicht den „transzendenten Bezug“ gäbe? Nicht ohne Grund spricht auch das Grundgesetz von der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, um schleichende oder offene Entwürdigung zu verhindern. Und um ein freies und an das Grundgesetz und die Gesetze gebundenes Leben in Würde und Freiheit zu ermöglichen.

 

Auch das „christliche Menschenbild“ als innerer und äußerer Kompass bleibt wichtig. Wenn ein politisches Ziel verwirklicht werden soll, das dem Bürger- und Gemeinwohl dient, reicht der Wille zur Macht nicht aus. Verantwortungsbewusste Politiker brauchen einen Kompass, der hilft, sich im Wald mit den vielen Wegen und Herausforderungen nicht zu verlaufen. Der christliche Kompass ist dabei kein Rezept, kein Dogma, keine Moral, kein Gesetz, wohl aber ein Angebot an Christen und (!) Nichtchristen - zum Beispiel im Sinne des Apostel Paulus alles zu prüfen und das Gute zu behalten (1.Thess 5,21), sich von Zwängen und Ängsten befreien zu lassen (Gal 5,13) sowie in der geschenkten Freiheit Verantwortung wahrzunehmen (1.Kor 6,12). Christliche (Feindes-) Liebe ist nicht nur eine persönliche Kraft- und Sinnquelle des Gottvertrauens, die zum Einsatz für Versöhnung und Gerechtigkeit ermutigt und befähigt sowie eine freie und souveräne Mündigkeit mit Rückgrat stärkt. Sie bietet auch argumentationsstarken und selbstständig denkenden Nichtchristen geistige Perspektiven an, um das politische Alltagsgeschäft besser entgiften und produktiv bewegen zu können.

 

Und überhaupt: Das Bild, das ich mir von einem Menschen mache, beeinflusst auch mein Verhalten zu ihm. Eine Schachfigur behandele ich anders als ein Mensch mit Fleisch und Blut. Und wenn nicht, erinnert das „C“, der Stachel im Fleisch der CDU, jeden Tag beim Blick in den Spiegel der geistigen Wahrheit und politischen Verantwortung für das Ganze daran, nicht sich selbst oder andere zu betrügen, sondern glaubwürdig zu bleiben. Und unabhängig vom Applaus oder von der Karriere ist es besser, mit einem Stachel zu leben, als ohne Kompass im Meer des Lebens würdelos unterzugehen.

 

Burkhard Budde

 

Eine weitere Schönheit in Bad Harzburg

Ein Park für „Liebende“


Diese beeindruckende Schönheit, die anzieht und ausstrahlt, ist offen für alle. Sie ist für denkende Menschen mit Herzblut gleichsam ein Sehnsuchtsort nach Natürlichkeit. Und doch ist sie nur eine Illusion von Natur. Denn sie ist durch Menschenhand kulturell ästhetisch gestaltet.

Die Rede ist vom „Casinopark“ – viele sprechen auch vom „Stadtpark“ - in Bad Harzburg. Besucher können mit all ihren Sinnen die Atmosphäre und die Einmaligkeit - den genius loci – verspüren. Der Rückzugsort in der Mitte des pulsierenden Lebens der Stadt lädt zur Stille, zur Kontemplation und Inspiration ein; er beflügelt das Denken und bewegt Gefühle. Aber auch spontane Begegnungen, Kommunikation und Austausch sind möglich.

Der Park, die grüne Freiluftwohnung mit grünen Böden und Wänden, ist zwar kein Lustgarten, aber auch kein Irrgarten mit vielen Verwerfungen; kein Schrebergarten, aber auch Kleingarten mit Gartenzwergen, Spießigkeit und kleinkarierter Regulierungswut.

Der Park im Kur- und Heilbad gibt vielmehr auch verwüsteten Seelen die Chance, neu gestreichelt, ja gepflegt zu werden, sich selbst kulturell neu zu gestalten, sich wie von zärtlicher Zauberhand beseelen zu lassen. Denn der Park ist selbst Sinnbild einer alles bewegenden Seele.

Die einzelne Seele, die sich im Dornröschenschlaf befindet, sich jedoch von dieser Schönheit wachküssen lässt, wird zugleich befreit und beglückt.


Burkhard Budde


P.S. Gedankt sei Berit Nachtweyh, die in der Goslarschen Zeitung vom 27. Juni 2020 auf diese „grüne Keimzelle für die Entwicklung“ von Bad Harzburg hingewiesen hat. Die Journalistin erinnert in ihrem Artikel an den Bremer Konsul Hermann Heinrich Meyer (gestorben 1898), der seit 1854 jährlich eine mehrmonatige „Sommerfrische“ in der Stadt verbrachte und deshalb die Villa Radau (später Casino, dann das heutige Ärztehaus) errichten ließ.

Im Auftrag des Konsuls wurden die umliegenden Wiesen und Äcker im „Kupferbruch“ durch den Gärtner Johann Friedrich Ebert aus Braunschweig in einer Grünanlage verwandelt; ab 1859 vom Gartenarchitekten Christian Schaumburg, ein Landschaftsgärtner des Königreichs Hannover, zu einer englischen Gartenanlage.

Ferner ergaben die Recherchen von Berit Nachtweyh aus dem Nachschlagewerk „Fülle des Schönen-Gartenlandschaft Harz“ von Christian Juranek,  dass der Teich, der heute noch erhalten ist, ebenfalls auf Schaumburg zurückgeht.

Und der Casinopark 1977 als Kulturdenkmal ausgewiesen wurde.


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

Vier Fenster

 

Ein alter Freund hat seine Einstellung grundlegend geändert. „Wissen“ und „Glauben“, behauptete er viele Jahre lang, seien wie Feuer und Wasser. Jetzt aber habe  er die Brille seines alten Weltbildes abgelegt und blicke mit neuen Augen durch die Fenster seines Hauses. Und entdecke Neues: Im Unfertigen und Unvollkommenen, im Vorletzten und Begrenzten sowie in den Naturgesetzen gebe es eine geheimnisvolle Ahnung vom sinnstiftenden Ganzen des Lebens.


Da er merkt, dass ich ihn nicht verstehe, führt er mich zu den Fenstern seines Hauses. Eins ermöglicht einen Blick auf eine Straße, auf der viele Fahrzeuge fahren. „Ist diese Mobilität zufällig oder gibt es Gesetzmäßigkeiten?“ fragt er mich. Bevor ich anfange zu grübeln, gibt er selbst die Antwort. Alles sehe zufällig und willkürlich aus. Aber in Wahrheit sitze hinter jedem Steuer eine Person, die eine bewusste Entscheidung getroffen habe. Und könnten nicht auch Naturgesetze das Ergebnis des intelligenten Schöpfers allen Lebens sein?


Durch das nächste Fenster können wir eine bunte Schmetterlingswiese sehen. „Schmetterlinge“, wird mir erläutert, „leben nicht lange. Aber sie sind Verwandlungskünstler. Als Ei, Raupe und Puppe wandelten sie ständig ihre Gestalt, erleben sie Sterben und neues Leben“. Plötzlich werde ich gefragt: Könnte dieses Naturbeispiel nicht zu einem Grundvertrauen in die Botschaft von der Auferstehung Jesu durch die schöpferische Kraft Gottes ermutigen? Doch ich schweige verlegen.


Ein drittes Fenster öffnet den Blick auf einen Garten, in dem ein Walnussbaum steht. Der erinnere ihn an seine naturwissenschaftliche Tätigkeit, so mein Freund. Durch Beobachtung und Experimente habe er bereits viele Nüsse des Wissens gesammelt, geknackt, sie erforscht, um zu neuen Erkenntnisse zu gelangen. Überhaupt werde der Kuchen der Wissenschaft immer größer – aber gleichzeitig auch immer komplexer. Er sei ständig im Wandel begriffen. Und die Triebfedern Unsicherheit und Irrtum, aber auch die Haltung persönliche Demut und Verantwortung gehörten für ihn bei der Suche nach dem Sinn und Unsinn wissenschaftlicher Wahrheiten dazu – als untrennbare und dynamische Einheit.


Und er zeigt auf seinem Schreibtisch, wo neben „Wissensliteratur“ „Glaubensliteratur“ liegt, die Bibel mit der Aussage: „Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin.“ (1.Kor.13,12) Und dieses Fenster des Glaubens und des Wissens öffnet den Blick für die einzigartige Liebe Gottes, die nicht stichfest bewiesen, aber auch nicht einfach widerlegt werden kann, jedoch persönlich erfahrbar und erlebbar ist – im zuversichtlichen und wissenden Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten.

Burkhard Budde 


(veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 27.Juni 2020 in Ostwestfalen und Lippe)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt


Four windows


An old friend has changed his attitude fundamentally. "Knowledge" and "belief", he claimed for many years, were like fire and water. But now he has taken off the glasses of his old world view and looks through the windows of his house with new eyes. And discover something new: in the unfinished and imperfect, in the penultimate and limited, as well as in the laws of nature, there is a mysterious inkling of the meaningful whole of life.


Since he realizes that I do not understand him, he leads me to the windows of his house. One allows a view of a street on which many vehicles are driving. "Is this mobility random or are there laws?" he asks me. Before I start to ponder, he gives the answer himself. Everything looks random and arbitrary. But in reality behind each wheel there is a person who has made a conscious decision. And couldn't the laws of nature be the result of the intelligent creator of all life?


Through the next window we can see a colorful butterfly meadow. "Butterflies", I am told, "do not live long. But they are masters of transformation. As egg, caterpillar and chrysalis, they constantly change their shape, they experience death and new life". Suddenly I am asked: Could this example of nature not encourage a basic trust in the message of the resurrection of Jesus through the creative power of God? But I am embarrassed to remain silent.


A third window opens the view of a garden in which a walnut tree stands. It reminds him of his scientific activity, my friend said. Through observation and experiments he had already collected many nuts of knowledge, cracked them, researched them in order to arrive at new insights. In general, the cake of science is getting bigger and bigger - but at the same time it is becoming more and more complex. It is constantly changing. And the driving forces of uncertainty and error, as well as the attitude of personal humility and responsibility, are part of it for him in his search for the meaning and nonsense of scientific truths - as an inseparable and dynamic unit.


And he shows on his desk, where besides "literature of knowledge" there is "literature of faith", the Bible with the statement: "Now I recognize in part, but then I will recognize, just as I am recognized. (1.Cor.13,12) And this window of faith and knowledge opens the view for the unique love of God, which cannot be proven beyond all doubt, but also cannot be simply refuted, but which can be personally experienced and lived - in confident and knowing trust in God's possibilities.

Burkhard Budde 


(published in the Westfalen-Blatt on 27. June 2020 in Ostwestfalen and Lippe)

  


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

Ein „toller Typ“?!

Bei Not in Deckung gehen? Lieber die Augen verschließen? Einen Bogen machen? Die Marschrichtung auf keinen Fall ändern? Selbstverliebt in eine Spaßkultur eintauchen? Selbstgerecht Systemkritik üben? Oder Selbstlos in sein Unglück stürzen? Sind etwa „Mitgefühl“, „Mitleid“ und „Mitleiden“ Türöffner, um eine Not zu bewältigen?

 

Die Liebe zum notleidenden Nächsten sei wie ein Fixstern am Himmel der Werte, der in der Nacht der Herzenskälte leuchtet, sagte eine Lehrerin mit strahlenden Augen. „Das ist doch Bullshit“, antwortete ein Schüler und erntete zustimmendes Lachen seiner Klassenkameraden. Die Lehrerin, tapfer lächelnd, fand die Bemerkung gar nicht lustig, auch wenn sie bestimmt nicht böse gemeint war. Hat Nächstenliebe wirklich keinen Bezug zur Realität? Ist sie so abstrakt, dass (fast) alle sie „gut“ finden, weil sie ganz unterschiedlich interpretiert werden kann? Und so unkonkret, dass sie nur als Werbemaßnahme oder Täuschungsmanöver taugt?

 

Die Lehrerin ging in die Offensive, erarbeitete mit den Schülern eine Geschichte zur Bewusstseinsbildung, die biblische Geschichte vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37). Manche waren erst trotzig („Wieder Bullshit“), wurden dann aber immer neugieriger. Und entdeckten Neues und Hilfreiches, meinten am Schluss: „Ein toller Typ.“

 

Warum? Der „Barmherzige“ ging spontan aus seiner Deckung, hatte offenbar keine Vorurteile. Jedenfalls hat er keine Bedingungen an seine Hilfsbereitschaft geknüpft, nicht nach Herkunft, Religion, Geldbeutel, Titel, Status gefragt, sondern sein Herz sprechen lassen. Er hielt keine frommen oder politischen Reden, sondern er war einfach solidarisch, d.h. er hat wohl so gehandelt, wie er selbst in einer Not behandelt werden wollte.

 

Allerdings waren seine persönlichen Hilfsmöglichkeiten begrenzt; er tat deshalb das Nötige im Möglichen, stellte Weichen im Blick auf Hilfe zur Selbstständigkeit, nahm fremde (professionelle?) Hilfe in Anspruch, gab vor allem ein persönliches Opfer (Geld) und versprach sogar, mögliche Mehrkosten zu bezahlen.

 

Die Schüler waren beeindruckt von diesem Vorbild: Kein kompetentes „Ass“, aber auch kein ichbezogenes „Aas“; kein selbstsüchtiger Herrscher im Dienergewand, aber auch kein Dienstmädchen, das ihr Selbst opfert; kein Kammerdiener, der nur am Verdienst interessiert ist, sich selbst bedient oder dienert, um Erfolg zu haben. Vielmehr ein mitfühlender und kluger Mensch, dem ein notleidender Mitmensch zum Nächsten geworden war, so dass er half, dessen Not zu wenden.

 

Vielleicht, merkte noch ein Schüler an, sollten die „politischen Samariter“ unserer Zeit auch die Wege und die Verhältnisse so gestalten, dass „Überfälle“ möglichst nicht passieren können. Wie wahr, denn auch das Wasser der Liebe und Vernunft braucht stabile Gefäße, mit denen es transportiert wird. Und der Träger der Gefäße braucht selbst die schöpferische Liebe Gottes, damit er Kraft zum Tragen hat und in Verantwortung lieben kann - mit brennendem Herzen, kühlem Kopf und offenen Händen.

 

Burkhard Budde

(veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 20.6.2020 in Ostwestfalen und Lippe)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt

 

A "great boy"?!

 

Take cover in case of need? You prefer to close your eyes? Stay away? Never change your direction of march? Dive into a culture of self-indulgence and fun? Self-righteous criticism of the system? Or plunge selflessly into his misfortune? Are "compassion", "pity" and "compassion" door openers to overcome a need?

 

Love for one's needy neighbor is like a fixed star in the sky of values that shines in the night of the cold heart, said one teacher with radiant eyes. "That's bullshit", replied one pupil and reaped approving laughter from his classmates. The teacher, bravely smiling, didn't find the remark funny at all, even though she certainly didn't mean any harm. Does charity really have no relation to reality? Is it so abstract that (almost) everyone finds it "good" because it can be interpreted in many different ways? And is it so unspecific that it is only suitable as an advertising measure or deception?

 

The teacher went on the offensive, worked out a story with the pupils to raise awareness, the biblical story of the Good Samaritan (Luke 10:25-37). Some were defiant at first ("bullshit again"), but then became more and more curious. And discovered something new and helpful, and in the end said: "A great boy."

 

Why? The "Merciful" spontaneously came out of his shell, apparently without prejudice. In any case, he didn't attach any conditions to his helpfulness, didn't ask about origin, religion, purse, title, status, but let his heart speak. He did not make any pious or political speeches, but he was simply in solidarity, i.e. he probably acted as he himself wanted to be treated in an emergency.

 

However, his personal possibilities for help were limited; he therefore did what was necessary in the possible, set the course for help for independence, took in foreign (professional?) help, gave above all a personal sacrifice (money) and even promised to pay possible additional costs.

 

The students were impressed by this example: no competent "ace", but also no self-centred "carrion"; no selfish ruler in a servant's garb, but also no maid who sacrifices her self; no valet who is only interested in earning money, serves or serves himself in order to succeed. Rather a compassionate and intelligent person to whom a fellow human being in need had become a neighbor, so that he helped to turn his misery around.

 

Perhaps, another student remarked, the "political Samaritans" of our time should also shape the ways and conditions in such a way that "assaults" cannot happen. How true, because the water of love and reason also needs stable vessels with which it is transported. And the carrier of the vessels needs God's creative love himself, so that he has strength to carry it and can love in responsibility - with a burning heart, a cool head and open hands.

 

Burkhard Budde

(published in the Westfalen-Blatt on 20.6.2020 in Ostwestfalen and Lippe)

 

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Ein Kuckuckskind

 

Zum Artikel „Nord-CDU steht zur sozialistischen Verfassungsrichterin“

in die WELT vom 16. Juni 2020

ein Leserbrief in die WELT vom 19. Juni 2020

„Vielen Dank für den Artikel, der erklärt und aufklärt, aber auch hoffentlich freiheits- und verfassungsliebende Demokraten mit Rückgrat wachrüttelt.

 

Die „Argumentation“ der Verantwortlichen überzeugt nicht: Solche personalpolitischen „Paketlösungen“ mit einem „Kuckucksei“ fördern nicht die parlamentarische Demokratie mit ihren demokratischen Institutionen. Wenn ein „Kuckuckskind“ erst einmal geschlüpft ist, kann es das demokratische „Nest“ von Vielfalt und Freiheit, Toleranz und Fairness, Wehrhaftigkeit und Verfassungstreue, sowie Geschichts-, Bürger- und Opferorientierung gefährden.

 

CDU und SPD sind bei dieser faulen Paket- und Kompromisslösung mit negativen Signalen, aber auch mit einer falschen personalpolitischen Weichenstellung unglaubwürdig geworden.

 

Manus manum lavat („Eine Hand wäscht die andere“) fördert nur die Faust in der Tasche und führt zur „Veräppelung“ der Bürger.

 

Eine kämpferische überzeugte und überzeugende Politik mit tragfähigen und zukunftsweisenden Kompromissen auch in Personalfragen zugunsten des Landes und der Demokratie sieht anders aus.“

 

Burkhard Budde

 


Erinnern – gedenken – lernen -

für Freiheit kämpfen

DDR-Volksaufstand am 17. Juni 1953


In etwa 700 Orten waren etwa eine Millionen Menschen in der damaligen DDR auf die Straße gegangen, um spontan gegen die politische und wirtschaftliche Situation im Unrechtsstaat der SED-Parteidiktatur – es gab keine wirkliche Gewaltenteilung und keine demokratischen Bürgerrechte - zu streiken.

Daraus entwickelte sich der DDR- Volksaufstand mit den Rufen nach Freiheit und Einheit vom 17. Juni 1953. Er wurde von Panzern der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen; etwa 10 000 Demonstranten wurden festgenommen; mehr als 1500 Demonstranten erhielten Haftstrafen und einige Demonstranten wurden zum Tode verurteilt.

40 Jahre lang versuchte die sozialistische Diktatur dem Volk einzureden, dass man gegen den „Klassenfeind“ mit Spionage und Bespitzelung kämpfen müsse und stolz auf den „sozialistischen Fortschritt“ sein könne. Viele Menschen mussten sich verbiegen, um nicht aufzufallen oder wie politisch andersdenkende Aktivisten ins Zuchthaus zu kommen, ausgewiesen oder freigekauft zu werden. Die Staats- und Planwirtschaft bzw. der „sozialistische Fortschritt“ ruinierte das Land.

Aber viele Menschen im Osten Deutschlands hatten einen langen Atem, einen klugen Kopf und gewaltfreie Leidenschaft und erkämpften sich mit dem Fall der Mauer die „Freiheit in Würde und Verantwortung“.

Burkhard Budde


Von Gott geschenkte Würde

Veröffentlichung im ideaSpektrum


„Und Gott schuf den Menschen

zu seinem Bilde“ (1.Mose 1, 27 a)


Wolken hatten seine Seele verdunkelt. „Bin ich etwa nur ein Mensch zweiter Klasse?“ fragte er sich. Weil ich in einer Stadt lebe, in der ich nicht geboren bin? Weil ich ein anderes Gesangbuch und ein anderes Parteibuch habe als viele andere in meinem Umfeld? Weil ich weniger leiste, verdiene, besitze, anerkannt bin als andere? Weil ich alt und krank bin? Weil ich meine Hautfarbe und mein Aussehen nicht ändern kann? Und ich nicht mein Rückgrat auf dem Altar des Erfolges opfern will?


Die Würde jedoch auch dieses Menschen ist wie die Sonne, die zwar missachtet oder ignoriert werden kann, aber nicht außer Kraft zu setzen ist. Sie ist unverlierbar und unzerstörbar. Denn wer kann die Sonne vernichten, die der ewige Schöpfer geschaffen hat? Wer die angeborene und vom Schöpfer geschenkte Würde eines Menschen? Wer wagt es, sich an die Stelle des Schöpfers der Sonne

und Stifters der Würde zu setzen?


Die Sonne – die geschenkte Würde - ist unerreichbar weit weg, aber sie ist in ihren Strahlen – z.B. im Blick auf das Recht auf Leben in Würde und das Recht auf Freiheit in Verantwortung – so nah, dass sie jeden einzelnen Menschen erleuchten und erwärmen können.


Seit Jesus Christus, der das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15ff), können Christen die bedingungslose Liebe Gottes entdecken, die die Vernunft vernünftig macht, Kraft und Mut schenkt, Entwürdigung zu bekämpfen. Keiner ist Mensch zweiter Klasse, alle sind Kinder Gottes, die unantastbar gewürdigt sind, damit das Leben aller Menschen Würde und Gleichwertigkeit erfährt. Und eine leidende Seele Flügel bekommt, den Sonnenschein entdeckt, wieder froh wird.


Burkhard Budde

(veröffentlicht im ideaSpektrum am 17. Juni 2020)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt


Kein Mensch zweiter Klasse


Ein Mensch wünscht sich ein Leben in Würde. Und die Achtung seiner Würde im Leben.


Er klagt, mal heimlich, mal offen, über die Entwürdigung, die er erfährt. „Ich bin wie Luft behandelt worden“. Keiner habe mit ihm gesprochen und Interesse an seinem Leben gezeigt. „Ich fühlte mich wie eine Maschine.“ Keiner habe Rücksicht auf sein Gefühls- und Seelenleben genommen. „Wie ein Werkzeug werde ich eingesetzt.“ Solange ich gebraucht werde und funktioniere, werde ich beachtet, wenn nicht, missachtet und beiseite gelegt.


„Bin ich etwa ein Mensch zweiter Klasse?“ Weil ich in einem Land lebe, in dem ich nicht geboren bin? In einer Stadt arbeite, in der ich nicht meine Jugendzeit verbracht habe? Aus einer Familie stamme, die nicht zur „Elite“ gehört? Mitglied einer Gemeinschaft bin, in der viele andere ein anderes Gesangbuch, Parteibuch oder Zertifikat haben? Weil ich weniger leiste, weniger verdiene, weniger besitze, weniger anerkannt bin als andere? Weil ich alt und krank bin? Weil ich meine Hautfarbe und mein Aussehen nicht ändern kann? Weil ich Amts- und Würdenträger sowie Aktivisten durchschaut habe, die unter ihrem Gewand nur ihre Interessen, aber auch ihre Würdelosigkeit verstecken? Und ich meine Würde und meine Überzeugungen nicht auf dem Altar des Erfolges opfern will?

Die Würde auch dieses Menschen ist wie die Sonne. Wolken der Benachteiligung, der Diskriminierung und Ausgrenzung können sie zwar verdunkeln, aber nicht außer Kraft setzen. Sie ist als ein absolutes Lebensgeschenk unverlierbar, unbegrenzbar und unverfügbar, auch unverdienbar und letztlich undefinierbar. Sie ist wie die Sonne unerreichbar weit weg, aber in ihren relativen Strahlen wie das Recht auf Leben und das Recht auf Freiheit so nah, dass das Leben und die Freiheit durchleuchtet und erwärmt sowie konkretisierbar und verantwortbar werden – in Schönwetterzeiten, insbesondere jedoch auch in gefährlichen Sturmzeiten.


Aber wie kann die Würde ausnahmslos und grenzenlos verpflichtend bleiben? Verhindern, dass die Vernunft nicht zum unvernünftigen Götzen wird? Dass jeder einzelne Mensch überall und immer mit einer angeborenen Würde würdig leben kann? Es gibt eine unsichtbare und unvergängliche sowie schöpferische und ganzheitliche Lebenskraft in aller Vernunft und Emotionalität, die die „Würde“ von persönlichen Vorstellungen befreit: Die Liebe Gottes, die wie die Sonne ist, die auch die Sonne geschaffen hat, die das Leben jedes Menschen unbedingt würdigt, schafft, erhält, erneuert und vollendet.


Und spricht das Grundgesetz deshalb nicht zu Beginn von der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, um schleichende oder offene Entwürdigung zu verhindern?! Und um ein freies und an das Grundgesetz sowie an die Gesetze gebundenes Leben in Würde zu ermöglichen?! Und um für die unantastbare Würde aller Menschen sowie die Gleichwertigkeit allen menschlichen Lebens zu kämpfen und Verantwortung zu zeigen?!

Burkhard Budde

(veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 13.6.2020 in Ostwestfalen und Lippe)

 

Spiritual impulse

 

No second-class citizen


A human being wishes for a life in dignity. And respect for his dignity in life.

He complains, sometimes secretly, sometimes openly, about the degradation he experiences. "I have been treated like air". No one has spoken to him and shown interest in his life. "I felt like a machine." No one showed any consideration for his emotional life or his soul. "I am used like a tool." As long as I am used and function, I am respected, if not, disregarded and put aside.


"Am I a second-class human being?" Because I live in a country where I was not born? Working in a city where I didn't spend my youth? Coming from a family that is not "elite"? Am a member of a community where many others have a different hymnal, party book or certificate? Because I do less, earn less, own less, have less recognition than others? Because I am old and ill? Because I cannot change my skin colour and appearance? Because I have seen through officials, dignitaries and activists who hide under their robes only their interests, but also their dignity? And I do not want to sacrifice my dignity and my convictions on the altar of success?


The dignity of this person is like the sun. Clouds of disadvantage, discrimination and exclusion can darken it, but they cannot override it. As an absolute gift of life, it is captive, unlimited and unavailable, also undeservable and ultimately indefinable. Like the sun, it is unreachably far away, but in its relative rays, like the right to life and the right to freedom, it is so close that life and freedom are illuminated and warmed up and become concrete and responsible - in good weather, but especially in dangerous storm times.


But how can dignity remain binding without exception and without limits? Prevent reason from becoming an unreasonable idol? That every single human being everywhere and always can live in dignity with an innate dignity? There is an invisible and imperishable as well as creative and holistic life force in all reason and emotionality that frees "dignity" from personal ideas: The love of God, which is like the sun, which also created the sun, which necessarily appreciates, creates, maintains, renews and completes the life of every human being.


And does the Basic Law therefore not speak at the beginning of the "responsibility before God and man" in order to prevent creeping or open degradation?! And to make possible a free life in dignity, bound to the Basic Law and to the laws? And to fight and show responsibility for the inviolable dignity of all people and the equality of all human life?

Burkhard Budde


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

„Kluges Köpfchen“

 

Ein „kluges Köpfchen“ betet. Einer, der das beobachtet, schüttelt den Kopf. Ein anderer verdreht die Augen; einer macht große Augen. Wieder einer nickt verhalten, ist erstaunt, wird neugierig: Wie ist es möglich, dass einer, der nicht auf den Kopf gefallen ist, betet? Ist das Gebet nicht ein Selbstgespräch, eine Selbsttäuschung, eine Selbstbeschäftigung? Vielleicht eine Flucht in eine Scheinwelt? Eine Beruhigungspille für gestresste Nerven? Vielleicht eine fromme Komödie, um eine Feier mit entleerten Formeln zu verzieren? Oder nur ein religiöser Kitt, um eine bunte Gemeinschaft zusammen zu schweißen?

 

Fragen wir einmal das „kluge Köpfchen“ selbst, warum es zum unsichtbaren Gott betet.

 

Er sei kein Magier, erläutert der Beter. Der ewige Gott sei keine endliche Person, die er beeindrucken, beeinflussen oder für seine Wünsche einspannen könne. Er sei auch keine Puppe und der souveräne Gott kein Marionettenspieler, an dessen Fäden er hängen würde.

 

Er verstehe sich vielmehr als Vertrauender. Um das „Unfassbare“ fassen zu können, denke er nicht nur „gescheit“ über Gott nach, sondern er spreche vielmehr mit Gott und gehe dadurch mit ihm eine Beziehung ein. Er leide in einer Krise manchmal auch an Gott, aber er bewege sich im Gebet hin zum Willen und in die Hand Gottes – ganz im Sinne Jesu, von dem im Garten Gethsemane überliefert worden sei „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Und dann fügt das „kluge Köpfchen“ noch hinzu: „Mir wird auch Trost geschenkt. Ich entdecke, wie der Himmel mein Leben berührt und ich in meiner Krise nicht allein bin. Und anschließend kann ich viel gelassener, besonnener und zuversichtlicher weiterleben.“

 

Der Beter hat auch bedacht, wie verletzlich, begrenzt und vergänglich sein Leben ist und wie er auf die Hilfe seiner Mitmenschen und auf die Hilfe Gottes angewiesen ist. Er weiß, dass er auf die Nase fallen kann. Aber auch, dass Gott ihn nicht richtet, sondern wieder aufgerichtet.

 

Im Gebet gibt es eben keine Kopfnüsse, wohl aber kann auch ein Beter ein „sturer Kopf“ sein, dessen Kopf voller Vorurteile, Feindbilder, Ressentiments, Ängste und Verletzungen ist und erst entleert werden muss. Damit neue göttliche Lebensenergie in seinen Körper strömt, um sein gebrochenes Herz mit Liebe zu heilen, seinen ahnungslosen Kopf mit Vertrauen zu erneuern, seine verschlossenen Hände in Vernunft und Verantwortung zu öffnen.

 

Und „weise Köpfe“, die an Jesus Christus glauben, werden Gott bitten, gehört und erhört zu werden: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Hilf mir, aus meiner Krise herauszukommen. Schenk mir neues Leben, damit ich in deinem Geiste der schöpferischen Liebe lebe“.

 

Burkhard Budde

 

(Veröffentlicht am 6. Juni 2020 im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt

 

"Clever boy"

 

A "wise boy" is praying. One who observes this shakes his head. Another twists his eyes; one makes big eyes. Another one nods modestly, is amazed, becomes curious: how is it possible that someone who has not fallen on his head prays? Isn't prayer a self-conversation, a self-deception, a self-occupation? Perhaps an escape into an illusory world? A sedative pill for stressed nerves? Perhaps a pious comedy to decorate a celebration with empty formulas? Or just a religious putty to weld together a colourful community?

 

Let's ask the "wise boy" himself why he prays to the invisible God.

 

He is not a magician, explains the prayer. The eternal God is not a finite person whom he can impress, influence or harness for his wishes. He is also not a puppet, and the sovereign God is not a puppet master on whose strings he would hang.

 

He rather sees himself as a confidant. In order to be able to grasp the "incomprehensible", he not only thinks "cleverly" about God, but he rather talks to God and thereby enters into a relationship with him. In a crisis he sometimes also suffers from God, but he moves in prayer towards the will and into the hand of God - completely in the sense of Jesus, by whom in the Garden of Gethsemane "But not as I want, but as you want. And then the "wise man" adds: "I too am comforted. I discover how heaven touches my life and I am not alone in my crisis. And afterwards, I can live much more serenely, calmly and confidently."

 

The prayerful person also considered how vulnerable, limited and transitory his life is and how he is dependent on the help of his fellow men and on the help of God. He knows that he can fall on his face. But also that God does not judge him, but rather straightens him up again.

 

In prayer, there are no head butts, but a prayerful person can also be a "stubborn head", whose head is full of prejudices, enemy images, resentments, fears and injuries and must first be emptied. So that new divine life energy flows into his body to heal his broken heart with love, to renew his unsuspecting head with trust, to open his closed hands in reason and responsibility.

 

And "wise heads" who believe in Jesus Christ will ask God to be heard and answered: "Your kingdom come. Your will be done. Help me to get out of my crisis. Give me new life so that I may live in your spirit of creative love".

 

Burkhard Budde

 

(Published on 6 June 2020 in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe)


Essay

Der „Zauber“ des Gebets

Kann etwas Entzaubertes wieder verzaubert werden? Das fortlaufende Gespräch mit Gott ist zwar keine Zauberei, wohl aber geht von ihm ein unbegreiflicher „Zauber“ aus. Das Gebet gehört zum persönlichen Fingerabdruck eines jeden Gläubigen sowie zum unvertretbaren Auftrag der Kirchen. Es ist die menschliche Antwort auf die universelle Botschaft des Gottes, der zuvor durch die Propheten, vor allem durch Jesus sowie durch viele folgende Zeugen zu den Menschen gesprochen hat und durch seinen Geist noch heute spricht.

 

Aber der Reihe nach: Wie entsteht dieser religiöse Zauber, der die Vernunft nicht lähmt, auch nicht unvernünftig, sondern im Lichte des Glaubens vernünftig macht?

 

Einer betet „vernünftig“: Das Gebet ist für ihn keine Schmerztablette, die seine gestressten Nerven einfach beruhigt. Kein leises Pfeifen in der Dunkelheit seiner Orientierungslosigkeit, um seine Ängste zu vertreiben. Auch kein alter Zopf, der vergangene Zeiten verklärt und in eine Märchenwelt hineinführt. Keine fromme Komödie, um eine Feier mit entleerten Formeln zu verzieren. Kein religiöser Kitt, um eine bunte Gemeinschaft zusammenzuschweißen. Er betet nicht zu sich selbst, führt kein Selbstgespräch, sondern er betet zum unsichtbaren Gott.

 

Er will dabei kein Magier sein. Er weiß, dass der ewige Gott keine endliche Person ist, die er beeindrucken und beeinflussen oder für seine Zwecke einspannen kann. Dass der souveräne Gott kein Automat ist, in den man die Münze einer Bitte hineinwirft, um das Gewünschte sofort herauszubekommen.

 

Er will dabei keine Puppe sein. Er weiß, dass der freie Gott kein Marionettenspieler ist, an dessen Fäden er hängt, sondern ihm die Freiheit zur Partnerschaft mit ihm schenkt. Und deshalb den „Missbrauch der Freiheit“ durch den Menschen – die Freiheit zum Bösen - in Kauf nimmt, um dem Menschen den „rechten Gebrauch“ – die gewollte Freiheit zur Liebe – zu ermöglichen. Denn Gott handelt nicht unsinnig, gibt und nimmt nicht zugleich die Freiheit.

 

Der Beter ist vielmehr Vertrauernder. Er leidet in einer Krise, manchmal auch an Gott, aber er bewegt sich im Gebet hin zum Willen und in die Hand Gottes – ganz im Sinne Jesu, von dem im Garten Gethsemane das Gebet überliefert worden ist „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Und erfährt durch das Geschenk der Gewissheit der allgegenwärtigen und mittragenden Hand Gottes Trost, Zuversicht und Kraft. Und wird selbst verändert.

 

Er entdeckt, dass im Lichte des Kreuzes Jesu Unheil und Heil, Ohnmacht und Macht Gottes, endliches Handeln des Menschen und unendliches Handeln Gottes sinnstiftend zusammengehören. Dass Erde und Himmel untrennbar sind. Dass es auf der Erde keine Mosaiksteine ohne die Einheit und Ganzheit des himmlischen Mosaiks gibt; aber auch kein Mosaik ohne einzelne Steine, selbst wenn sie rissig, brüchig oder voller Spannungen sind.

Dass das Gebet die Augen für einen geistlichen Kompass öffnet, um immer neue Perspektiven und Überraschungen zu entdecken, sowohl in Irrgärten als auch in Labyrinthen, weil Gott selbst, aber auch und gerade durch Menschen in verschiedenen Situationen handelt.

Und dass der Beter mit Kopf und Herz und offenen Händen Gott bitten kann, gehört und erhört zu werden: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Maranatha – keine Zauberformel, wohl  aber eine faszinierende Bitte um neues Leben, um ein Wunder: „Unser Herr, komm!“

Burkhard Budde


Kreuz mit dem Kreuz?

Symbol des Heils in der Heillosigkeit?!

Streit wegen des Kreuzes: Auf der Kuppel des wiedererrichten Berliner Schlosses soll es wieder sichtbar werden. Als Erinnerung an die Verbindung von Königsherrschaft und Gottesgnadentum? An Friedrich Wilhelm IV, der 1795 in Berlin geboren, 1861 in Potsdam gestorben, von 1840 bis 1861 König von Preußen war? Warum nicht?! Der König aus dem Haus der Hohenzollern war ein gläubiger Herrscher, der seine Frömmigkeit lebte und konfessionsübergreifend wirkte. Dass er damals einen „christlichen Staat“ anstrebte, kann man ihm heute nicht vorwerfen. Aber man kann das Kreuz auf dem Schloss als sichtbares Zeichen der Versöhnung Gottes und der Feindesliebe Jesu jenseits aller Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen interpretieren. Und selbst wenn diese Botschaft nur noch „Geschichte“ wäre, würde sie nicht anstößige Deko, sondern bliebe Erinnerungsgeschichte, die durch Bildung auch eine Quelle der Selbstvergewisserung darstellt und damit bedeutsam für die Gegenwart und Zukunft ist.

 

Und das Kreuz in der gegenwärtigen Corona-Krise. Auch ein Zankapfel? Kann das christliche Kreuz zur Bewältigung der beispiellosen Pandemie helfen? Für viele ist das Kreuz Jesu ein „Ärgernis“, eine „Torheit“ oder eine „Zumutung“. Für Christen kann es allerdings eine Quelle der „Weisheit“ sein, die das unverwechselbare Gesicht sowie den unvertretbaren Auftrag der Kirche Jesu Christi sichtbar macht.

 

Auf die Frage Jesu am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34), bekam Jesus keine Antwort. Auch heute bekommen Christen und Nichtchristen auf die „Warum-Frage“ nach der Corona-Krise keine Antwort. Es wird deshalb naiv oder gefährlich spekuliert: Ist sie eine „Strafe Gottes“, eine „Rache der Natur“, eine „Folge der Globalisierungsmöglichkeiten“, eine „Konsequenz eines ungerechten oder selbstbezogenen Lebensstiles“?

Die offene Frage nach dem „Warum“ und nach dem „versteckten Sinn“ bleibt jedenfalls theologisch betrachtet offen. Und muss ausgehalten und eingestanden werden.

 

Jesus kannte jedoch einen Adressaten seiner „Warum-Frage“. Er brachte dadurch – trotz allem und wider den Augenschein – sein Grund- und Gottvertrauen zum Ausdruck, indem er am Kreuz hinzufügte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist« (Lukas 23, 46) Ihm wurde eine letzte Gewissheit geschenkt, dass Gott als Urheber und Urmitte allen Lebens auch der Ursinn und das Urziel des Lebens ist. Und ein hoffnungsloser Mensch auf letzten Sinn in aller scheinbaren Sinnlosigkeit, auf Gott selbst, hoffen kann.

 

Jesus Ende war der Anfang neuen Lebens. Der persönliche und gemeinschaftliche Glaube an Jesu Auferstehung, an seine schöpferische Neugeburt im Geiste der schöpferischen Liebe Gottes, kann Menschen als Gott- und Christusvertrauende noch heute bewegen, sich der Perspektive des mitleidenden und selbstleidenden Vaters Jesu in einer Krise zu öffnen und anzuvertrauen. Und sich für die unantastbare Würde aller, vor allem sich für die Schwächsten und Schwachen in empathischer Vernunft im Rahmen des Nötigen im Möglichen einzusetzen.

Jeder kann ein modisches Kreuz an einer Halskette anlegen, um sich zu schmücken. Oder ein Amtskreuz ablegen, um „tolerant“ zu wirken. Oder ein Erinnerungskreuz aus dem öffentlichen Raum verbannen, um Applaus eines aktuellen Zeitgeistes zu erheischen. Auch kann man vor Ahnungslosen und Achtlosen zu Kreuze kriechen. Oder mit sich selbst über Kreuz liegen, wenn das Kreuz zum Kreuz geworden ist. Aber das christliche Kreuz kann auch zum Symbol des ewigen Heils in der weltlichen Heillosigkeit werden, weil es eine Lebensquelle der Gotteskraft ist, aus der Christen täglich schöpfen können.

Burkhard Budde       

 

 

 


Unauffällig auffällig -

Bad Harzburg mit besonderer Ausstrahlung


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

Komm, Schöpfergeist!

 

Du bist die Quelle des Lebens.

Schenk mir Kraft, aus ihr zu schöpfen.

Der Atem des Lebens.

Schenk mir Kraft zur Hoffnung auf neues Leben.

Das Licht des Lebens.

Schenk mir Kraft, die Geister zu unterscheiden.

Die Liebe des Lebens.

Schenk mir Kraft zum Vertrauen,

mit Dir und vor Dir zu leben.

 

Erfülle mein Herz mit Freude, damit dunkle Wolken verschwinden.

Meinen Kopf mit Klugheit, damit sich dichter Nebel lichtet.

Bewege meine Hände zärtlich, damit ich Lasten loslasse.

Meine Füße maßvoll, damit ich Lasten tragen lerne.

 

Öffne meine Augen für das Helle in der Finsternis.

Mein Ohr für Dein Wort, damit ich Deine Stimme höre.

Meinen Mund für Deine Wahrheit, damit ich mich zu Dir bekenne.

 

Gott, Schöpfergeist.

Du bist der Geist Christi.

Mach im Namen Gottes wahr,

was Du schaffen, bewahren und erneuern willst.

Und vergiss Deine Welt, meinen Nächsten und mich nicht.

 

Burkhard Budde

 

(veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 30.5.2020)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt

 

Come, Creative Spirit!

 

You are the source of life.

Give me strength to draw from it.

The breath of life.

Give me strength to hope for new life.

The light of life.

Give me strength to know the spirits.

The love of life.

Give me strength to trust,

to live with you and in front of you.

 

Fill my heart with joy so that dark clouds disappear.

Fill my head with wisdom, so that thick fog will clear.

Move my hands tenderly to release burdens.

My feet in moderation so I learn to bear burdens.

 

Open my eyes to the light in the darkness.

My ear for Your word so that I may hear Your voice.

My mouth for Your truth, that I may confess You.

 

God, Creator Spirit.

You are the Spirit of Christ.

Make true in the name of God,

what you want to create, preserve and renew.

And do not forget your world, my neighbour and me.

 

Burkhard Budde

 

(published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 30.5.2020)

 

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Sprache als Zuchtmeister?

Leserbrief in die WELT zum Thema „Sprache und Moral“

 

Über „Sprache und Moral“ schrieb Chefredakteur Dr. Ulf Poschardt in die WELT einen Kommentar (DW 26.5.2020). Er nahm Bezug u.a. auf ANNE WILL im Ersten vom 24. Mai, in der Anne Will „genderte“. Ulf Poschardt kritisierte, dass die „gebildete Mittelschicht die Sprache zu einem Zuchtmeister ihrer Nutzer machen will.“ Es würden „neue kühle Parallelgesellschaften“ entstehen, „entworfen von „linken“, zumeist steuerfinanzierten Elfenbeinturmbewohnern.“

 

In die WELT vom 29. Mai ist diesem Thema folgender Leserbrief von mir erschienen:

 

„Vielen Dank an Ulf Poschardt  für die inhaltlich und sprachlich überzeugende Argumention. Leider tummeln sich immer mehr sprachliche „Zuchtmeister“ im Gewand der Emanzipation in der Medienlandschaft und in der Öffentlichkeit, ernten noch von ihren applaudierenden Fans unkritische Huldigungen und von den kritischen Geistern häufig leider falsche Zurückhaltung oder resignierendes Schweigen.

Doch der stete Tropfen sprachlicher Vernunft höhlt vielleicht doch eines Tages den Stein der Einsicht vieler: Zum Beispiel dass Steuerzahler Steuerzahlerinnen mitmeinen kann. Dass das Neutrum im Deutschen nicht sexualisierbar ist. Und dass „Oberhäuptling“ sexusneutral ist, d.h. Frauen und Männer sowie das „dritte Geschlecht“ gleichermaßen bezeichnet.

Politische und andere Oberhäuptlinge mit erhobenem Zeigefinger können auch mit einem Lächeln auf dem Gesicht nicht ihre eigenen Probleme mit Sprache und Andersdenkenden weglächeln. Sprache als Medium und Teil der Gesellschaft kann als Instrument zum Kochen des eigenen Süppchens missbraucht werden. Wenn dann freie und erwachsene Menschen mit sprachlichen Einheitskochrezepten erzogen werden sollen, dann sollte man ihnen allein deshalb argumentativ widersprechen, weil sonst sprachliche Klöße im Hals steckenbleiben und die Liebe zur Sprache und ihrer Ästhetik sowie der Geschmack auf den bildhaften Reichtum der Sprache geopfert werden.“

 

Burkhard Budde

 

(DW 29.5.2020)


Essay zum Pfingstfest

 

Unschuldig angeklagt

 

Wer ist verantwortlich? Eine Gerichtsverhandlung soll Klarheit verschaffen. Einzelne Zuschauer sind gekommen. Einer wirkt neugierig. Einer zugeknöpft. Einer scheint aufgewühlt zu sein. Einer gähnt – vor Langeweile? Ein Richter eröffnet die Verhandlung und stellt fest, dass niemand auf der Anklagebank sitzt.

 

Ein Staatsanwalt trägt die Anklagepunkte vor. Der Angeklagte, der das Haus gegründet habe, kümmere sich nicht wirklich um das Haus. Die Tür sei mal offen, mal verschlossen. Die Frage der Schlüsselgewalt sei ungeklärt. Bewohner würden Dienstleistungen und Events anbieten, die immer weniger Menschen in Anspruch nähmen. Viele Mitarbeiter, die an ihrer eigenen Unentbehrlichkeit arbeiteten, kreisten nur um sich selbst. Sie säßen nicht selten in Sitzungen hinter verschlossenen Türen und seien mit Machtspielen beschäftigt. Im Schaufenster des Hauses könne man über „Toleranz und Vielfalt“ staunen; im Innern allerdings gebe es viele Selbstgespräche, häufig eine tolerante Kultur der Intoleranz. Die Kernaufgaben Gottesdienst, Seelsorge, Bildung und Diakonie kämen zu kurz. Und bunte Talare seien noch kein Ausweis von geistlicher Vollmacht, Allerweltsweisheiten noch kein Ausweis einer Botschaft, die von geistigen und moralischen Fesseln befreie. Das Haus sei zu einem menschlichen Kartenhaus ohne geistliches Fundament geworden. Dass zeigten besonders predigende Bewohner, dessen persönliches Leben eine Gegenpredigt darstelle. Der Angeklagte, der es zwar schwer habe, überhaupt ins eigene Haus durch den Türspalt zu gelangen, gehöre aber dennoch wegen seiner Gesamtverantwortung auf die Anklagebank.

 

Ein Verteidiger warb um Verständnis für den „unsichtbaren“ Angeklagten. Er könne zwar Wolken düsterer Gefühle vertreiben, aber nicht verletzende Steine der Selbstgerechtigkeit, Selbsterhöhung und Selbstsucht. Er könne zwar Wasser des Lebens anbieten, aber keinen Stein zwingen, der im Wasser liegt, sich zu öffnen, um nicht innerlich trocken und unbeweglich zu bleiben. Nichtsdestotrotz habe der Angeklagte besonders in Krisenzeiten schon viel Gutes und Sinnvolles bewirkt: Köpfe zurechtgestutzt, die behaupteten, die Krise sei eine Strafe des Hausherrn, Rache des Wohnortes oder des Bewohnerstils, Folge der Ungerechtigkeit; den Herzschlag erhöht, wenn gleichgültige Ahnungslosigkeit oder kalte Menschenverachtung herrschte. Vor allem habe der Angeklagte Menschen die Kraft zur Unterscheidung der Geister durch den Maßstab der Liebe sowie neue Zuversicht und neues Vertrauen geschenkt. Weil durch den Angeklagten durstige Bewohner anderen durstigen Menschen glaubwürdig weitergesagt hätten, wo es geistliches Quellwasser im Haus und darüber hinaus gebe.

 

Der Richter sagte in seiner Urteilsbegründung: Das vom Angeklagten gegründete Haus war, ist und bleibt eine Dauerbaustelle. Als „kyriakä“ (Haus des Herrn) und als „ekklesia“ (Schar der Herausgerufenen) ist es nicht von dieser Welt, aber es existiert in dieser Welt und sollte für diese Welt da sein. Als Organisation gibt es in diesem Haus Menschen mit gemeinsamen Zielen, Regeln und eine Mitgliedschaft. Als Institution, als Geschöpf des Wortes des Hausherrn, ermöglicht dieses Haus zugleich seinen Aufbau, Umbau und Neubau, der jedoch stets vom Auftrag des Hausherrn zu legitimieren ist. Maßstäbe bei der Suche nach dem Willen des Hausherrn sind das Gott- und Christusvertrauen, die geschwisterliche Liebe der Hausbewohner sowie die solidarische Weltverantwortung.

Jeder Hausbewohner braucht den Generalschlüssel des Angeklagten, um in das wahre Innere des Hauses zu gelangen, um selbst erneuert zu werden, damit von diesem Haus im Häusermeer neues Leben ausgeht, Frieden in Freiheit und Gerechtigkeit sowie eine zu versöhnende Vielfalt in der Einheit aller.

Wenn Hausbewohner den Generalschlüssel missachteten, trage der Angeklagte keine Verantwortung. Er sei freizusprechen. Als Heiliger Geist werde er weiterhin Unfreie zur Liebe in Würde und Verantwortung befreien können. Und viele gebrochene Herzen trösten.

Burkhard Budde


Mehr wissen – besser verstehen

Pfingsten

 

Zum Namen:

Pfingsten (= „fünfzigster Tag“), ein christliches Fest, das 49 Tage nach Ostern gefeiert wird und an die Ausgießung bzw. Aussendung des Heiligen Geistes sowie an die Gründung der Kirche erinnert.

 

Zur Geschichte:

Das dritte Hochfest der Kirche (neben Ostern und Weihnachten) stammt aus jüdischer Tradition:

Nach dem „Passahfest“ (Erinnerung an den Auszug aus Ägypten bzw. an die Befreiung aus der Sklaverei) wurde am 50. Tag das jüdische „Wochenfest“ („Chag schawuot“) als Erntedankfest nach der Weizenernte, auch als Pilgerfest, später als Erinnerungsfest an die Gesetzgebung auf dem Berg Sinai („Zehn Gebote“) fröhlich tanzend (=“Chag“) gefeiert.

Als die Apostel und Jünger Jesu zum Wochenfest (auch „Pentekoste“ = „50.Tag“) in Jerusalem versammelt waren, sind sie nach dem Bericht der Apostelgeschichte vom Heiligen Geist erfüllt worden: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg. 2,2-4)

 

Zum christlichen sowie eigenständigen Fest des Heiligen Geistes mit Taufen wurde Pfingsten im 4. Jahrhundert, zum Hochfest mit eigener Oktav (Pfingstmontag und Trinitatis = Dreifaltigkeitsfest am ersten Sonntag nach Pfingsten) im 7. Jahrhundert.

 

Zur Bedeutung:

Nach der Apostelgeschichte hat der Apostel Petrus in einer Predigt das Pfingstgeschehen heilsgeschichtlich gedeutet sowie als Beweis der Auferstehung und Erhöhung Jesus als Messias: Durch den Propheten Joel habe Gott vorausgesagt, dass er in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde. (vgl. Apg. 2, 16) Und Jesus sei von Gott auferweckt worden und habe den verheißenen heiligen Geist vom Vater empfangen. (vgl. Apg. 2, 32ff) Wer den Heiligen Geist empfangen wolle, müsse umkehren und sich taufen lassen: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg. 2, 38)

Der Heilige Geist als „Kraft aus der Höhe“ bewirkt Einheit in der Vielfalt – ein Gottesvolk, das sich als christliche Kirche - nicht von der Welt, aber in der Welt und für die Welt – versteht und sich zu Jesus Christus öffentlich bekennt. Das Pfingstgeschehen ist deshalb auch die Geburt der offenen und einladenden Kirche des Wortes Gottes als Gemeinschaft der Gott- und Christusvertrauenden sowie die Geburtsstunde der Mission und Diakonie. Und gibt der Kirche ein unverwechselbares Gesicht sowie einen unvertretbaren Auftrag.

Burkhard Budde


Verhältnismäßigkeit und Sinnhaftigkeit im Blick

Leserbrief zum Thema „Corona“ in der Goslarschen Zeitung

 

„Über Corona, Grundrechte und Moral“ schrieb Chefredakteur Jörg Kleine in der Goslarschen Zeitung vom 9. Mai 2020.

In der Ausgabe vom 23. Mai 2020 erschien dazu folgender Leserbrief:

 

„Gerne und zustimmend habe ich Ihren Artikel gelesen. Auf den Punkt gebracht haben Sie das Thema „Fußball“. Auch die „unheilige Allianz“ ist ein wichtiger Aspekt, der zur Transparenz verlogener Nebelkerzen beiträgt. Ihre differenzierte Darstellung der Folgen der Öffnungsklauseln trägt zum kritischen Denken bei.

 

Sie fragten nach der Meinung Ihrer Leser. Kleine Ergänzungen aus meiner Perspektive:

In der Corona-Krise wird immer wichtiger

-         eine Kultur der Eigenverantwortung und der Differenzierung im Rahmen der Gesamtverantwortung des Staates  und liberalen Demokratie,

-         die Philosophie des Vorrangs des Lebens- und Gesundheitsschutzes, der Würde und der Menschenrechte vor partikularen Interessen auf der Grundlage unseres Grundgesetzes,

-         der Ausgleich der Interessen, der Erwartungen, Werte und Ziele durch legitimierte und später auch zur Verantwortung ziehenden Kräfte in einer parlamentarischen Demokratie,

-         sowie die Gewaltenteilung in unserem Staat, d.h. die Kontrolle der Exekutive/ auch der Ministerialbürokratie durch die Judikative und die Medien insbesondere im Blick auf die Verhältnismäßigkeit und Sinnhaftigkeit der jeweiligen Maßnahmen.

Die Lust an der Macht der „Mächtigen“ sowie eine Kultur der panischen Überkontrolle, der Pöbeleien um des eigenen Vorteils willens und der Denunziation aus niederen Beweggründen darf die persönliche und gemeinsame Verantwortung in der jeweiligen konkreten Situation nicht vollends in den Hintergrund drängen lassen“.

 

Burkhard Budde

(GZ 23. Mai 2020)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

Eine starke Kronzeugin

 

Das Schicksal saß auf der Anklagebank. Es hatte überraschend zugeschlagen. Brutal und hart, unsichtbar und unfair. Der Richter fragte: „Warum?“ Und der Staatsanwalt wies auf die heimtückischen Zerstörungen hin. Es habe zudem keine Zeit gegeben, sich auf diese Schläge vorzubereiten.

 

Da sagte das Schicksal: „Ja, es stimmt. Ich habe das Hamsterrad der Getriebenen und Treiber zum Stillstand gebracht. Die Tretmühle des Glücks ist bei vielen aus dem Tritt geraten. An der Karriereleiter des Erfolgs habe ich kräftig gerüttelt. Mir ist es gelungen, dass der Fahrstuhl des Wohlstandes für alle steckengeblieben ist. Die Rolltreppe, die nach oben führt, hat sich verlangsamt; die Rolltreppe, die nach unten in den Keller führt, beschleunigt. Vor allem wackelt jetzt das Kartenhaus des Lebens vieler bedenklich oder liegt bereits zerstört am Boden.“

 

Doch dann blickte das Schicksal in den Zuschauerraum des Gerichtes, wo eine Kronzeugin saß, ergänzte und wirkte dabei etwas „enttäuscht“: „Ich hatte viel Erfolg. Nur mit einer Person konnte ich nicht so richtig fertigwerden. Spätestens wenn ich sie endgültig in die Wüste der Sinnlosigkeit und Ohnmacht, der Ängste und Mutlosigkeit, des Misstrauens und der Aggressionen vertreiben wollte, trat sie mir mutig und zugleich vernünftig entgegen.“ Neugierig fragte der Richter das Schicksal, wer denn diese Person sei. Und der Staatsanwalt rieb sich die Augen, um die Antwort nicht zu verpassen.

 

Da zeigte das Schicksal etwas verlegen auf die Kronzeugin, holte tief Atem und antwortete: „Es ist die Hoffnung.“

 

Die weiteren Befragungen der Kronzeugin ergaben tatsächlich: Die treue Begleiterin „Hoffnung“ konnte trotz der vielen Schicksalsschläge nicht in die Knie gezwungen werden. Sie hatte die Menschen nicht mit billigen Versprechungen vertröstet, auch nicht mit leichtgläubigem Wunschdenken zum geistigen Selbstbetrug verführt, auch nicht die Flucht in die heile Welt eines Seelenfriedens ermöglicht.

 

Wohl aber hatte die Hoffnung selbst teilgenommen an schmerzlichen Wehen und gleichzeitig in der Erwartung von Neuanfängen – wie eine Gebärende.

 

„Und was war ihr persönlicher Anker?“ fragte der Richter die Kronzeugin. „Leider habe ich Menschen erlebt, die auf dem Meer des Lebens ertrunken sind, obwohl ein Rettungsboot sichtbar und in der Nähe war. Weil sie nicht an mich glaubten“, führte die Kronzeugin aus und stellte sich genauer vor: „Ich bin nur das Band vom Jenseits zum Diesseits, aber dadurch auch die lebendige Hoffnung auf den mitleidenden und selbstleidenden Gott, der nur Neuanfänge kennt. Und der mit seinem Geist der schöpferischen Liebe hilft, das Leben noch im Lebenskampf mit empathischer Vernunft und zuversichtlichem Vertrauen zu verändern“. Und Grund zur Hoffnung gibt.

 

Viele im Gerichtssaal wurden nachdenklich, verließen ihn mit mehr Zuversicht und fingen an, ihr Leben neu zu bejahen.

 

Burkhard Budde

 

(Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe am 23. 5. 2020)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt

 

A strong key witness

 

Fate was sitting in the dock. It had struck unexpectedly. Brutal and hard, invisible and unfair. The judge said, "Why?" And the prosecutor pointed out the insidious destruction... And there hadn't been time to prepare for these blows.

 

Then fate said, "Yes, it's true. I have brought the hamster wheel of the driven and driven men to a halt. The treadmill of happiness has gone out of step with many. I have rattled the career ladder of success vigorously. I have succeeded in bringing the elevator of prosperity to a standstill for everyone. The escalator leading up has slowed down; the escalator leading down to the basement has accelerated. Above all, the house of cards in the lives of many is now shaking precariously or lying already destroyed on the ground."

 

But then fate looked into the auditorium of the court, where a key witness was sitting, added and seemed somewhat "disappointed": "I had a lot of success. There was only one person I couldn't really handle. At the latest when I finally wanted to drive her into the desert of senselessness and powerlessness, of fear and despondency, of distrust and aggression, she approached me courageously and at the same time reasonably. Curious, the judge asked fate who this person was. And the prosecutor rubbed his eyes so as not to miss the answer.

 

Then fate, somewhat embarrassed, pointed to the key witness, took a deep breath and replied, "It's hope."

 

Further questioning of the principal witness did indeed reveal that the faithful companion "Hoffnung" could not be brought to her knees despite the many blows of fate. She had not put people off with cheap promises, nor had she seduced them into spiritual self-deception with gullible wishful thinking, nor had she made it possible for them to flee into the ideal world of peace of mind.

 

But hope itself had participated in painful labour pains and at the same time in the expectation of new beginnings - like a woman in childbirth.

 

"And what was her personal anchor?" the judge asked the key witness. "Unfortunately, I have seen people drown on the sea of life, although a lifeboat was visible and nearby. Because they did not believe in me", the crown witness explained and introduced herself more precisely: "I am only the bond from the hereafter to the here and now, but through this also the living hope in the compassionate and self-suffering God who only knows new beginnings. And who, with his spirit of creative love, helps to change life with empathic reason and confident trust while still in the struggle for life". And gives reason for hope.

 

Many in the courtroom became thoughtful, left him with more confidence and began to affirm their lives anew.

 

Burkhard Budde

 

(Published in the Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe on 23. 5. 2020)

 

 

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)

Spiritueller Impuls

 

Garten der Natur

 

lebt und liebt,

wächst und blüht,

verwildert und überwuchert,

leidet und stirbt.

 

Und öffnet doch der Seele

das Labyrinth zur Frucht neuen Lebens,

weil unendliche Energie alle endliche Energie

geheimnisvoll und kräftig durchwaltet.

 

Burkhard Budde

Spiritual impulse

Garden of nature

lives and loves,
grows and blossoms,
wild and overgrown,
suffers and dies.

And yet opens the soul
the labyrinth to the fruit of new life,
because infinite energy all finite energy
mysterious and powerful.

Burkhard Budde

Mehr wissen – besser verstehen

 

Christi Himmelfahrt

Das Fest Christi Himmelfahrt, das am 40. Tag nach Ostern gefeiert wird, erinnert an den endgültigen Abschied und die unwiderrufliche Trennung des gekreuzigten, gestorbenen und auferstandenen Jesus von der Erde in den Himmel, in den unsichtbaren und unerreichbaren Teil der göttlichen Schöpfung.

 

Zur Geschichte:

Jesus wird nach dem Bericht der Apostelgeschichte des Lukas vor den Augen der Jünger von einer Wolke zusehends aufgehoben und „in den Himmel aufgenommen“ – wie zwei Männer in weißen Kleidern den Jüngern anschließend erläutern. (vgl. Apg 1, 9-11)


Die „Entrückung Jesu“ - „Und da er sie segnete, schied er von ihnen.“ (Lk 24, 51) - geschah nach dem Bericht der Apostelgeschichte nachdem Jesus 40 Tage seinen Jüngern erschienen war und ihnen Weisung durch den Heiligen Geist gegeben hatte. „Und er redete mit ihnen vom Reich Gottes.“ (Apg 1, 3b) Die Jünger, Augenzeugen des irdischen Wirkens Jesu, sollten zugleich Zeugen der Auferstehung Jesu sein – in der Öffentlichkeit und „bis an das Ende der Welt“ (Apg 1, 8b). Und der Heilige Geist war als Lebenskraft sozusagen der Motor ihres Zeugendienstes.


Die „Erhöhung Jesu“ – „Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur rechten Gottes.“ (Mk 16, 19) – geschah, um am unsichtbaren und sichtbaren Wirken Gottes im Himmel und auf Erden durch den Heiligen Geist teilzuhaben.


Der Evangelist Lukas berichtet, dass die Himmelfahrt Christi am Auferstehungstag in der Nähe Bethaniens sozusagen als Abschluss des Lebens Jesu stattgefunden habe; in seiner Apostelgeschichte ist von der Himmelfahrt erst  nach 40 Tagen am Ölberg die Rede, sozusagen als Anfang der Zeit der Kirche, um sie mit der Zeit Jesu zusammenzuführen.

Zunächst feierten die Christen am Pfingstfest die Himmelfahrt Christi mit; seit 370 wurde es ein eigenständiges Fest 40 Tage nach Ostern.

 

Zur Bedeutung:

Der sichtbare Himmel – englisch „sky“ – kann vom unsichtbaren Himmel – englisch „heaven“ – unterschieden werden. Gleichwohl gibt es einen allumschließenden Zusammenhang: Der naturwissenschaftliche Himmel um einen Menschen herum kann die Augen für die schöpferische Hand Gottes öffnen; der religiöse Himmel in einem Menschen kann eine Triebfeder für die Suche nach den Gesetzen der Natur sein. Kein Himmel hat eine Rückseite oder ist ein Gegenstand, um den man herumgehen kann. Jeder Himmel ist nah und zugleich fern. Der Himmel als Horizont der Erde und die Erde als Abglanz des Himmels sind nicht voneinander zu trennen.


Jesus Christus hat die Tür zum unsichtbaren Reich Gottes im sichtbaren Horizont der Welt geöffnet. Der Geist Christi wohnt nicht nur am unsichtbaren Sitz Gottes oder der Engel, auch nicht nur am Aufenthaltsort der seligen Toten oder am Ort der ewigen Glückseligkeit und des göttlichen Lichtes, sondern er wirkt erfahrbar in der sichtbaren Welt durch das Wort Gottes, die göttlichen Sakramente und seine Zeugen.


Himmelfahrt bedeutet „Jesus ist im Himmel - bei Gott“. Das Fest Christi Himmelfahrt lädt ein, an die unendlichen und grenzenlosen Möglichkeiten Gottes jenseits der endlichen und begrenzten Möglichkeiten der Menschen zu glauben. Und das Wirken des Geistes Christi schon hier auf der Erde zu entdecken. Um sich vom Geist der Liebe von himmlischen Kräften der Vernunft bewegen zu lassen.

Burkhard Budde


Per Fahrrad von Bad Harzburg nach Goslar

 

Blick vom Maltermeister Turm

 

Auf der Panoramaterrasse ; rechts Prof.Dr. Reza Asghari


Der Maltermeister Turm, der um 1500 auf einer Halde 419m ü.NN am Hang des Rammelsberges errichtet wurde,

ist wahrscheinlich die älteste erhaltene Tagesanlage Deutschlands.

 

Von hier aus konnten die Gruben des Rammelsberges überwacht werden. In der Zeit von 1578 bis 1804 diente der „Anläuteturm“ dazu, mit einer Glocke den Schichtbeginn im Bergwerk anzukündigen oder vor Angreifern zu warnen.

Den Namen erhielt der Turm vom Maltermeister, der seit Mitte des 18. Jahrhunderts in ihm wohnte und das für den Bergbaubetrieb benötigte Holz verwaltete. Für eine Tonne Erz benötigte man über einen Kubikmeter Holz; jährlich wurden für die Erzgewinnung im Rammelsberg etwa 6000 Malter verbraucht.

Seit 2004 ist der Maltermeister Turm eine Berggaststätte. Von der Panoramaterrasse gibt es einen faszinierenden Blick auf Goslar – dem alten Bergbauort (979) und der Kaiserpfalz, der Geschichts- und Kulturstadt am Harz mit etwa 51 000 Einwohnern.

 

(Quelle: www.maltermeister-turm.de)


Auf ein Wort

 

Gefährliche Lockrufe

 

Sie sind verlockend, aber auch gefährlich: Lockrufe können sich bezaubernd anhören, aber auch ins Unheil führen. Die „Sirenen“ lockten von ihrer Insel aus Seeleute, die mit ihrem Schiff vorbeifuhren, mit verzückendem Gesang, um sie ins Verderben zu stürzen.

Odysseus jedoch, der legendäre griechische Held, wusste sich zu helfen: Das spätere Vorbild vieler Herrscher, das vorausdachte und nach rettenden Lösungen suchte, verstopfte seinen Begleitern die Ohren mit Wachs und ließ sich selbst an den Mast seines Schiffes fesseln. Und alle überlebten die tödliche Versuchung.

 

„Sirenen“ sind heute keine göttlichen Mischwesen aus Vogel- und Mädchenleibern, wohl aber Lockrufe fanatischer Hassprediger und verlogener Tugendwächter oder auch die Stimmen, die selbstbezogene Menschen in ihrem Innern vernehmen.

Und gefährdeten Ahnungslosen, aber auch Uneinsichtigen, Lernverweigerern und Unvernünftigen werden heute angesichts allgemeiner Gefahren oder aktueller Notsituationen kein Wachs in die Ohren gestopft. Wohl aber zwingt das geltende Recht, sich nicht von „Lockrufen“ übermannen zu lassen, sondern sich „ordnungsgemäß“ und „gesetzeskonform“ zu verhalten.

Kein gegenwärtiger Herrscher kann und sollte zudem Odysseus einfach kopieren: Denn er kannte auch viele Tricks und Täuschungsmanöver, konnte zerstören und sich rächen, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Aber seine vorübergehende Fesselung an einen „Mast“ angesichts von gefährlichen Lockrufen bleibt wohl für alle bedenkenswert.

 

Denn der Lockruf des Geizes (mit griechischem Namen „Avaritia“), nur an sich zu denken, nicht zu teilen, kann sehr einsam und lieblos machen.

Der Lockruf des Neides („Invidia“), immer nur zu vergleichen, andere zu bremsen und sich damit auch selbst zu beschädigen, kann sehr bitter und geistlos machen.

Der Lockruf des Hochmutes („Superbia“), zu meinen nur allein die Wahrheit zu besitzen, sich deshalb über andere zu erheben, kann sehr schwärmerisch und realitätslos machen.

Der Lockruf der Wollust („Luxuria“), sich nur an den Augenblick zu fesseln und nicht auch an die Folgen zu denken, kann sehr egoistisch und hemmungslos machen.

Der Lockruf der Völlerei („Gula“), nur gierig zu sein und sein Selbst zu vergessen, kann sehr krank und maßlos machen.

Der Lockruf des Zorns („Ira“), nur unbeherrscht zu sein und sein Selbst zu verlieren, kann sehr schwach und haltlos machen.

Der Lockruf der Melancholie („Acedia“), nur alles negativ und selbstbemitleidend zu betrachten, kann sehr dünnhäutig und leidenschaftslos machen.

Eine vorübergehende (Selbst-) Fesselung aus guten Gründen – also keine Zwangsfesselung auf Dauer – kann Sinn machen. Aber auch eine freiwillige Bindung aus Einsicht in verschiedenen Situationen schafft Raum für neue Möglichkeiten und Freiheiten: Aus Geiz wird dann teilende Großzügigkeit, aus Neid anerkennende Wertschätzung, aus Hochmut menschliche Demut, aus Wollust leidenschaftliche Zärtlichkeit, aus Völlerei genussvolles Entdecken, aus Zorn empathische Gerechtigkeit, aus Melancholie verantwortungsbewusste Lebensfreude.

 

Auch moderne Sirenen spielen oft nicht mit offenen Karten, sind verlogen und hinterhältig, indem sie sozusagen im Vorübergehen flüstern: „Willst du im Land der Freien als Gefangener leben?“ Wer seine Freiheit jedoch an den Mast der Verantwortung gebunden weiß, kann als gebundener Freier leichter verführerischen und zugleich zerstörerischen Lockrufen widerstehen. Und auf dem Meer des Lebens Kurs halten, frei zur Liebe in Würde und Menschlichkeit sein.

Burkhard Budde

 

(veröffentlicht auch im Wolfenbütteler Schaufenster

am 17.5.2020)

 


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt

 

Kostbare Lebenszeit

 

Das Zeit- und Lebensgefühl kann gestört werden. Wenn die innere Lebensuhr ungewöhnlich laut oder unheimlich leise sowie gleichzeitig unaufhörlich tickt, verbreitet sie bei vielen Angst und Schrecken. Düstere Gedanken und mulmige Gefühle können dann Antriebskräfte lähmen, wehleidig und traurig machen, manchmal aber auch aggressiv und aufbrausend: Werde auch ich von einer unsichtbaren, unbekannten und unberechenbaren Gefahr bedroht? Wird mir die gewohnte Kontrolle über meine kostbare Lebenszeit genommen?

 

Weder das Lecken eigener Wunden noch die Suche nach Sündenböcken noch Selbstgenügsamkeit noch Panik scheinen weiterzuhelfen. Vielleicht aber ist es ein Versuch wert, sich Zeit für die „Zeit“ zu nehmen. Und zwar ohne Zeitdruck und Vorurteile, sondern mit Offenheit und Neugierde.

 

Stellen wir uns einmal eine Sanduhr vor, die aus zwei miteinander verbundenen Glaskolben besteht. Sand fließt durch den jeweiligen Hals eines Kolbens durch ein Loch in den anderen Kolben. Der Sand – die Lebenszeit - ist ständig in Bewegung und kann auch von „Zeitdieben“ oder „Zeitverschwendern“ nicht angehalten werden. Die Lebenszeit, weil sie unaufhaltsam weniger wird und nicht vermehrt werden kann, bleibt kostbar. In der „Engführung“ verschwindet sie jedoch nicht im Nichts, sondern hier fallen Sein und Nichtsein, Nichtsein und Neusein zusammen.

 

Wenn die Lebenszeit nicht auf gedankenlosen Treibsand gebaut ist, ein jegliches seine Zeit hat, kann ein Mensch auch in der Zeit einer Krise die Gelegenheit beim Schopfe greifen: Zum Beispiel innere Freiheit durch Selbstkritik und Demut zu entwickeln, Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden lernen, Mitgefühl und Besonnenheit zu gewinnen. Und vielleicht auch die neue Weisheit zu entdecken, dass der Strom der Zeit keine Art Kreislauf oder Wiederkehr des Immergleichen ist, sondern in eine offene und unbekannte Zukunft mündet. Dass Endlichkeit und Vergänglichkeit jedoch stets Ursprung des Neuanfangs und der Erneuerung sind.

 

Und dass es sinnvoll erscheint, vertrauens- und verantwortungsvoll in der geschenkten und verbliebenen Zeit aktiv, positiv, konstruktiv und kreativ zu warten – auf eine Ewigkeit, in der kein Sandkorn verloren geht und ein Mensch als geliebtes Samenkorn vom Schöpfer der Lebensuhr vollendet wird.

 

Burkhard Budde

 

(erschienen im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe am 16.5.2020)

 

Spiritual impulse

 

Precious lifetime

 

The sense of time and life can be disturbed. If the inner clock of life is unusually loud or incredibly quiet and at the same time ticking incessantly, it spreads fear and fright in many people. Dark thoughts and queasy feelings can then paralyse driving forces, make you snivell and sad, but sometimes also aggressive and quick-tempered: Am I too threatened by an invisible, unknown and unpredictable danger? Will I be deprived of my habitual control over my precious life time?

 

Neither licking one's own wounds nor the search for scapegoats, nor self-sufficiency nor panic seem to help. But maybe it is worth a try to take time for "time". And without time pressure and prejudices, but with openness and curiosity.

 

Let us imagine an hourglass consisting of two glass flasks connected to each other. Sand flows through the respective neck of one flask through a hole in the other flask. The sand - the lifetime - is constantly in motion and cannot be stopped even by "time thieves" or "time wasters". Lifetime, because it is inexorably decreasing and cannot be increased, remains precious. However, in "narrowing" it does not disappear into nothingness, but here being and not-being, not-being and new-being coincide.

 

If life time is not built on thoughtless quicksand, if each one has its time, a human being can seize the opportunity even in the time of crisis: For example, developing inner freedom through self-criticism and humility, learning to distinguish the important from the unimportant, winning compassion and level-headedness. And perhaps also the new wisdom to discover that the stream of time is not a kind of cycle or return of the always the same, but flows into an open and unknown future. But that finiteness and transience are always the origin of new beginnings and renewal.

 

And that it makes sense to wait actively, positively, constructively and creatively in a trusting and responsible manner in the time that is given and remains - for an eternity in which not a grain of sand is lost and a human being is completed as a beloved seed by the Creator of the Clock of Life.

 

Burkhard Budde

 

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Warum Susanne Gaschke aus ihrer Partei ausgetreten ist

Sie kritisiert auch den Umgang mit ihrem Mann Hans-Peter Bartels


Dazu ein Leserbrief:

 

"Nachdem ich den Artikel „Warum ich aus der SPD austrete“ in DIE WELT vom 7.Mai 2020 gelesen habe, möchte ich der Verfasserin Susanne Gaschke für ihre Offenheit sowie ihren Mut danken:

 

Sie hat aus eigenen leidvollen Erfahrungen keine „Mördergrube“ gemacht, sondern einen persönlichen Beitrag zur notwendigen Transparenz und Erneuerung einer Partei und damit auch unserer Demokratie geleistet.

 

Wenn es (fast) nur noch um persönliche Machtspiele, um Machterwerb und Machterhalt, um Machtinsignien und Machtphantasien geht, wird die Demokratie mit ihren Parteien und Institutionen zu einem abschreckenden Eisberg. Seine glänzende Spitze ist zwar über der Oberfläche zu sehen, darunter bildet sich aber eine unsichtbare gefährliche Masse insbesondere von hemmungsloser Maßlosigkeit, eitler Verlogenheit und gieriger Selbstermächtigung, die sich auf das Sichtbare – das öffentliche Leben - nachhaltig negativ auswirkt.

Spielregeln wie Fairness und Qualifikation werden gnadenlos verletzt, wenn ein geeigneter Akteur nicht brav mitspielt oder dem Spiel der Mächtigen im Wege steht. Und Spielfiguren, die das Spiel mitmachen, weil Karriere und Pfründe locken, werden zu abhängigen Spielbällen von Spielern mit gezinkten Karten.

 

Doch alle Parteien sollten sich vergegenwärtigen: Wer mit öffentlichen Ämtern parteipolitisch spielt, verspielt nicht nur in der Öffentlichkeit Vertrauen und Glaubwürdigkeit, sondern beschädigt sowohl das Amt als auch den Amtsträger. Und verliert auf Dauer und am Wahltag das Spiel, von dem sich Zuschauer und qualifizierte Nachwuchsspieler abwenden und von dem sich aktive Mitspieler verabschieden, die eigentlich für ein faires und gerechtes Spiel zugunsten einer öffentlichen Aufgabe gebraucht werden.

 

„Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken“, heißt ein Sprichwort: Wir brauchen mehr unabhängige, freie und selbstständig denkende Persönlichkeiten wie Hans-Peter Bartels oder wie den verstorbenen Axel Springer oder auch wie die Autorin, die noch Ideale, Prinzipien und Rückgrat haben, Schmerzgrenzen und Anstand kennen, die morgens in den Spiegel schauen können. Und bei denen sich das Prinzip „Verantwortung für das Gemeinwohl“ in der (partei-) politischen Praxis nicht wie Zucker im Tee auflöst – oder den Tee, den politischen Betrieb, ungenießbar macht. Die Person mit ihren Prägungen und Überzeugungen auf der einen Seite und die Sache und Aufgabe auf der anderen Seite vorurteilsfrei unterscheiden können – wie es der Springer-Verlag vorbildlich bei der Einstellung der Journalistin und ehemaligen OB von Kiel Susanne Gaschke praktiziert hat.

 

Gibt es Trost und zugleich Hoffnung? Vielleicht ist doch jede Enttäuschung die Befreiung von einer Täuschung und der gereifte Beginn eines neuen, weil befreiten Lebens. Und die Liebe, die wichtiger ist als alle Karriere und einem Leben auch jenseits einer Partei Erfüllung und Glück schenkt, bleibt."

 

Burkhard Budde

 

(Leserbrief an DW vom 7. Mai 2020;

Ausschnitt veröffentlicht am 11. Mai 2020)


Spiritueller Impuls im Westfalen-Blatt am 9.5.2020

 Der unsichtbare Begleiter


Täuscht die beschauliche Idylle? Ein Schäfer mit Wanderstab, begleitet von seinen Hunden, beobachtet seine Schafe auf einer Weide.

 

Lädt dieses Naturbild zu einem frommen Schäferstündchen ein, um sich vom Schrecken des Alltags zu erholen? Oder gar zu einer lammfrommen Spiegelfechterei, um sich selbst oder andere zu belügen?

 

In Wirklichkeit gibt es nichts, was es nicht gibt: Schafe flüchten vor den Wölfen ins Dickicht der Selbstgenügsamkeit. Andere passen sich an und heulen mit den Wölfen, erkennen nicht die Wölfe in Schafsfellen und stürzen in Abgründe. Oder verwandeln sich innerlich selbst in Wölfe, werden gnadenlos und herzlos.

 

Manche sind achtsam, wenn Lämmer oder andere wehrlose Schafe von „Schwarzen Schafen“ misshandelt werden und schlagen Alarm. Wieder andere spielen sich wie bissige Hunde auf, wenn Schafe aus einer Nachbarherde auf ihrer Wiese grasen wollen.

 

Bei drohender Gefahr verdächtigen sich lammfromme Schafe untereinander, stellen andere gerne bloß, zur Rede oder sogar an den Pranger, wenn sie sich nicht „lammfromm“ oder „perfektionistisch“ verhalten. Am schlimmsten erscheinen jedoch die selbsternannten „Hirten“ der Herde, die den Hirtenmantel einer Übermoral tragen, um darunter ihre eigenen Schwächen und Ängste zu verbergen. Und die am liebsten alte und kranke Schafe oder Schafe mit Beeinträchtigungen aussortieren und in den Fluss treiben würden. Und blöken, den Tod anderer Schafe doch hinzunehmen.

 

Gut, dass es bei diesen Irrungen und Wirrungen einen „Guten Hirten“ gibt: Keinen Zauberer mit Zauberformeln; keine Machtfigur, die lustvoll Macht an Machtlosen zelebriert; keine Moraltante, die ihre Nase hochnäsig in die Angelegenheiten anderer steckt.

 

Sondern einen unsichtbaren Begleiter, der in finsteren Tälern gegenwärtig ist und tröstet; der die Würde schützt, damit sie unantastbar bleibt; die innere Freiheit verteidigt, um sie nicht zu verlieren. Der weiß, dass der Splitter im Auge des anderen schmerzhaft ist. Aber der Balken im eigenen Auge entdeckt werden kann. Der auf Vertrauen, Hoffnung und Liebe setzt, weil er  keine Schreckensherrschaft der Hunde, sondern neues Leben in Würde und Freiheit ermöglichen will.

 

Auch durch Regeln wie „Nähe durch Distanz in Verantwortung“, die vernünftig sind und Sinn stiften, weil sie sowohl der zu versöhnenden Einheit in Vielfalt als auch einem funktionierendem Lebensraum dienen. Und die im Bewusstsein der Verantwortung vor dem „Guten Hirten“ und der Herde gelebt werden, manchmal auch mit Schafsgeduld.

 

Burkhard Budde

 

(veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe am 9.5.2020)

 

Spiritual impulse in the Westfalen-Blatt on 9.5.2020

 

The invisible companion

 

Is the tranquil idyll deceptive? A shepherd with a walking stick, accompanied by his dogs, watches his sheep in a pasture.

 

Does this picture of nature invite you to a pious shepherd's hour to recover from the horrors of everyday life? Or even to a pious fencing match, to lie to yourself or others?

 

In reality there is nothing that does not exist: Sheep flee from the wolves into the thicket of self-sufficiency. Others adapt and howl with the wolves, not recognizing the wolves in sheepskins and falling into abysses. Or transform themselves inwardly into wolves, become merciless and heartless.

 

Some are mindful when lambs or other defenseless sheep are mistreated by "black sheep" and sound the alarm. Still others act up like biting dogs when sheep from a neighbouring flock want to graze on their meadow.

 

In case of imminent danger, lamblike sheep suspect each other, like to expose, confront or even pillory others if they do not behave "lamblike" or "perfectionist". But the worst appear to be the self-proclaimed "shepherds" of the flock, who wear the shepherd's cloak of immorality to hide their own weaknesses and fears. And who would prefer to sort out old and sick sheep or sheep with impairments and drive them into the river. And bleat to accept the death of other sheep.

 

Good thing there's a "Good Shepherd" in all these trials and tribulations: No sorcerer with magic formulas; no power figure who lustfully celebrates power to the powerless; no moral aunt who stuck her nose in the affairs of others.

 

But an invisible companion who is present and consoles in dark valleys; who protects dignity so that it remains untouchable; who defends inner freedom so that it does not get lost. Who knows that the splinter in the eye of the other is painful. But the beam in his own eye can be discovered. The one who relies on trust, hope and love, because he does not want the dogs' reign of terror, but wants to enable new life in dignity and freedom.

 

Also through rules like "closeness through distance in responsibility", which are reasonable and make sense, because they serve both the unity in diversity to be reconciled and a functioning living space. And which are lived in the awareness of responsibility before the "Good Shepherd" and the flock, sometimes also with sheep patience.

 

Burkhard Budde

 

(published in the Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe on 9.5.2020)

 

 

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Auf ein Wort

 

Mutter ehren?!

 

Es klingelte an der Haustür. „Ja, bitte. Wer ist da?“ ertönte eine weibliche Stimme aus der Sprechanlage, etwas leicht verschnupft und zerkratzt. „Mama, bist Du es?!“ erwiderte eine etwas verlegen klingende Stimme. „Ich möchte dich besuchen.“

 

Seit vielen Jahren herrschte Funkstille zwischen Mutter und Tochter, obwohl sie an der gleichen Straße wohnten. Nur ein Haus trennte ihre Wohnhäuser voneinander. Aber jetzt in der Corona-Krise hatte die Mutter einen Brief an ihre Tochter geschrieben und sie „trotz Corona“ zum Kaffee eingeladen. „Geht gar nicht“, dachte die Tochter, als sie angefangen hatte den Brief zu lesen. „Das hätte sie sich früher überlegen sollen.“

 

Doch dann las sie weiter: „Was habe ich falsch gemacht, dass du kein Lebenszeichen von dir gibst? Ich bitte Dich mir zu verzeihen. Häufig denke ich an deine Geburt zurück. Dein verstorbener Vater und ich waren sehr, sehr glücklich. Später hingst du als unser Nesthäkchen an meinem Rockzipfel und kämpftest um Aufmerksamkeit und Zuwendung. Habe ich dir davon zu wenig geschenkt? Dein Vater und ich haben versucht, dich liebevoll zu erziehen. Wir wollten gute Eltern sein, Vorbilder, aber vielleicht waren wir nur selbstgerechte Moralapostel. Du wirst dich an unseren Satz erinnern „Ehrlich währt am längsten“, als du die Schule schwänzen wolltest. Oder an den Satz „Jede gute Tat findet ihren Lohn in sich selbst“, als du unzufrieden warst, weil keiner deine Einsätze bei der Organisation von Konzerten gelobt hatte. Haben wir versucht, dich in eine falsche Richtung zu ziehen, als wir dir geraten haben, doch einen anderen Beruf zu wählen? Ich bitte dich auch um Entschuldigung, dass ich meinen Mund nicht halten konnte, nachdem du uns deinen jetzigen Mann vorgestellt hattest. Es war falsch von mir. Ich hätte lieber schweigen sollen. Aber ich wollte spontan nur dein Bestes. Wie kann ich es wieder gutmachen?

 

Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde. Wir können über alles sprechen, wenn du willst. Aber auch alles nach so vielen Jahren einfach auf sich beruhen lassen oder begraben. Und uns in die Augen sehen, weil wir uns ja wegen Corona nicht in die Arme nehmen sollen. Und gemeinsam ein Stück Kuchen essen. Deine Mutter.“

 

Die Tochter war eigentlich mit „Corona“ beschäftigt, hatte Angst, ihren Job zu verlieren und litt darunter, auf viel Gewohntes, Schönes und Beglückendes verzichten zu müssen. Doch die Krise hatte ihr auch die Augen geöffnet, dass auch ihr Leben nicht unendlich, sondern gefährdet ist.

Sie raffte sich auf und antwortete ihrer Mutter in einem Brief: „Ich kann nicht genau beurteilen, ob du etwas falsch gemacht hast. Aber ich selbst habe bestimmt nicht alles richtig gemacht. Ich bitte dich um Entschuldigung. Wenn du sie annimmst, gibt mir ein Zeichen: Stell am Muttertag in das Wohnzimmerfenster eine Vase mit einer Rose. Dann werde ich an der Haustür klingeln.“

 

Als die Tochter klammheimlich und aufgewühlt am Muttertag zu ihrem Elternhaus ging, traute sie ihren Augen nicht: In jedem Fenster des Hauses stand eine Vase mit jeweils einer Rose.

Sie klingelte…Die Tür wurde geöffnet. Und vor der Tochter, die einen Strauß roter Nelken in der Hand hatte, stand ihre Mutter mit einem Strauß roter Rosen.


 

Und die Tochter sprach: „Alles Gute und Liebe zum Muttertag. Ich danke dir für alles, was ich von dir gelernt habe. Du bist und bleibst meine Mutter.“ Und die Mutter antwortete: „Meine liebe Tochter, ich freue mich, dass du gekommen bist. Auch ich habe von dir viel gelernt. Du bist und bleibst ein Geschenk des Himmels.“ Und beide schauten tief in glänzende Augen, die von Tränen schimmerten und aus denen Liebe sprach.

 

Burkhard Budde


„Das Schweigen der Kirchen“


Auf den Leitartikel „Das Schweigen der Kirchen“ von Claudia Becker, der am 27.4.2020 in DIE WELT veröffentlicht worden ist, erschien in der Ausgabe DIE WELT vom 5.5.2020 ein Auszug aus einem Leserbrief von mir:


„Er ist ein Weckruf, religiöse Bedürfnisse und Fragen des Glaubens seitens der verfassten Kirchen in der Öffentlichkeit neu, offensiv und glaubwürdig das heißt auch im Kontext der Corona- Krise zur Sprache zu bringen.

Und wenn das christliche Herz der Amtsträger voll ist, öffnet sich auch leichter der kirchliche Mund.“


Burkhard Budde


Im Deutschlandfunk Kultur vorgestellt:

You Silence I Bird aus Braunschweig

Es ist schon eine besondere Ehre, im Deutschlandfunk Kultur vorgestellt zu werden: Am 4. Mai 2020 konnte man die Braunschweiger Band You Silence I Bird (YSIB) im Feuilleton des Deutschlandfunks musikalisch hören und im Gespräch erleben.

Die Musiker Paul Baumann, Jonas Budde und Moses Köhler bekannten sich zu ihrer Liebe zur Natur, die ihnen bereits viele künstlerische Inspirationen geschenkt hat.

YSIB, so der Kommentator, sollte man sich merken.

Warum?

Weil mit charmanter Leichtigkeit und cooler Freude der Hörer etwas Besonderes entdecken kann: einen unsichtbaren, aber hörbaren Vogel, der in der Stille lockt und sie mit harmonischem Zauber füllt.

Wer den Beitrag von Martin Risel im Internet noch einmal hören will: Deutschlandfunk Kultur – Zu den Live-Streams – Mediathek – 4.5.2020; 16:22.

Es lohnt sich.


Mehr wissen – besser verstehen

 

Mutter achten und ehren?!

 

Zum Namen:

Der Muttertag am 2. Maisonntag erinnert an besondere Frauen, an die Lebensleistung der eigenen Mutter, an eine Feministin und die Frauenbewegung sowie an alle Frauen, die sich für ein Miteinander und Versöhnung einsetzen.

 

Zur Geschichte:

Anna Jarvis (1864-1948), eine unverheiratete und kinderlose Lehrerin und Tochter eines Methodisten Pfarrers aus West Virginia, setzte sich für politische Ziele der Frauenbewegung wie das Frauenwahlrecht ein.

Als ihre ebenfalls politisch aktive Mutter am 9. Mai 1905 starb, warb sie für ein jährliches Gedenken an die Lebensleistung ihrer Mutter, die 1858 „Mother`s Work Days“ für den Kampf gegen hohe Kindersterblichkeit und für bessere sanitäre Anlagen gegründet hatte.

Mit dem ersten Muttertag 1908 – Anna Jaris verteilte nach einem Gottesdienst 500 Nelken, die Lieblingsblume der Mutter - sollte an die „Werke aller Mütter“ gedacht werden, besonders an die soziale und politische Rolle von Frauen in der Gesellschaft. Es sollte ein Gedenktag, kein Geschenktag sein.

1914 wurde der Muttertag zum amerikanischen Feiertag erklärt (die Mütter Amerikas als „zärtliche Armee“). Ab 1922 engagierte sich der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber für die Feier zu Ehren „der stillen Heldinnen unseres Volkes“. 1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten mit ihrem NS-Mutterkult missbraucht (für "Führer, Volk und Vaterland" Kinder bekommen). Nach 1945 wurde er zunächst abgeschafft; in den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik wiederbelebt.

 

Zur Bedeutung:

Als Gedenktag ist der Muttertag zugleich ein Tag des Dankes und der Ehrung im Blick auf das Lebenswerk der eigenen Mutter. Dieser Dank ist besonders begründet, wenn eine Mutter nicht nur an die eigene Karriere und nicht nur an die des Kindes gedacht hat, sondern zugleich und vor allem an die individuelle Persönlichkeitsentwicklung ihres Kindes. Wenn Mutter und Vater mit Hilfe eines ethischen Kompasses und im Wissen um Sinn- und Kraftquellen die Erziehung ihres Kindes gemeinsam ernst- und wahrnehmen konnten. Wenn sie ihre Lebenszeit teilten, auf Ego-Trips verzichteten und bei der Bewältigung von Problemen mit gutem Beispiel vorangegangen sind sowie geholfen haben, dass das Kind immer selbstständiger und eigenverantwortlicher werden konnte.

Der Muttertag kann darüber hinaus auch zum Versöhnungstag werden, wenn keine Noten verteilt werden wie „ungerechte Mutter“ oder „undankbares Kind“, auch keine Gefühle mit goldenen Worten vorgespielt werden, sondern von beiden Seiten Herz gezeigt wird, Verstehen, Verständnis und Verständigung eine Rolle spielen, um durch die wertschätzende Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft zu gewinnen. Doch die Mutter bleibt für ein Kind  stets eine besondere Identifikations- und Leitfigur, die zur eigenen Reifung und zur eigenen (Un-)Mündigkeit beiträgt, weil in jeder Mutter mit widersprüchlichen Mütterbildern eine Frau mit weiblichen Ambivalenzen, vor allem ein geliebter und liebenswerter Mensch steckt.

Burkhard Budde


Neuer Diamant in der Schmucklandschaft?!

Wird der „Harzburger Hof“ gebaut?

1874 wurde das Luxushotel in Bad Harzburg eröffnet. 2003 musste der „Harzburger Hof“ seine Toren schließen. 2017 folgte der Abriss des Gebäudes nach mehreren Bränden.

Wird das Hotel Ende 2022 wieder eröffnet?

Wie Holger Schlegel, Redakteur der Goslarschen Zeitung (GZ), am 29.April 2020 in seiner Zeitung berichtet, will eine Internationale Hotelkette „ins Boot steigen“, so dass im September 2020 mit dem Bau des „Grandhotels Harzburger Hof“ begonnen werden könnte.

Fotos B.Budde

Holger Schlegel meint in seinem Kommentar: „Nach Corona wird der Urlaub in Deutschland wahrscheinlich populärer denn je.“ Und „Bad Harzburg und der ganze Harz können solch ein Hotel gut gebrauchen.“ Schließlich werde es ja nicht von Steuergeldern bezahlt.

 

Dazu mein (ergänzender) Kommentar zum GZ-Kommentar:

 

Lieber Herr Schlegel,

vielen Dank für Ihren Artikel.

 

Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir mehr mutige Beweger, die Perspektiven haben und weniger bremsende Bedenkenträger, die auf der Stelle treten.

Ein Rohdiamant, der in die Schmucklandschaft Harzburgs traditionell und vom Charakter her passt, scheint immer mehr Form und Stil zu bekommen. Wenn der Harzburger Hof rechtzeitig in ein gesamtstädtisches und überregionales Marketingkonzept eingebunden wird, können Synergieeffekte für die Entwicklung der ganzen Stadt entstehen. Wer eine lebendige und wachsende Einheit – kein einfältiges Nebeneinander – anstrebt, sollte eine bunte und zielgruppenorientierte Vielfalt – kein unabgestimmtes Durcheinander – ermöglichen und fördern.

Aus einem Rohdiamanten kann dann ein weiterer geschliffener und leuchtender Diamant werden, der im Zusammenspiel und im Wechselspiel mit den vorhandenen Schmuckstücken ausstrahlt, Menschen aus ganz Deutschland anzieht sowie zum pulsierenden Leben nachhaltig beiträgt.

 

Herzliche Grüße

Ihr

Burkhard Budde


 

Spiritueller Impuls

Quelle des Lebens

 

Ein Fisch in einem großen See hatte gehört, dass es eine Quelle gibt. Sie habe alles geschaffen, erhalte alles und erneuere alles. Wenn es sie nicht gäbe, würde er nicht existieren. Viele seiner Freunde schmunzelten und winkten ab, als er von diesem „Gerücht“ erzählte. „Was ich nicht gesehen habe, existiert nicht“, meinte einer. Und ein anderer ergänzte: „Es gibt Wichtigeres in unserem Leben. Lass dir keinen Bären aufbinden.“

 

Aber der Fisch wollte sich eine eigene Meinung bilden und machte sich auf die Suche nach der Quelle. Neugierig und wissbegierig schwamm er hin und her, um sein Wissen zu vermehren und mit anderen Fischen zu teilen, die auch auf der Suche nach der Quelle waren. Als er immer einsichtiger und klüger geworden war, entdeckte er neben der „Klugheit“ (prudentia) auch die „Weisheit“ (sapientia), Geduld und Demut: Mein Leben ist zerbrechlich und bleibt stets gefährdet, endlich und stets begrenzt, unvollkommen und stets abhängig von anderen Fischen. Und vom Wasser.

 

Auch die „Gerechtigkeit“ (iustitia) wurde ihm wichtig: Dass möglichst alle Lebewesen im See gleiche oder wenigsten gleichwertige Chancen des Lebens erhalten, nach ihren Leistungen und Bedürfnissen behandelt werden und die nachfolgenden Generationen nicht aus dem Auge verloren gehen.

 

Da begegnete ihm die Tugend der „Mäßigkeit“ (temporantia), die ihn an den Teppich der Wirklichkeit erinnerte, damit er nicht als Tugendbold oder als Liebhaber der Machtspiele abhob: Maßstäbe des Miteinanders sollen verhältnismäßig sein; Fragen nach der Notwenigkeit und Nützlichkeit, nach Alternativen, milderen Mitteln, nach Korrigierbarkeit oder Umkehrbarkeit müssen in der konkreten Situation gestellt werden.

 

Aber nicht genug: Da stellte sich noch die „Tapferkeit“ (fortitudo) vor: Er soll sich mutig und zugleich besonnen gegen den Strom der Zeit für die Freiheit und Sicherheit aller, für Gerechtigkeit und Zusammenhalt, einsetzen, damit das Wasser nicht vergiftet wird und nicht alle eines Tages auf dem Trockenen landen. Vor allem soll er die Quelle nicht vergessen, von der alle leben.

"Wie das? Und warum?“ fragte der Fisch die Kardinaltugend. „Weil es ohne diese unterirdische Quelle kein Leben gibt. Und weil du aus dieser Quelle Kraft, Sinn und Zuversicht schöpfen kannst. Du hast sie gefunden. Sie ist in dir und du lebst zugleich von ihr bis du eines Tages zu Gott zurückkehrst.“

 

Burkhard Budde

 (veröffentlicht im Westfalen-Blatt

in Ostwestfalen-Blatt am 1. Mai 2020)


Spiritual impulse

 

Source of life

 

A fish in a large lake had heard that there was a spring. It had created everything, preserved everything and renewed everything. If it did not exist, it would not exist. Many of his friends smiled and waved away when he told about this "rumor". "What I have not seen does not exist", one of them said. And another added: "There are more important things in our lives. "Don't let them pull any punches."

 

But the fish wanted to form its own opinion and set out to find the source. Curious and eager to learn, he swam back and forth to increase his knowledge and share it with other fish that were also looking for the source. As he became more and more insightful and wise, he discovered not only "wisdom" (prudentia) but also "wise saying" (sapientia), patience and humility: my life is fragile and always remains fragile, finite and always limited, imperfect and always dependent on other fish. And on water.

 

Also "justice" (iustitia) became important to him: that as far as possible all living beings in the lake receive equal or at least equal chances of life, are treated according to their achievements and needs and do not lose sight of the following generations.

 

There he encountered the virtue of "moderation" (temporantia), which reminded him of the carpet of reality, so that he did not take off as a paragon of virtue or a lover of power games: Standards of togetherness should be proportionate; questions of necessity and usefulness, of alternatives, milder means, of correctability or reversibility must be asked in the concrete situation.

 

But not enough: there the "bravery" (fortitudo) was still imagined: He should courageously and at the same time calmly stand up against the current of time for the freedom and security of all, for justice and cohesion, so that the water is not poisoned and not all of us one day end up on dry land. Above all, he should not forget the spring from which all live.

 

"How so? And why?" the fish asked the Cardinal virtue. "Because without this underground spring, there is no life. And because you can draw strength, meaning and confidence from this source. You have found it. It is within you and you live from it until one day you return to God.

 

Burkhard Budde

 

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Auf ein Wort

 

Mensch „Mensch“

 

Kennen Sie den Straßenfeger „Schlau“? Die lange Straße liegt voll Laub. „Das schaffe ich nie! Viel zu viel Arbeit!“ denkt „Schlau“. Und wird innerlich unruhig, aufgewühlt und hektisch. Doch dann – nach einer „Erleuchtung“ oder einem „Geistesblitz“?! – fängt er einfach an, mit seinem Besen zu fegen – Schritt für Schritt, gelassen und geduldig, konzentriert und diszipliniert. Es dauert gar nicht so lange, „Schlau“ blickt auf, schaut nach vorne und einmal zurück: Er hat es geschafft. Der Straßenfeger hat wichtige Werte entdeckt und erlebt: Gelassenheit, Geduld und Disziplin. Und konnte deshalb sein Problem besser meistern.

 

Kennen Sie auch den Bergsteiger „Anti“? Er hat sich in einer steilen Bergwand verstiegen. Was kann bzw. was sollte er jetzt tun? Laut um Hilfe rufen? Sich hinkauern und abwarten? Zornig mit dem Fuß auf der Stelle treten? In panischer Angst loslaufen? „Anti“ reagiert intelligent und vernünftig. Vorsichtig – angepasst an die jeweilige konkrete Situation - bewegt er seine Füße, gleichmäßig setzt er einen Fuß vor den anderen. Und nimmt bei jedem Schritt die Möglichkeit eines Absturzes vorweg bis er die Felsspalte überwunden hat. Auch dem Bergsteiger haben Werte geholfen, seine Probleme zu meistern: Vernunft und Intelligenz, Anpassung und Antizipation.

 

Kennen Sie den Lehrer Impro“? Wegen Corona kann kein normaler Unterricht stattfinden. „Impro“ muss sich plötzlich per Videokonferenz mit Kollegen und der Schulleitung ganz neu verständigen: neue Organisations- und Kooperationsformen finden, aber auch über neues Unterrichtsmaterial, Hausaufgaben, Benotung sowie individuelle Beratung bzw. Förderung von Schülern nachdenken. Wichtige Werte sind für den Lehrer jetzt besonders Improvisation, Flexibilität und Kreativität. Und natürlich auch das Dazulernen beim Umgang mit digitalen Instrumenten.

 

Kennen Sie die Familie „Soli“? Auch sie ist wegen Corona besonders herausgefordert. Das Familienleben muss - manchmal auf engstem Raum - neu organisiert werden. Ein Familienmitglied hat Kurzarbeit, ein anderes Homeoffice. Gleichzeitig gilt es, die Hausaufgaben der Kinder zu betreuen bzw. Kinder zu beschäftigen, die nicht in die Kita, auf den Spielplatz oder zu den Großeltern gehen können. Familie „Soli“ – ganz zu schweigen von Alleinerziehenden - erlebt Grenzen der Belastbarkeit und braucht umfassende Unterstützung. Und Werte wie innerfamiliärer und außerfamiliärer Zusammenhalt sowie soziale Empathie und resiliente Widerstandskraft müssen erlebbar werden.

 

Kennen Sie den Bürger „Demu“ und den Menschen „Mensch“? Zusammengefasst: Ich denke vor allem an Politiker, Staatsdiener, Wissenschaftler, Leistungsträger, die angesichts der Korona-Krise jetzt Werte wie „Gesamtverantwortung in Demut“ im Rahmen des Würdeversprechens des Grundgesetzes und des Lebensschutzes wahrnehmen. Dabei ist nicht alles materiell Wünschbare machbar, vertretbar und finanzierbar und ein Ausgleich zwischen Volksgesundheit, Lebensqualität und wirtschaftliche Sicherheit ist auf Dauer anzustreben. Allen hilft jedoch ein Kompass gelebter Werte (siehe oben), aber auch die unsichtbare Quelle der schöpferischen Kraft, die neues Leben verspricht. Und ermöglicht, selbst Mensch zu bleiben.

 

Burkhard Budde


(veröffentlicht auch im Wolfenbütteler Schaufenster am 3.5.2020)


Spiritueller Impuls

 

Alarm auf dem Bauernhof

 

Ja, es gibt ihn noch den alten Bauernhof mit menschlichen Gesichtern. Hier schnattern Gänse. Und Hühner flattern aufgeregt hin und her. Der Fuchs sei in der Nähe, hat sich blitzartig herumgesprochen. Selbst der stolze Hahn, der kräftig kräht, scheint nicht zu wissen, was er tun soll. Auch die Katze schleicht um den heißen Brei herum und kann die Situation nicht richtig einschätzen. Eine kleine Maus verschwindet fluchtartig in ihrem kleinen Loch. Im Klima der Verunsicherung tänzelt nervös ein Pferd, knirscht mit den Zähnen, als wäre es in seiner Ehre verletzt worden. Nur eine Kuh frisst ungerührt weiter und versteht wohl die ganze Aufregung nicht. Ein Igel, der nachgedacht hat, verkündet: „Ich lege meine Stacheln ab, die provozieren nur den Fuchs.“ Ein anderer Igel widerspricht spontan: „Meine Stacheln machen mich stark und unverwundbar!“ Da läuft ein Hund vorbei und bellt: „Habt keine Angst. Bleibt dort, wo ihr seid. Ich regle das für euch!“ Manche hören tatsächlich auf seine Stimme. Und entdecken menschliche Nähe durch räumliche Distanz. Doch manche verhalten sich zu Hause auch wie Raubtiere, die in die Enge getrieben worden sind, brüllen, schlagen, vernichten.

 

Da erscheint der Bauer, der um seine wirtschaftliche Existenz, die Sicherheit und den Frieden besorgt ist, und sagt: „Der Fuchs wird noch gefährlicher und brutaler, wenn wir die Nerven verlieren. Wichtig sind jetzt Disziplin, Vernunft und Zusammenhalt. Und Zeit, um Schutzmaßnahmen ergreifen zu können bis der Fuchs von Experten eingefangen oder verjagt ist. Oder wir mit der Gefahr leben können.“

 

Und wer genau hinhört, der vernimmt noch eine menschliche Stimme: „Gott, schenke mir Kraft zum neuen Vertrauen, dass ich annehmen kann, was nicht zu ändern ist. Zur neuen Hoffnung, dass ich etwas verändern kann, weil du bei mir bist. Zur neuen Liebe, weil ich dir überlasse, mir den letzten Sinn meines Handelns zu schenken. Erneuere uns alle auf dem Hof des Lebens, damit wir in Würde und Freiheit vor dir und mit dir leben können.“

 

Burkhard Budde

(veröffentlicht am 27.4.2020 im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen-Lippe)

 

Spiritual impulse


Alarm on the farm


Yes, there is still the old farm with human faces. There are geese cackling. And chickens flutter excitedly back and forth. The fox is close by, and word has spread like lightning. Even the proud rooster, which crows vigorously, seems to know not what to do. Even the cat is sneaking around the hot porridge and cannot assess the situation properly. A little mouse disappears in a hurry in its little hole. In a climate of uncertainty, a horse prances nervously, gnashing its teeth as if its honour had been injured. Only a cow continues to eat without being moved and probably does not understand all the excitement. A thinking hedgehog announces, "I'm shedding my thorns, they only provoke the fox." Another hedgehog spontaneously contradicts: "My spines make me strong and invulnerable!" A dog runs by and barks: "Don't be afraid. Stay where you are. I'll take care of it for you!" Some actually listen to his voice. And discover human proximity through spatial distance. But some also behave at home like predators that have been cornered, roar, beat, destroy.


Then the farmer, concerned about his economic existence, security and peace, appears and says: "The fox will become even more dangerous and brutal if we lose our nerve. What is important now is discipline, reason and cohesion. And time to take protective measures until the fox is caught or chased away by experts. Or we can live with the danger."

And if you listen carefully, you can still hear a human voice: "God, give me strength for a new confidence that I can accept what cannot be changed. To the new hope that I can change something because you are with me. A new love, because I leave you to give me the ultimate meaning of my actions. "Renew us all in the courtyard of life so that we may live in dignity and freedom before you and with you.


Burkhard Budde


Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Auf ein Wort

 

Brauchen wir Werte?

 

Alle stimmen sicherlich zu, wenn es um ökonomische Werte geht. „Ohne Moos nix los“, lautet eine Redewendung. „Kohle, Piepen, Mäuse, Kröten“ sind für Konsum- und Freizeitmöglichkeiten des Einzelnen wichtig. Und es ist besonders bitter, wenn wegen einer unverschuldeten Krise auch noch die berufliche Existenz bedroht oder zerstört wird. Dann sind und werden ökonomische Werte immer wichtiger. Aber auch andere Werte?

 

Ich denke an die Werte, die unsichtbar, aber wahrnehmbar sind. Wie bei einem Eisberg, dessen Spitze auf dem Meer zu sehen ist, können bei einem Menschen die Taten über der Wasseroberfläche beobachtet werden, jedoch nicht die  Menge seiner Werte, die sich unterhalb der Oberfläche befinden und den Eisberg  bzw. die Taten insgesamt prägen.

Allerdings sind solche Werte unterschiedlich deutbar, weil sie als „Container-Begriffe“  mit unterschiedlichen Interpretationen gefüllt werden können. Zum Beispiel kann ein Mensch unter dem Wert „Toleranz“ Gleichgültigkeit oder Beliebigkeit verstehen, ein anderer gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.

Werte sind auch unterschiedlich erlebbar, weil die Lebensbedingungen wie Familie, Schule, Freundeskreis, Ausbildung, Studium und Beruf sowie Medienkonsum immer ein wichtiges Wort mitzureden haben. Im Lotteriespiel des Lebens werden Menschen zu einer bestimmten Zeit in eine bestimmte Situation hineingeboren, die sie jedoch auch im Wechselspiel ein Leben lang mehr oder weniger immer mitbeeinflussen können.

Dass Werte auch unterschiedlich gestaltbar bleiben, zeigt das Beispiel des Wertes „Verantwortung“. Sehr schnell kann sich dieser in Sonntagsreden betonte Wert im Alltag wie Zucker im Tee auflösen, wenn es schwierig wird, die persönliche Verantwortung zu übernehmen.

Natürlich sind Werte zudem unterschiedlich konkretisierbar. Der Wert „Gesundheit“ beispielsweise kann als Norm „Gesund leben“ bedeuten, als Grundsatz „Gleicher Zugang aller zur Notversorgung“, als Regel „Schwere Notfälle zuerst“, im Kontext des Würdeversprechens des Grundgesetzes „Leben in Würde und Freiheit“.

Da Werte, die wandelbar sind und als Instrument von eigenen Interessen missbraucht werden können, benötigen sie als Gegenüber lebenslange Bildung, um urteils- und kritikfähig zu bleiben,

(Un-) Werte unterscheiden sowie sich selbst als Person in konkreten Situationen weiter entwickeln zu können.

 

In Schönwetterzeiten werden Werte häufig vergessen. In Sturmzeiten ökonomischer Herausforderungen werden jedoch folgende Werte und Tugenden immer wichtiger:

Klugheit und Weisheit, d.h. Vernunft- und Antizipationsfähigkeit (Vorwegnahme einer Möglichkeit).

Flexibilität und Kreativität, d.h. Improvisations- und Schaffensfähigkeit.

Resilienz und Solidarität, d.h. Widerstands- und Zusammenhaltfähigkeit.

Demut und Empathie, d.h. Fähigkeit zur Besonnenheit und zum Vertrauen.

Freundschaft und Liebe, d.h. Fähigkeit zur Hilfsbereitschaft in der Not

und zum Umgang mit dem Kompass der „Goldenen Regel“ (Mt 7,12).

 

Werte sind keine Königs- oder Zauberformeln. Aber ökonomische und geistige Werte gehören besonders in Krisenzeiten zusammen, weil sie untrennbare Geschwister eines neuen, glücklichen und gelingenden Lebens sind.

Und christliche Werte können sich in allen anderen lebensdienlichen Werten widerspiegeln.

 

Burkhard Budde


(veröffentlicht im Wolfenbütteler Schaufenster am 26.4.2020)


Schutz der Würde in Altenpflegeheimen

Leserbrief in der Braunschweiger Zeitung

 

Mit der Begründung „Es ist auch keine Katastrophe, am Ende eines langen Lebens an einer Infektion zu sterben.“ begeben sich die Vorstände der Dachstiftung Diakonie in ethisch gefährliches Fahrwasser. Auch mit der Aussage des Kommentators „Ja, das kann man sehr wohl (schreiben)“, weil Pflegeheime keine Raumkapseln seien, öffnet man gefährliche Schleusen: Ist das Missverständnis nicht vorprogrammiert, dass man es bei „hohem Alter“ und „schwachem Körper“ mit den Schutzmaßnahmen nicht so genau nehmen muss? Wer bestimmt dann wann und wie - nach welchen Kriterien - über wen? Vorstände, die es doch „so gut meinen“ mit den von ihnen „anvertrauten Menschen“, weil ihre „Empathie“ der „Psyche“ der Menschen in Pflegeheimen gilt? Wo bleibt die sonst hochgehaltene Selbstbestimmung, die Patientenverfügung? Engagieren sich Mitarbeiter von Heimen, die sich beispielhaft und vorbildlich um die Bewohner kümmern, „zu engagiert“ um die Sicherheit aller?

 

Wer kommt nach den Heimbewohnern? Welche Gruppe wird demnächst bewertet, auf- und ab-gewertet, vielleicht sogar wegen der „Fürsorge“ ins Abseits oder aufs Abstellgleis gesetzt? Das überzogene „Gruppen-Denken“ missachtet die individuelle Würde eines Menschen, die er nicht verliert – unabhängig von seinem Alter, seiner Krankheit, seiner Pflegebedürftigkeit, seiner körperlichen, geistigen, seelischen oder sozialen Einschränkungen. Die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen kennt keine Titel und Mittel, keinen Status und Geldbeutel, keine Herkunft und Leistung, keinen Gesundheitszustand, die ihn bevorzugen, wohl aber den Schutz seiner Würde sowie die notwendige Hilfe in jeder Situation.

 

Wer die biblische Geschichte vom Barmherzigen Samariter als ein Leitbild diakonischen Handelns wahr- und ernstnimmt, wird dies verstehen (lernen). Allerdings lernen manche Menschen erst, wenn sie selbst betroffen sind, wenn ihnen selbst das Wasser bis zum Halse steht - wie wichtig dann z.B. ein gut geführtes Altenpflegeheim ist, indem sie mit Hilfe von kompetenten und engagierten Mitarbeitern im Geist der empathischen Vernunft sicher und geborgen, ohne Angst vor Diskriminierung in Würde leben können. (Fast) jeder hat dann auch Verständnis, wenn in einer Not- und Ausnahmesituation Außenkontakte vorübergehend nicht oder nur kontrolliert und eingeschränkt möglich sind.

 

Burkhard Budde

 

Ungekürzter Leserbrief „Gefährliches ethisches Fahrwasser“ in der BZ am 18.April 2020 zum Kommentar zum Kommentar „Lasst den Kontakt zu!“ vom 17.April 2020. 


Spiritueller Impuls


Unsichtbare Freundschaft

 

Ein unsichtbarer Feind macht mächtig Angst.

 

Ich suche jetzt, sagt das Herz zum Kopf,

keinen Kumpel, der bei Gefahr einfach verschwindet,

keinen Kameraden, der den Kopf in den Sand steckt,

keinen Kollegen, der mich mit Sprüchen abspeist,

auch keinen Helden, der unvorsichtig und übermütig ist,

keinen Märtyrer, der andere und sich selbst opfert,

keinen Zauberer, der mir Sand in die Augen streut.

 

Wen suchst du dann? fragt der Kopf das Herz.

Ich sehne mich nach einem Freund,

der meine Hilferufe hört und erhört.

 

Da kenne ich einen alten Freund, erinnert sich der Kopf.

Der will nicht, dass man über ihn redet, sondern mit ihm.

Er ist in der Not Feind der Not

und Wegbegleiter durch die Not.

 

Mit dem möchte ich befreundet sein, flüstert das Herz.

Und bei diesem Wunsch spürt das Herz ein Wir-Gefühl.

Und der Mund spricht aus, was wie ein Stein auf dem Herzen liegt:

Gott, du bist der Freund des Lebens, schweige nicht wie ein Grab.

Sondern schenk mir Zuversicht, Kraft, vor allem Liebe,

die nur Neuanfänge in meiner Not kennt.

 

Herz und Kopf entdecken:

Der unsichtbare Freund beginnt,

den unsichtbaren Feind

mit empathischer Vernunft  zu vertreiben.

 

Burkhard Budde

 

(Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen am 18.4.2020)

 

Spiritual impulse

 

Invisible friendship

 

An invisible enemy is a powerful source of fear.

 

I search now, says the heart to the head,

not a buddy who just disappears when danger strikes,

not a comrade who buries his head in the sand,

I don't want to have a colleague who's gonna tell me what to do,

nor a hero who is careless and cocky,

not a martyr who sacrifices others and himself,

not a sorcerer to pull the wool over my eyes.

 

Who are you looking for then? the head asks the heart.

I long for a friend,

who hears and answers my cries for help.

 

I know an old friend, the head remembers.

He doesn't want people talking about him,

he wants people talking to him.

He's the enemy of misery in his time of need.

and companions through adversity.

 

I'd like to be friends with him, the heart whispers.

And with this wish the heart feels a sense of unity.

And the mouth speaks out what lies like a stone on the heart:

God, you are the friend of life, do not be silent like a grave.

But give me confidence, strength, above all love,

who only knows new beginnings in my misery.

 

To discover my heart and my head:

The invisible friend begins,

the invisible enemy

with empathic reason.

 

Burkhard Budde

  

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version) 


Leben auf dem Sprung

Hasen als Boten christlicher Botschaft

 

Im dekorierten Kreis,

im Werden und Vergehen ohne Anfang und Ende:

 

Ein Hase richtet sich auf und blickt zurück.

Wird er immer noch verfolgt und getrieben von Ängsten?

 

Ein anderer ruht sich aus und wartet ab.

Hat er immer noch Angst in der Krise vor einer neuen Krise?

 

Wieder einer löst sich vom Grund und setzt zum Sprung an.

Hat er die Angst überwunden?

Aber springt er ins Ungewisse oder in einen Abgrund?

 

Alle drei Hasen sind mit ihren Ohren untereinander verbunden.

Aber hören sie gemeinsam auf die Stimme des Lebens?

 

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;

ich habe dich bei deinem Namen gerufen;

du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

 

Das „Dreihasenfenster“,

wieder das Dreieck, gestaltet durch die Ohren der Hasen:

 

Die Botschaft aus der Vergangenheit soll

in der Gegenwart für die Zukunft gelten.

Weil „Gott-Vater“ alles Leben geschaffen,

„Gott-Sohn“ das Leben gerettet,

„Gott-Heiliger Geist“ das Leben erneuert hat.

Der dreieinigende Gott das Leben vollendet.

 

Aber hier springen alle Hasen.

Sollen alle stets auf der Hut,

stets zum Sprung bereit sein?

Aus der Finsternis ins Licht, aus den Ängsten ins Vertrauen,

aus dem Hochmut in die Demut, aus den Zweifeln ins Gewisse,

aus der Unvernunft in die Verantwortung, aus der Bosheit in die Liebe!

 

Burkhard Budde

 

Der „Hasenkreis“ stammt wohl von Georg und Ulrich Roediger

aus dem Jahr 1929;

das „Dreihasenfenster“ am Dom in Paderborn aus dem 16. Jahrhundert.


Frohe und gesegnete Ostern

 

Fest des neuen Lebens

 

Es gab viele krasse Stimmen und deftige Kommentare: „Alles dummes Geschwätz!“ „Alles wirres Zeug!“ „Alles inszenierter Betrug!“ „Alles fromme Täuschung!“ Und selbst engste Freunde fürchteten und entsetzten sich, flüchteten oder blieben zugeknöpft.


Die Botschaft vom auferstandenen Gekreuzigten war keine Wohlfühlbotschaft zum Kuscheln, sondern eine provozierende Zumutung. Jesus, der gefoltert und qualvoll gestorben war, konnte doch nicht einfach aus dem Reich des Todes zurückgekehrt sein?! Vielleicht war sein Leichnam gestohlen worden?!

 

Erst später – in der Begegnung mit dem Auferstandenen – fiel es den Anhängern Jesu wie Schuppen von den Augen. Und Steine der Angst, der Sprachlosigkeit, der Hilflosigkeit und der Sinnlosigkeit fielen von ihren Herzen: Gott hatte ein Machtwort gesprochen und Jesus auferweckt und neu „geschaffen“ – nicht als Gespenst, auch nicht als Wiederbelebter, sondern als der auferstandene Gekreuzigte.

 

„Wie das?!“ fragten sich schon sehr früh kritische Geister. Einer versuchte, mit Hilfe eines Vorganges aus der Natur das geheimnisvolle Unbegreifliche ein wenig begreiflicher und verständlicher zu machen: Das Weizenkorn stirbt, wenn es in die Erde gelegt wird; als Weizenhalm sieht es jedoch ganz anders aus. Und die Frucht des Weizens ist noch größer, schöner, reichlicher. Könnte es nicht – analog dazu - eine Kontinuität in der geschichtlichen Identität des gestorbenen und auferstandenen Jesus geben und zwar durch den Schöpfer – den „Sämann“ – , bei dem Jesus jetzt geborgen ist, wie das auch immer aussehen mag?!

 

Das diesjährige Osterfest als das älteste Fest der Christenheit will an diese Botschaft mit rationalen „Ecken und Kanten“ erinnern. Aber stößt die anstößige Botschaft nicht – wie zunächst damals – auf taube Ohren vieler? Ist die Überlieferung „Christus ist wahrhaftig auferstanden!“ - wenn sie denn überhaupt zur Kenntnis genommen wird - nicht „heiße Luft“, die die Augen aufgeklärter Zeitgefährten blendet, vor allem sie nicht (mehr) erreicht?

 

Und überhaupt: Gibt es angesichts der Corona-Krise nicht Wichtigeres zu bedenken und zu tun? Diese Krise macht deutlich, dass ein Leben ohne Kultur und soziale Kontakte ärmer wird – auch dunkler ohne das Licht des Glaubens. Das Leben wird jedoch reicher und heller, weil die göttliche Wahrheit eine vertrauensvolle Beziehungswahrheit ist, die - wie die Würde oder Liebe - zwar wissenschaftlich nicht bewiesen werden kann, aber als Geschenk persönlich erfahrbar ist. Wenn beispielsweise einer vor dem Nichts seiner enttäuschten Hoffnungen steht, dann kann Ostern als ein Fest der neuen göttlichen Wahrheit eine Wende bringen: Dennoch zu vertrauen und zu hoffen gegen die Angst und Aussichtslosigkeit. Dass der Tod mitten im Leben mächtig, aber das Leben selbst mächtiger ist.

 

Die göttliche Wahrheit ist ein unbegrenzter Schatz an Gewissheiten des Herzens und des Kopfes. Noch heute gibt es österliche Wunder, wenn aus diesem Schatz vertrauensvoll geschöpft wird: Aus der biblischen Erinnerung an die Auferstehung Jesu wird dann eine persönliche Begegnung mit dem Geist Christi, die Menschen berührt, neu- und frohmacht sowie bewegt - zum neuen Leben im Glauben, der durch Krisen trägt, in Hoffnung, die in Krisen beflügelt und in Liebe, die Krisen schöpferisch bewältigt.

Burkhard Budde

 

(Veröffentlicht im Wolfenbütteler Schaufenster am 12.4.2020)


Der Powerhase

 

Wer wagt den Sprung?

 Der Hase, der hin und her hoppelt?

Der possierlich und putzig ist?

Der aus dem Hut gezaubert wird?

Der festlich dekoriert im Schaufenster steht?

Und gut schmeckt?

 

Der Hase, der im tiefen Tal seiner Angst sitzt?

Der in der engen Grube seiner Einsamkeit hockt?

Der im Pfeffer liegt?

Der es faustdick hinter den Ohren hat?

Und den Schalk im Nacken?

 

Wer wagt den Sprung?

 Vielleicht der „Feldhase“ von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1502?

Seine übergroßen Löffel sind selbstbewusst aufgestellt.

Seine auffallenden Vorderläufe zeigen überlange Krallen.

Seine überlangen Schnurbarthaare sind in alle Richtungen ausgerichtet.

Sein Brustfell erscheint in einem anderen Licht

als seine Ohren, Hinterläufe, Flanken.

 

Seine kritischen Augen suchen die Augen des Betrachters.

Und dessen Ohren:

Sei kritisch – versuch im Zwielicht Klarheit zu gewinnen.

Sei klug – schlag einen Haken, wenn es sein muss.

Sei weise – denk an die Zukunft, wenn es jetzt ums Überleben geht.

Sei voller Energie – damit der Sprung ins Leben gelingt.

Und bleib achtsam,

damit du den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst.

 

Burkhard Budde

 

The Power Phase

 

Who dares the plunge?

 

The rabbit that hops back and forth?

The cute, cute bunny?

That is conjured out of a hat?

Who stands festively decorated in the shop window?

And tastes good?

 

The rabbit sitting in the deep valley of his fear?

Who squats in the narrow pit of his loneliness?

Who lies in the pepper?

Who is as thick as a fist behind his ears?

And the mischief in his neck?

 

Who dares the plunge?

 

Perhaps Albrecht Dürer's "Hare" from 1502?

His oversized spoons are confidently positioned.

His striking front legs show overlong claws.

His overlong whiskers are oriented in all directions.

His pleura appears in a different light

than his ears, hind legs, flanks.

 

His critical eyes seek the eyes of the beholder.

And his ears:

Be critical - try to find clarity in the twilight.

Be prudent - strike a hook if you have to.

Be wise - think of the future when it comes to survival now.

Be full of energy - so that the leap into life is successful.

And remain mindful,

so you don't miss the right time.

 

Burkhard Budde

  

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version) 


Spiritueller Impuls


Fester Faden im Netz

 

In den Ohren so mancher ist

der Ruf nur „fromme Täuschung“.

In ihren Augen spiegelt sich

nur das Netz ihrer Erfolge wider.

In ihre Nasen kriecht

das süße Gift des Hochmutes.

In ihrem Mund oszillieren

Selbstlob und Selbstkritik.

 

Doch ihre Hände fangen an zu zittern,

als ein unheimlich unbekannter Feind

den seidenen Faden ihres Lebens bedroht.

Doch ihr Kopf kann frei zum Denken werden:

Ist es möglich, dass ein Leben zerstört wird,

damit im alten neues Leben entsteht?

 

Und der Ruf verschafft sich Gehör:

„Der Herr ist auferstanden,

er ist wahrhaftig auferstanden“.

Und feiert im schwankenden Netz

den reißfesten Faden nach oben

auf dem Weg ins Leben –

in Würde und Freiheit.

 

Burkhard Budde


(veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 10.4.2020)


Spiritual impulse

Fixed thread in the net

In the ears of many a man
the cry is only "pious deception."
In their eyes is reflected
only reflects the web of their success.
Crawling up their noses
the sweet poison of pride.
Oscillating in her mouth
self-praise and self-criticism.

But her hands start to tremble,
as an eerily unknown enemy
the silken thread of their lives.
But her head can become free to think:
Is it possible for a life to be destroyed
so that new life can be created in the old one?

And the call makes itself heard:
"The Lord is risen,
he is risen indeed".
And celebrates in the wavering net
the tearproof thread upwards
on the road to life -
in dignity and freedom.

Burkhard Budde

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Spiritueller Impuls zum Karfreitag


Sieben Kreuz-Perspektiven

Überlieferte Worte Jesu am Kreuz

 

 „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

(Lukas 23,34)

Erste Perspektive:

Neuanfang durch Gott?!

Eine Seele ist gekränkt. Den Unwissenden vergeben?

Gott selbst soll auch den unwissenden Tätern Neuanfänge ermöglichen,

weil Gott das letzte Wort hat und seine Liebe nur Neuanfänge kennt.

 

„Amen, ich sage dir. Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

(Lukas 23,43)

Zweite Perspektive:

Neues Leben durch Christusvertrauen?!

Eine Seele ist betrübt. Der Stimme Jesu vertrauen?

Gott selbst verspricht durch diese Stimme neues Leben im Tod,

weil das Urbild seinem Abbild Glückseligkeit schenkt.

 

„Frau, siehe, dein Sohn!...Siehe, deine Mutter!“

(Johannes 19,26 f.)

Dritte Perspektive:

Neue Gemeinschaft durch den Geist Christi?!

Eine Seele sehnt sich nach Gemeinschaft. Die Hinweise Jesu ernstnehmen?

Gott selbst stiftet eine Gemeinschaft im Glauben an Jesus Christus,

weil alle Kinder Gottes sind und persönliche Verantwortung vor Gott tragen.

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ 

(Markus 15,34 und Matthäus 27,46)

Vierte Perspektive:

Neue Bewegung durch Hinwendung zu Gott?!

Eine Seele ist verzweifelt. Geht der Schrei Jesu ins Leere?

Gott selbst bleibt der Adressat der Fragen nach dem Warum,

weil der letzte Sinngeber den versteckten Sinn in aller Sinnlosigkeit kennt.

 

„Mich dürstet.“

(Johannes 19,28)

Fünfte Perspektive:

Neue Menschlichkeit durch Menschlichkeit?!

Eine Seele sehnt sich nach Leben. Wird die Sehnsucht gestillt?

Gott selbst ist Mensch geworden, damit Menschen menschlich bleiben

und ein Leben vor Gott und dem Nächsten in aller Menschlichkeit gelingt.

 

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ 

(Lukas 23,46)

Sechste Perspektive:

Neues Grundvertrauen durch Gottvertrauen?!

Eine Seele sehnt sich nach Halt. Hält die Hand Gottes ihr Versprechen?

Gott selbst ist die offene Hand schöpferischen Lebens,

in der ein Mensch sich stets geborgen, gehalten, geführt, erneuert und vollendet weiß.

 

„Es ist vollbracht.“

(Johannes 19,30)

Siebte Perspektive:

Neue Gewissheit durch Christus- und Gottvertrauen?!

Eine Seele hat gekämpft. Hat sie auch gesiegt?

Gott selbst schenkt den Sieg über den Tod durch die Gewissheit,

dass am sichtbaren Ende ein unsichtbarer Neuanfang geschieht,

weil Christus gestorben und auferstanden ist.

 

Burkhard Budde

 

Das Foto zeigt den Christus-Kopf von Gerd Winner aus Liebenburg nach einem Entwurf seiner im Jahr 1989 tödlich verunglückten Frau Ingemar Reuter.

Das Kunstwerk hängt über meinem Schreibtisch in Bad Harzburg.


Spielen Menschen gerade Gott?

Leserbrief zum Leserbrief

 

Eine Leserin der Goslarschen Zeitung schrieb am 7. April 2020 am Ende ihres Leserbriefes zur Corona-Berichterstattung: „Gerade wollen Menschen Gott spielen und kämpfen einen Kampf, den sie nicht gewinnen können. Warum?“ Ein befreundetes Ehepaar aus Bad Harzburg machte mich auf diesen Artikel aufmerksam. Da mich das Thema bewegt – die Überschrift des Leserbriefes lautete „Menschen wollen gerade Gott spielen“- , habe ich am gleichen Tag einen Leserbrief zum Leserbrief geschrieben:

 

„Wer „gerade“ Menschenleben schützen und retten will, spielt nicht Gott, sondern nimmt seine Verantwortung im „Bewusstsein vor Gott und den Menschen“ (Grundgesetz), der Mitwelt und der Nachwelt wahr. Der „Kampf“ wird dankens- und anerkennenswerterweise geführt, das Nötige nach bestem Wissen und Gewissen im Rahmen des Möglichen getan.

 

„Warum?“ Damit keiner in Deutschland  „Herr über Leben und Tod“ wird, Leben – nach welchen fachlichen Kriterien von wem legitimiert? - be- oder abwerten, auswählen, selektieren oder priorisieren muss. Die Würde aller Menschen ist unantastbar. Der Schutz der Würde aller Mensch muss gleich sein – auch der im Blick auf die alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen sowie der der Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Beeinträchtigungen. Keiner darf diskriminiert werden. Und Leben ist nicht gegen Leben aufzurechnen.

 

Leider kann es bei akuter Knappheit der Ressourcen , die es allerdings mit allen Mitteln zu verhindern gilt, in der konkreten Praxis zu tragischen Entscheidungen kommen, da z.B. kein Arzt in der Lage ist, das Unmögliche möglich zu machen. Wenn dieser konkrete, aber faire Kampf nicht gewonnen werden kann, nur eine  „entschuldigende Nachsicht der Rechtsordnung“ bleibt, gibt es doch grundsätzlich weiterhin die notwendige Mitverantwortung aller, neue Wege zu einem Leben nicht zu jedem Preis - ein allgemeines Lebensrisiko bleibt ohnehin und sterblich sind wir alle -, aber in Würde, Freiheit und Solidarität zu ebnen. Und diesen Kampf mit neuer und erneuerter Menschlichkeit kann man nur gemeinsam gewinnen“.

 

Burkhard Budde


Auf ein Wort

 

Neues Vertrauen wagen

 

„Warum habt ihr kein Vertrauen?“ sollen Menschen gefragt worden sein, als sie gerade keinen Sonntagsspaziergang machten, sondern übermächtige und bedrohliche Ängste erlebten.

 

War das eine frömmlerische Frage? Sollten die Menschen einfältig und naiv werden, einfach abwarten und ihre Hände in den Schoss legen? Dann gäbe es jetzt einen Grund, nicht weiter zu lesen und sich keine weiteren Gedanken zum Thema Vertrauen zu machen.

 

Oder war das eine provozierende Frage?

Weil Menschen nicht vor lauter Angst erstarren und wie das Kaninchen auf die Schlange schauen sollten?

Weil sie auch nicht wie Don Quichotte vergeblich gegen Windmühlen kämpfen sollten, um als tragische Figuren zu enden?

Weil sie nicht erbost und cholerisch wie Rumpelstilzchen auf der Stelle treten sollten, wenn es keine einfachen Erklärungen gibt und ein Passwort für eine Lösung nicht schnell gefunden werden kann?

Weil sie nicht einfach behaupten sollten, alles sei übertrieben oder gar eine Verschwörung, weil sie wie ein Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, um die drohende Gefahr ignorieren zu können?

 

Also dann nicht das Bett über den Kopf ziehen und weiterschlafen?!

 

Es bleibt eine notwendige Frage, die wachrüttelt, weil sie die Not wenden will. Im Tal der Tränen zum Beispiel, indem es nichts mehr zu lachen gibt. Im Nebel der Sinnlosigkeit, indem schöne Wörter verschwinden. Im Sumpf der Ohnmacht, aus dem keiner sich alleine herausziehen kann. Im Irrgarten der Selbstsucht, in dem man sich immer nur im Kreise dreht und am Ende erschöpft am Boden liegt. Am Abgrund des Seins, wenn Schwindelgefühle das Leben selbst bedrohen.

 

Dann kann es lebenswichtig werden, neues Vertrauen zu wagen. Diese Mischung aus Wissen und Nichtwissen ist kein jugendlicher Leichtsinn, auch kein trübes Licht am Ende eines Tunnels. Wohl aber ein hoffnungsvolles Licht mitten in den Ängsten des Lebens, das die Furcht vertreibt und Kraft zum Weiterleben gibt. Keiner kann diesen Blick in die Tiefe des Lebens einfach herstellen, herbeilächeln oder herbeireden. Jeder kann jedoch begründetes Vertrauen erfahren – zum Beispiel durch glaubwürdige, empathische, kompetente sowie engagierte Ärzte, Schwestern, Fachleute und Politiker, durch vertrauenswürdige Institutionen und Systeme - auch wenn Vertrauen stets ein Wagnis bleibt.


 

Derjenige, der - wie zu Beginn des Artikels berichtet - die Vertrauensfrage stellte, hatte selbst Angst, brachte aber nicht nur Gott ins Gespräch, sondern sprach auch mit ihm. Am Kreuz schrie er: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!“ Er bekam zwar keine Antwort, keine Erklärungen. Aber ihm wurde Gott- und Grundvertrauen geschenkt: „Meinen Geist befehle ich in deine Hände.“

 

Auch heute noch wissen viele, dass die Absurdität des Lebens nicht ohne Vertrauen auszuhalten ist. Dass ein Gespräch mit Gott den Beter selbst verändert, weil Gott in ihm sein Herz berührt. Viele erleben dabei, dass die Hoffnung auf diesen Immanuel (=“Gott mit uns“) - auf den mitleidenden, selbstleidenden und schöpferischen Vater Jesu - das Herz heller macht und von belastenden Steinen befreit. Und schöpferische Energie schenkt, sein Leben in Liebe, Vernunft und Verantwortung bei allen bleibenden Ängsten und Enttäuschungen in die eigenen Hände zu nehmen.                                                           

 

Burkhard Budde

( veröffentlicht im Wolfenbütteler Schaufenster am 5.4.2020)


Spiritueller Impuls

 

Vertrauen am Abgrund

 

Die Angst im Nacken.

Strohhalme geben keinen Halt,

Seifenblasen keine Orientierung,

Moralkeulen keine Kraft.

 

Der Abgrund starrt mich an.

Dass aus Gesundheit Krankheit wird, aus Wohlstand Armut,

aus Einschränkung Zwang, aus Kontrolle Fremdbestimmung,

aus Distanz Kälte, aus Nähe Gewalt, aus Angst Panik.

 

Soll ich die Augen verschließen?

„Liebe“ Gewohnheiten verliebt einfach beibehalten?

Mich vor dem Abgrund in meine alte Welt flüchten?

 

Muss ich kopflos werden?

Die Nerven verlieren, weil sie blank liegen und nerven?

Versuchen, über den gefährlichen Abgrund zu springen?

 

Auf der Stelle treten?

Weil ich die Kontrolle über mein Leben zu verlieren scheine?

Am Abgrund hocken bleiben und einfach losheulen?

 

Doch kann ich mich nicht auch

- hin- und hergerissen zwischen Traum und Albtraum -

auf neuem Grund bewegen?!

 

Auf dem „Weg, die Wahrheit und das Leben“.

Und entdecke zuversichtlich Trittsicherheit.

Die schöpferische Quelle in mir und um mich herum.

Das seelische Fundament unter meinen Füßen.

Die soziale Brücke über den Abgrund meiner Ängste.

Den Gott, der selbst gelitten hat, mitleidet, mich neu- und frohmacht.

 

Doch am Abgrund und im Nacken bleibt die Angst

mit ihren Gesichtern und Fratzen.

Aber auf neuen Wegen kluger und demütiger Köpfe

auch das Vertrauen im Herzen auf neues Leben.

 

Burkhard Budde


(veröffentlicht am 4. April 2020 im Westfalen- Blatt in Ostwestfalen)


Wait a minute/ Spiritual impulse

Trust on the brink

The fear in the neck.
Straws won't hold,
Soap bubbles no orientation,
Moral clubs no power.

The abyss stares at me.
That health becomes sickness, prosperity becomes poverty,
from restriction compulsion, from control heteronomy,
from a distance cold, from close up violence, from fear panic.

Should I close my eyes?
Keep "love" habits in love?
Escape from the abyss into my old world?

Must I lose my head?
Lose my nerves because they are bare and annoying?
Try to jump over the dangerous precipice?

Treading in place?
Because I seem to be losing control of my life?
Sit on the edge of the abyss and just start crying?

But can't I also
-torn between dream and nightmare -
move to new ground?!

On the "way, the truth and the life"
And discover confidently surefootedness.
The creative source within me and around me.
The spiritual foundation under my feet.
The social bridge over the abyss of my fears.
The God who himself suffered, pitied, made me new and happy.

But at the abyss and in the neck the fear remains
with their faces and grimaces.
But in new ways of smart and humble minds
also the confidence in the heart for new life.

Burkhard Budde


Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Im Angesicht eines Feindes,

den man nicht sieht:

 

Die Sehnsucht nach einem Leben in Würde und Freiheit wächst, auch nach Normalität und neuer Gemeinschaft.

 


Zwei Bücher mit kurzen Texten sollen Mut machen,

aktuell Bleibendes im Leben,

Verstecktes und Vergessenes,

Verkanntes und Verdrängtes,

Vergebenes und Versöhntes

zu entdecken:

„Annis Welt“ und „Erkennen, anerkennen, bekennen“.

 

Wer neugierig auf neues Leben ist,

findet Bekanntes und Unbekanntes im neuen Licht.

 

Die Bücher können in jeder Buchhandlung

sowie im Internet im BOD Buchshop,

bei Amazon, Thalia, Lovelybooks u.a. bestellt werden.

 

Über eine Weiterempfehlung würde ich mich sehr freuen.

 

Herzliche Grüße; bleib(t) gesund und behütet

Ihr/Euer

Burkhard Budde

 

PS: Von den 53 Texten in „Annis Welt“ sind zehn Texte, die Aussagen biblischer „Klassiker“ wie „Vom Barmherzigen Samariter“, „Vom Verlorenen Sohn“, die „Zehn Gebote“, die „Goldene Regel“ in die moderne Zeit übertragen.

 

Burkhard Budde. Annis Welt.

53 Texte, Aphorismen, Essays, Denkanstöße, biblische Meditationen.

148 Seiten. 12X19cm. 9,99 EUR.

Books on Demand Verlag (Bod)

ISBN: 978-3-734-7967-84.

 

Burkhard Budde. Erkennen, anerkennen, bekennen.

45 Texte, Aphorismen, Essays, Denkanstöße, biblische Meditationen.

108 Seiten. 12X19cm. 6,90 EUR.

Books on Demand Verlag (Bod)

ISBN: 978-3-744-8853-79


Essay

 

Kein Heiliger, aber Alltagsheld

 

Großmutter im Gespräch mit ihrem Enkelsohn: Sie war stolz auf „ihren Polizisten“. Aber manchmal machte sie sich auch Sorgen: „Spiel nur keinen Helden“, sagte sie dann. Und meinte wohl, er solle vorsichtig und vernünftig sein, überlegt handeln, nichts übertreiben oder übermütig werden, vor allem nicht im Alleingang „die Kohlen aus dem Feuer“ holen wollen.


Großmutter, eine gebildete Frau, hielt nichts von einer Helden- und Opferrhetorik, die schnell missbraucht werden könne. Sie hatte schlechte Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus gesammelt, der den „Heldentod“ propagierte, den man als „Selbstopfer“ auf dem „Altar des Vaterlandes“ darzubringen habe.


Ein „Vorbild gelebten Glaubens“ war für sie der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der gegen die Nationalsozialisten Widerstand geleistet hatte und deshalb im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945 hingerichtet wurde. Für Großmutter war er zwar kein „heiliger Märtyrer“, den man heute noch anrufen und der zwischen Gott und Menschen vermitteln kann, auch nicht der „evangelische Papst“. Aber Bonhoeffer erschien ihr als ein „protestantisches Vorbild“, an den sich jeder im Leiden erinnern könne.


Nicht selten zitierte sie dann die bekannte Strophe des geistlichen Gedichtes des Widerstandskämpfers, den letzten von ihm erhaltenen theologischen Text vor seiner Hinrichtung: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ihr Enkel verspürte, welche Botschaft Großmutter mit diesen Worten vermitteln wollte: Die „letzte Geborgenheit“, die Gott im Leiden schenke, könne selbst in der Ohnmacht mächtig wirken, zuversichtlich und gewiss machen, dass Gott im Leiden gegenwärtig sei. Und tröste.



Manchmal tauchten dann bei dem Enkelsohn ein Bild von früher auf: Er sah die Spinne, die sich von oben herab an einem zentralen Faden nach unten fallen ließ, emsig und umtriebig weitere Fäden zu Ästen und Gräsern zog, um ein starkes und dichtes Netz zu knüpfen, mit dem sie viel Fressbares fangen konnte. Die fleißige Spinne hatte Glück und konnte in guter Lage ein beziehungs- und erfolgreiches „Lebenswerk“ aufbauen.


Eines Tages fragte sich die Spinne, die sehr selbstzufrieden auf ihre Leistungen blickte: Ist dieser Faden, der nach oben führt, überhaupt noch nötig, eigentlich überflüssig, vielleicht sogar lästig? Sollte ich ihn nicht entfernen, abbeißen oder etwas dekorieren und dann weiterhin ignorieren?


Als jedoch ein unsichtbarer und unheimlicher Sturm anfing zu toben, die Spinne in ihrem Netz heftig hin- und her schüttelte und sie eine Zitterpartie mit ihrer Beute erlebte, wurde der Spinne der zentrale Faden erneut wichtig: Ohne ihn hätte sie keinen Halt, könnte sie kein Leben in Würde und Freiheit führen. Ohne ihn gäbe es nur noch Zerbrechlichkeit und Sterben, kein wirklich schöpferisches Leben. Ohne den „seidenen Faden“ könnte keiner auf Dauer leben, auch die nicht, die fieberhaft selbstsüchtig und überheblich sind, weil sie glauben, selbst der „Knotenpunkt allen Daseins“ zu sein.


„Außergewöhnlich“, dachte der Polizist bei dieser Geschichte, der sich eigentlich mit allen Herausforderungen bequem in der Jetztzeitkultur eingerichtete hatte. Aber er ließ sich von dieser Geschichte immer wieder neu bewegen, sich Gelassenheit und Grundvertrauen schenken zu lassen, um im Hier und Jetzt ein vielfältiges Netzwerk zu knüpfen, das ihn und andere trägt, Halt gibt und allen hilft, wenn Not gewendet werden soll.


Großmutter schien wohl Recht zu haben: Er muss kein Heiliger, Märtyrer, Moralapostel, Zauberer oder Glaubensheld werden. Er bleibt wie alle anderen „Spinnen“ vergänglich, zerbrechlich und fehlerhaft. Und in seiner Rolle ersetzbar. Aber er kann sein Leben und seinen Beruf besonders wahr- und ernstnehmen, im Möglichen das Nötige tun. Weil er um den „Faden nach oben“ weiß, der ihm seine persönliche Verantwortung, ja das Leben ermöglicht.


Und für Großmutter ist ihr Enkelsohn kein Held mit selbstzerstörerischer Opferhaltung, wohl aber ein „Alltagsheld“, der einem Leben in Würde und Freiheit mit Kopf und Herz dient.           


Burkhard Budde


Würde aller Menschen

 


Leserbrief in der WELT am 31.März 2020

zum Kommentar von Chefredakteur Dr. Ulf Poschardt

„Wer nicht mitmacht“ (DW vom 20.März 2020)

 

Kein Freibrief, sondern Adelsbrief

Freiheit in einer offenen Gesellschaft bedeutet in der Tat keinen gedanken- und hemmungslosen Ego-Trip zulasten anderer Menschen. Grundlage der Freiheit der Person ist kein unverbesserlicher Freibrief ohne Werte, Normen und Regeln, sondern der universelle Adelsbrief der unantastbaren Würde aller Menschen. Die unverlierbare Würde stellt zugleich auch die Grenze der Freiheit von einzelnen Personen dar, wenn die Freiheit, das Leben oder die Würde anderer gefährdet ist.


Weder Nachwächterstaat noch Polizeistaat

Freiheit ohne die Bindung an die Würde wird halt- und maßlos. Freiheit in der Bindung an die Würde hat gute Gründe, sich für die Würde aller einzusetzen, gerade für die Schwächeren in einer Krise: Damit jenseits eines Nachtwächterstaates und eines Polizeistaates ein gesellschaftliches Miteinander und eine Füreinander nachhaltig gelingt, die Corona- Krise als einzigartige und hoffentlich zeitlich begrenzte Herausforderung im Rahmen eines führungsstarken demokratischen Rechtsstaates gemeinsam bewältigt werden kann.

 

Burkhard Budde


Beim Betrachten der Sanduhr

 

In F.A.Z. und WFS

 

Über das Echo auf meinen Artikel „Beim Betrachten der Sanduhr“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) vom 21. März 2020 habe ich mich sehr gefreut. Morgen, am 29. März 2020, erscheinen die Überlegungen auch im Wolfenbütteler Schaufenster (WFS) in der Rubrik „Auf ein Wort“.

 

Eine Auswahl der bisherigen „Rückmeldungen“:

 

Ein Leser aus Bonn schrieb u.a.:

„Ich möchte ergänzend auf Paulus hinweisen „Haben, als hätte man nicht“ (1.Korintgerbrief 7,29ff)…Durch das Distanzbewusstsein öffnet sich ein Raum für mehr Gelassenheit oder auch so: Offen für den Himmel, gelassen gegenüber den Dingen.“

 

Ein Arzt und eine Religionslehrerin aus Bochum in einer gemeinsamen E-Mail.:

„Eine Fackel in dunkler Nacht, die Mut macht.“

 

Ein Leser aus Berlin:

„Ein Highlight. Ich habe den als Foto breit verteilt.“

 

Ein Leser aus Spenge:

„Die Worte zum Thema Lebenszeit haben mich sehr berührt.“

 

Eine Leserin in einer E-Mail ohne Absender, aber mit Namensnennung:

„Den Beitrag schnitt ich aus, um ihn zu kopieren und an Freunde zu versenden.“

 

Ein Leser aus Braunschweig:

„Vielen Dank für den äußerst lesenswerten Beitrag in der F.A.Z.“

 

Eine Kommunalpolitikerin aus Braunschweig:

„Glückwunsch zu Deinem Artikel in der FAZ, der die Stimmung in uns allen sehr gut trifft“.

 

Ein Mann aus Zeven:

„In diesen schwierigen Zeiten ist mir diese Orientierung wertvoll“.

 

Ein Freund aus Braunschweig am frühen Morgen:

„Ich gratuliere zu Deinem heutigen Leserbrief in der FAZ“.

 

Ein Arzt aus Aachen:

„Sie haben nicht zuletzt einen hoffnungsvollen, Trost schaffenden Ausblick gewährt“.

 

Ich danke allen für die Ermutigung, kreativ zu bleiben, für das gemeinsame Mitdenken und die unsichtbare Gemeinschaft - auch den Freunden, die den Artikel per E-Mail-Verteiler weitergeleitet haben sowie denen, die telefonisch oder bei Facebook reagierten.

 

Burkhard Budde


 

Spiritueller Impuls


„Licht im Tunnel“

 

Händeschütteln? Nein, danke! Das wäre unvernünftig.

Händchenhalten? Auf keinen Fall! Höchstens in den eigenen vier Wänden.

Umarmungen? Das wäre schön, weil ich mich nach dir sehne.

 

Aber vielleicht gibt es nichts im Nichts?!

Ich verspüre die Faust in meiner Tasche.

Und mein Zeigefinger mahnt mich vor meinem inneren Auge.

Meine Gedanken schütteln sich.

Mir wird schwindelig.

 

Dennoch dürstet meine Seele nach einer Hand, die mich berührt.

Die mich hält, wenn ich in den Abgrund meiner Ängste falle.

Die mich tröstet, wenn mich meine Sorgen verfolgen.

Die mich aufrichtet, wenn ich verzweifelt am Boden liege.

Die mich führt, wenn ich mich im Nebel meiner Gefühle verlaufen habe.

 


Doch meine Hand ist gefüllt mit Täuschungen und Enttäuschungen.

Mit mächtigen Vorurteilen und ohnmächtigen Erfahrungen.

Ich muss sie erst mutig entleeren und wagen loszulassen.

Und alles, was mich bedrückt, bedrängt, bedroht,

in eine unsichtbare Hand voller Vertrauen mit vollem Risiko legen.

 

Um dann diese unsichtbare Hand ergreifen, um begreifen

und bekennen zu können:

Meine Hand lege ich in deine Hand, mein Gott.

Du hast mich geschaffen. Du kennst mich.

Du wirst mich auch befreien.

Vor allem meiner Seele Licht im Tunnel schenken.

Mich umarmen.

Und mich bewegen, weil ich bewegt bin.

 

Burkhard Budde

 

(veröffentlicht am 28.3.2020 im Westfalen-Blatt)


Momentary/spiritual impulse

"Light in the tunnel"

Shake hands? No, thanks! That would be unreasonable.
Holding hands? Absolutely not! Not unless you're in the house.
Hugs? That would be nice, because I long for you.

But maybe there's nothing in nothing?!
I feel the fist in my pocket.
And my index finger is admonishing me before my inner eye.
My thoughts shake.
I feel dizzy.

Yet my soul thirsts for a hand to touch me.
...to hold me as I fall into the abyss of my fears.
That comforts me when my worries haunt me.
...that lifts me up when I am lying on the ground in despair.
Who guides me when I am lost in the mist of my emotions.

But my hand is filled with deceptions and disappointments.
With powerful prejudices and powerless experiences.
I must first courageously empty them and dare to let go.
And everything that oppresses, oppresses, threatens me,
into an invisible hand of trust at full risk.

Then to grasp that invisible hand, to understand
and to be able to confess:
I commit my hand to your hand, my God.
You created me. You know me.
You will also set me free.
Above all, you will give my soul light in the tunnel.
Embrace me.
And move me because I am moved.

Burkhard Budde


Kommentar

 

Gesundheit das zerbrechlichste Gut

 

Beim Thema „Gesundheit“ hört für viele Menschen der Spaß auf. Das hat gute Gründe: Es geht alle etwas an, weil jeder – auch ein eitler Satiriker mit einer robusten Gesundheit - plötzlich und unverschuldet krank werden kann. Und auf Kosten kranker Menschen Späßchen zu machen, ist takt- und geschmacklos. Dann ist Schluss mit lustig.

 

Beim Thema „Gesundheit“ beginnt für viele Menschen die Bewährungs-probe der Menschlichkeit. Ein kompetenter Arzt eines Krankenhauses beispielsweise soll nicht nur am kranken Organ eines Patienten interessiert sein, sondern am ganzen Menschen; eine kompetente Krankenschwester nicht nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern – wie der Arzt - ebenfalls und gleichzeitig freundlich, höflich, hilfsbereit, vor allem empathisch sein. Das gilt auch für Verwaltungs-mitarbeiter oder Mitarbeiter des hauswirtschaftlichen und technischen Dienstes. Und es gibt sogar besondere Erwartungen an die Geschäftsführung: Keine Erlösmaximierung sowie keine Kostenminimierung um jeden Preis, damit die Menschlichkeit nicht unter die Räder gerät.

 

In der Corona-Krise zeigt sich jedoch, dass idealistische Erwartungen grundsätzlich zwar nicht unwichtig, aber doch „zweitrangig“ werden können. Hauptsache, ein kranker und hilfloser Mensch kann überhaupt medizinisch und pflegerisch so versorgt werden, dass ihm in seiner konkreten Situation geholfen wird. Und dennoch zeigen viele Ärzte, Schwestern, Pfleger und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen trotz eigener Gefährdung wie selbstverständlich glaubwürdige Menschlichkeit - bis zur persönlichen Schmerzgrenze. Sie haben wegen ihres Dienstes am Menschen und für den Menschen gleichsam mit Kopf, Herz und Hand gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung verdient.

 

Vor der Corona-Krise wurden „Halbgötter in Weiß“ angebetet. Von „Wallfahrten zum Spezialisten“ und von Krankhäusern als „Kathedralen des Zeitgeistes“ war manchmal die Rede. Und zu Recht haben Insider des Gesundheitswesen auf die Gefahren eines Spardiktates auf Kosten der medizinischen und pflegerischen Qualität durch „Rationierung“, „Risikoselektion“ und „Rosinenpickerei“ hingewiesen. Und vor einer Überbürokratisierung und einem einseitigen „Kosten-Nutzen-Effizienz-Denken“ durch die Hintertür mit Gesetzen, Verordnungen und Kennzahlen gewarnt. Manche haben auch gefragt: Kann man sich Menschlichkeit nur leisten, wenn sie nichts kostet oder wenn sie finanziert wird? Und wenn im „Schaufenster“ steht „Der Mensch im Mittelpunkt“, sollte dann nicht auch im „Laden“ der Mensch und nicht allein das Budget Maßstab des Handelns sein?

 

In der Krise und durch die Krise wird immer deutlicher: „Gesundheit“ als das zerbrechlichste Gut, das es gibt, braucht auch nach der Krise mehr Geld für die Infrastruktur und das Personal, vor allem gleichzeitig stets Menschlichkeit. Denn ohne die Sehnsucht nach Menschlichkeit und Solidarität wird kein modernes Schiff für das unberechenbare Meer des Gesundheitswesens erfolgreich (aus-)gebaut.


„Politik“ als Steuermann mit bleibender Gesamtverantwortung für diese lebenswichtige und lebensdienliche Daseinsvorsorge muss jedoch auch wirklich steuern, darf die Kommandobrücke nach der Krise nicht verlassen: Zum Beispiel müssen Krankenhäuser gezielt und nachhaltig modernisiert, Kapazitäten als Überschusskapazitäten erweitert, Forschung und Entwicklung gestärkt und mehr digitale Lösungen wie Tele-Medizin genutzt werden. Damit auch die Versorgung der schwächsten Glieder der Gesellschaft gesichert werden kann.

 

Dann hätte der unsichtbare und brutale Feind Corona, der bereits Menschen getötet und Existenzen vernichtet hat sowie die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Grundlagen der Gesellschaft bedroht, viele Menschen auch respektvoller und demütiger gemacht, vor allem verantwortungsvoller und weitsichtiger.

 

Und wichtig würde nicht nur der Abschiedsgruß „Bleib gesund. Pass auf dich auf.“, sondern auch eine vorausschauende Politik, damit ein partnerschaftliches Miteinander und solidarisches Füreinander auch zukünftig gelingt. Und „Gesundheit“ würde weder zur Religion noch zur Nebensache, sondern zur Voraussetzung erfahrbarer Menschlichkeit – zur Einheit von Wohl und Heil.                                                                                                                   Burkhard Budde


Entdeckungen in einer leeren Stadt

Eine Lehre aus der Leere:

Es gibt auch Kontakte ohne Kontakte.

Und stumme Sinngebung steckt im sprechenden Detail. B.B.


Beim Betrachten der Sanduhr


Ich bin dankbar, dass die F.A.Z. in der heutigen Ausgabe meinen Artikel (s.u. Auf ein Wort - Corona-Krise: Kostbare Lebenszeit) abgedruckt hat. Ein Angebot an die Leser, sich in schöpferischer Stille auch von einem spirituellen sowie rationalen Impuls mit eigenem Kopf und eigenem Herzen bewegen zu lassen. Allen ein besinnliches, vor allem gesundes Wochenende wünschend.

Burkhard Budde


To build bridges

 

Für alle, die gerne Brücken bauen

 

zum Mitmenschen und zu Gemeinschaften,

aber auch zu sich selbst und zu Gott,

zur Welt des Denkens und des Wissens,

aber auch der Gefühle und des Glaubens.

 

Books as bridges

 

Für alle, die gerne mit Büchern Brücken bauen

 

B. Budde. Annis Welt.

53 Texte, Aphorismen, Essays, Denkanstöße,

biblische Meditationen.

148 Seiten. 12X19cm. 9,99 EUR.

Books on Demand Verlag (Bod)

ISBN: 978-3-734-7967-84.

 

B. Budde. Erkennen, anerkennen, bekennen.

45 Texte, Aphorismen, Essays, Denkanstöße,

biblische Meditationen.

108 Seiten. 12X19cm. 6,90 EUR.

Books on Demand Verlag (Bod)

ISBN: 978-3-744-8853-79

 

Zum Selberlesen, Verschenken oder zum Einsatz in der Bildungsarbeit in Schule und Gesellschaft. Die Bücher können in jeder Buchhandlung sowie im Internet im BOD Buchshop, bei Amazon, Thalia, Lovelybooks u.a. bestellt werden.

 

Nicht nur über eine Weiterempfehlung der Bücher würde ich mich sehr freuen, sondern auch über eine Kontaktaufnahme

(E-Mail: burkhard-budde@t-online.de).

Da mich auf meiner Homepage (www.burkhard-budde.de)

 jeden Tag über 100 Personen allein aus Amerika besuchen, würde ich mich auch über E-Mails aus den USA sehr freuen

(in englischer Sprache; antworten würde ich dann in deutscher Sprache).

Burkhard Budde


Auf ein Wort

 

Corona-Krise: Kostbare Lebenszeit

 

Ändert sich gerade der Zeitgeist? Bis vor kurzem hatte ich noch den Eindruck, zum Fluss der Zeit gehörten die Strömungen „immer schneller“, „immer kurzlebiger“, „immer gleichzeitiger“, „immer optionaler“, aber auch die punktuellen Turbulenzen „gefühlslos“, „gedankenlos, „unsozial“, „unmenschlich“. Ich stocherte im aufsteigenden Nebel, der sich über das breite Flussbett gelegt hatte, und überlegte: Was ist „Mode“, die sich anpasst und ein kurzes Verfallsdatum hat, was „Motte“, die vergeht und das Licht der Öffentlichkeit scheut, was „Trend“, der bleibt und sich vielleicht durchsetzt, was „Innovation“, die notwendig ist, weil sie dem Leben vieler dient?


Wird durch die Corona- Krise vieles anders? Werden wir uns schlechte Gewohnheiten wie den Ego-Trip und Ellenbogen-Verhalten abgewöhnen und neue Gewohnheiten wie Rücksichtnahme und Fairness, aber auch Flexibilität, Kreativität und neue Sichtweisen angewöhnen? Werden alte Werte demnächst neu gewichtet; entstehen neue Werte, Prioritäten?

In dieser turbulenten und unberechenbaren Zeit sich Zeit zu nehmen oder sich plötzlich neu nehmen zu können, um über die „Zeit“ nachzudenken, kann den Schleier ängstlicher Melancholie, der sich durch Corona auf die Seele, den Geist und das soziales Verhalten gelegt hat, grundlegend lichten. 

Stellen wir uns einmal mit dem inneren Auge eine „Sanduhr“ vor, eine „gläserne Uhr“. Zwei Glaskolben sind miteinander verbunden. Durch den jeweiligen Hals fließt Sand durch ein Loch von einem Kolben in den anderen. Der Sand – die Lebenszeit – ist ständig in Bewegung, keiner kann sie festhalten oder anhalten. Auch diejenigen nicht, die die Zeit ignorieren, „totschlagen“, das Thema „Corona“ verdrängen, verniedlichen oder übertreiben. Die Lebenszeit bleibt kostbar, weil sie „gnadenlos“ weniger wird; kein unberechenbarer Zeitgeist, kein schwärmerischer Genuss, keine hysterische Panikreaktion kann sie vermehren. Aber verschwindet sie einfach ins Nichts oder ins Unbekannte? In der „Engführung“ – im Loch der Uhr – fallen Sein und Nichtsein, Dauer und Werden, Nichtsein und Neusein zusammen.


Wenn die Lebenszeit nicht auf gedankenlosen Treibsand gebaut ist, ein jegliches seine Zeit hat (Prediger 3,1-4), kann ein Mensch auch in einer Krise die Gelegenheit beim Schopfe greifen und sich Zeit zum Weiterdenken und zur Muße nehmen: Um den Kopf frei zu bekommen, das für einen selbst wirklich Wichtige tun zu wollen, Nein- und Jasagen zu lernen, innere Gelassenheit, schöpferische Kraft und Kritikfähigkeit zu gewinnen sowie nutzenfreie Beziehungen pflegen zu können. Und beim Denken entdecken: Dass der Fluss der Zeit keine Art Kreislauf oder Wiederkehr des Immergleichen ist, sondern in eine offene Zukunft mündet, in der nicht nur der Zufall, sondern vor allem auch die Ewigkeit möglich ist. Dass Endlichkeit und Vergänglichkeit stets Ursprung des Neuanfangs und der Erneuerung sind.


Die Zeit ist nicht unabhängig vom Raum zu verstehen. Aber endet die „Raumzeit“ als eine Art Schleife wirklich im „Schwarzen Loch“? Oder dürfen wir – vielleicht hinter dem „Schwarzen Loch“? - auf eine „zeitlose Glückseligkeit“ in göttlicher Geborgenheit hoffen?!


Es kann Sinn machen, aktiv, vertrauens- und verantwortungsvoll in der geschenkten und verbliebenen Zeit zu warten – auf eine Ewigkeit, in der kein Sandkorn verloren geht und der Mensch als geliebtes Samenkorn vollendet wird. Und alles notwendig Politische, Wirtschaftliche, Soziale, Kulturelle und Persönliche jetzt zu tun, was in einer Krise zum Schutz der Gesundheit und des Lebens vorübergehend getan und gelassen werden muss, damit die Krise schrittweise und konsequent überwunden werden kann. Damit nicht irgendein Zeitgeist oder ein Gespenst, aber ein realer und unsichtbarer Feind das Leben beherrscht und schleichend zerstört, sondern Menschen in Gelassenheit, Klugheit und Weisheit ihr Leben vor Gott, der Mit- und Nachwelt verantworten können. Die alle mitten im Fluss der Zeit leben und eine unbekannte Zeitwende erleben – hoffentlich nur auf Zeit.

Burkhard Budde


Essay angesichts der Corona-Krise

 

Alleinsein ohne Einsamkeit

Erleben wir gerade einen Albtraum und gleichzeitig einen Kulturwandel? Wird unser Alltagsleben nicht nur entschleunigt und bescheidener, weil wir zu verzichten lernen müssen, sondern auch bewusster und reflektierter erlebt, weil wir durch den unheimlichen Corona-Angriff mit der Zerbrechlichkeit, Endlichkeit und Hilflosigkeit unseres Lebens wie aus heiterem Himmel konfrontiert worden sind?

 

Gibt es eine wachsende Kultur der inneren Nähe durch äußere Distanz? Können weniger soziale Kontakte wirklich Solidarität zum notwendigen Schutz und wechselseitigen Nutzen ermöglichen und bedeuten?

 

Wird ein humorvoller Stachel – kein Galgenhumor - im sozialen Fleisch bleiben? „Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut“, zitiert eine ältere Dame Verse von Wilhelm Busch, dem „Klassiker des deutschen Humors“ aus dem 19. Jahrhunderts. Sie lebt allein in ihrem Haus, beteuert aber, dass sie sich nicht einsam fühlt, sondern sehr zufrieden ist. In ihrem Fall hätte Wilhelm Busch („Max und Moritz“, „Die fromme Helene“) lieber von „Alleinsein“ statt von „Einsamkeit“ sprechen sollen. Denn wer allein ist, muss nicht einsam sein.

 

Der Leser eines Buches beispielsweise, der allein in seiner Wohnung sitzt, befindet sich in einer anderen Welt, die mit seiner Welt immer mehr verschmilzt. Der Wanderer im Wald, der allein unterwegs ist, kann gezielt seinen Stress vertreiben und fitter wieder nach Hause kommen. Und in den eigenen vier Wänden wird der „Einsame“- besser „Alleinlebende“ - nicht durch „weise Lehren“ (Busch), anstrengende Konflikte oder kleinliche Machtkämpfe gestört.

 

Einsamkeit gibt es jedoch auch in der Zweisamkeit, in einer Gemeinschaft oder Gruppe. Alle Menschen können irgendwo und irgendwann ins Loch der Einsamkeit fallen. Vielleicht haben sie sich die Grube selbst gegraben, indem sie ihren Eigensinn in Sturheit, ihren Ordnungssinn in Ordnungssucht, ihren Geldsinn in Geiz, ihr Wissen in Besserwisserei, ihr Können in Überheblichkeit verwandelten. Und weil sie keinen Humor kennen oder das Lachen verlernt haben, können sie auch nicht über sich selbst lachen, nur gieriger und selbstsüchtiger werden, sich ständig bejammern oder andere zum Sündenbock machen - und vergrößern dadurch nur noch ihre Einsamkeit.

Allerdings: Realitätssinn, positives und konstruktives, selbstkritisches und differenziertes Denken, die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, kleine Schritte sowie ein gesundes Selbstbewusstsein und ein langer Atem können helfen, aus dem Loch der Einsamkeit herauszukommen.

 

Im Alleinsein des Gebetes im stillen Kämmerlein werden sogar Gewissheiten geweckt, die den Beter selbst - ohne theologische Klimmzüge - verändern. Solche Erfahrungen sind kein Klotz am Bein der Vernunft, sondern wie ein Paar Schuhe: Der stille Beter kann sowohl seine „letzte Geborgenheit“ als auch seine „persönliche Verantwortung“ vor Gott und seiner Mit- und Nachwelt entdecken. Und anschließend besser „laufen“: eine neue Kultur der empathischen Vernunft und verantwortungsvollen Solidarität mitgestalten – in Würde, aus Einsicht und mit Augenmaß.

 

Eigentlich eine ständige Möglichkeit aller, die Not zu wenden und ihre Einsamkeit - manchmal auch durch das Alleinsein - zu bekämpfen.

 

Bleiben Sie gesund!

 

Burkhard Budde

 

Viel Gutes auf leisen Sohlen

Ebbecke Stiftung fördert die Tafel

Auf leisen Sohlen geschieht nachhaltig viel Gutes – trotz Coronakrise im Schatten der Sorgen um Gesundheit, Sicherheit, Wohlstand und Zusammenhalt der Gesellschaft.

Ein Beispiel ist die Braunschweiger Tafel ev., die 1996 gegründet wurde und sich seit 2005 an der Goslarschen Straße 93 im früheren „Armenhaus“ der Löwenstadt befindet. Sie gehört zu den ältesten Tafeln in Deutschland, von denen es gegenwärtig etwa 947 gibt.

 

Der Vorsitzender des Braunschweiger Vereins Bernd Assert und die Geschäftsführerin Nicoline Leven stellten ihr Projekt am 12. März 2020 Vertretern der Braunschweiger Ebbecke Stiftung Dr. Burkhard Budde und Heike Otto vor, deren Stiftung seit dem Jahr 2000 soziale Aktivitäten unterstützt und aktuell die Tafel mit 3000 Euro fördert.

 

Jeden Tag kümmern sich etwa 30 ehrenamtliche und zwei hauptamtliche Mitarbeiter darum, dass Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet und an täglich etwa 75 Bedürftige gerecht verteilt werden, berichtete Bernd Assert. Zum Team gehören insgesamt 160 ehrenamtliche Mitarbeiter - auch Fahrer, die die gespendeten Lebensmittel abholen und auch zu etwa 50 sozialen Einrichtungen bringen.

Im Jahr 2019 gab es etwa 18 500 „Kundenbesuche“; häufig Personen mit einer Niedrigrente, Hart IV- Bezieher, Arbeitslose und Flüchtlinge, die sich zuvor bei der Diakonie vorstellen müssen, um dann bei der Tafel einen Finanznachweis vorlegen zu können. Und „dieser Personenkreis, der nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht, wird größer“, so Bernd Assert. Und Nicoline Leven ergänzte: „Im Januar hatten wir 25 Neukunden.“

Heike Otto und Burkhard Budde, die die Räumlichkeiten der Tafel mit dem Laden (Lebensmittelausgabe), dem Lager (Qualitätskontrollen) und den Kühlräumen (insbesondere für Milchprodukte) kennenlernten, dankten den Vertretern der Tafel und ihrem Team für die „gelebte Nächstenliebe“, aber auch für den „gelebten Umweltschutz“ sowie für „glaubwürdiges Engagement“ – jenseits des Rampenlichtes vieler politischer (Lippen-) Bekenntnisse und von Eigeninteressen.

 

Und mögliche Auswirkungen der Coronakrise auf die Tafel? Gewisse Sorgen scheint es zu geben. Nicoline Leven: „Dass Kunden aus Angst wegbleiben. Und wir weniger Ware bekommen.“ Doch einig waren sich alle: Gerade in Krisen darf neben der Notwendigkeit des Schutzes, der Eindämmung und der Sicherheit die notwendige und verantwortbare Solidarität nicht unter die Räder geraten. Und helfende Hände sowie kluge und besonnene Köpfe werden gerade in Krisen gebraucht. Damit auch weiterhin in der Zivilgesellschaft auf leisen Sohlen viel Gutes und Richtiges geschieht.


Auf ein Wort

 

Cooler Kopf statt Panik angesichts „Corona“

 

Ängste können einen Menschen in die Tiefe ziehen. Sie fluten die Seele, wühlen sie innerlich auf und lassen das Wasser der bedrohlichen und unberechenbaren Gefühle bis zum Hals und darüber hinaus steigen. Diese Ängste sind wie Ungeheuer, die einem blindwütend im Nacken sitzen, die Vernunft lähmen und fesseln, die Seele spalten und quälen. Sie verbreiten Panik und Hysterie.

 

Ängste, die allgegenwärtig sind und viele Gesichter haben, können jedoch auch wie hilfreiche und besonnene Wegbegleiterinnen sein, die warnen, vor Gefahren schützen und neue Lebensräume erschließen. Die Angst um einen Menschen kann dazu führen, soziale Kontakte zu pflegen; die Angst vor einem Menschen, sie zu vermeiden versuchen; die Angst in Krisensituationen, neue soziale Kontakte zu knüpfen. Diese Angst ist wie ein Frühwarnsystem und gehört zum Menschsein sowie zum Überleben dazu.

Der Coronavirus hat eine Welle von Gefühlen – auch Ängste - ausgelöst. Sowie offene und versteckte Fragen und Sorgen: Ist meine Gesundheit bereits gefährdet, wenn ich den Atem meines Mitmenschen verspüre? Sind mein Nachbar, mein Kollege, mein Vereins- und Clubmitglied, die ich mag und gerne bei der Begrüßung umarme, plötzlich zu möglichen Gefährdern meiner Gesundheit geworden? Ja, sollte ich dem Nächsten auf der Straße oder sonst wo generell misstrauisch begegnen und mit äußerster Vorsicht nur aus der Distanz „genießen“? Brauche ich ein reißfestes Nervenkostüm? Kann ich überhaupt äußerlich Ruhe bewahren, wenn ich innerlich unruhig bin? Sollte ich meine Ängste in den dunklen Kellerraum meiner Seele verbannen? Sind bereits Wohlstand und Konsum, Freiheit und Sicherheit, Solidarität und Gerechtigkeit gefährdet? Muss ich mit Hamsterkäufen vorsorgen? Wird das Schlimme noch schlimmer?

 

Im großen Meer der Ängste und Sorgen helfen keine neunmalklugen Angst- und Stimmungsmacher, aber auch keine kopflosen Angsthasen und Heulsusen, auch keine billigen Vertröster mit markigen Versprechungen. Da es keine Patentrezepte gegen den Virus gibt, sind Aufklärungen, sachkundige Informationen sowie verhältnismäßiges Verhalten der Verantwortlichen vor Ort notwendig.

Und zudem Verhaltensänderungen jedes Einzelnen auch im Umgang mit seinen Ängsten, damit aus ihnen keine panische (Kurzschluss-) Reaktionen werden: Den Ängsten ins Gesicht sehen, nicht weglaufen oder sich der Ängste schämen; sie zu unterscheiden lernen, nicht alle in einen Topf werfen und vermengen; sie mutig und sachlich bekämpfen, nicht unter den Teppich kehren und ignorieren; einen kühlen Kopf behalten, sich nicht von Ängsten treiben und bevormunden lassen; begründete Perspektiven entwickeln, nicht erstarren oder resignieren, vor allem achtsam und vernünftig bleiben.

 

Die entscheidenden Gegenkräfte gegen Ängste sind nicht Naivität, Gleichgültigkeit oder Dummheit, auch nicht einfach der „Stolz“ auf unser Gesundheitssystem, sondern Vertrauen, Hoffnung und Klugheit – verantwortliches, gelassenes und besonnenes Leben angesichts aller Geschaffenheit, Vergänglichkeit und Unvollkommenheit, aber auch angesichts des Unvorhersehbaren im dunklen, engen, geheimnisvollen und manchmal auch unheimlichen Lebensraum der Ängste. Dann kann Gott- und Christusvertrauen zu einem seelischen Rettungsring werden, um aus der Gefangenschaft der Ängste in die neue Freiheit des Grundvertrauens und der Eigenverantwortung zu gelangen – so wie der unsichtbare Gott seinem Volk zurief „Fürchte dich nicht. Ich bin stets bei dir.“ Denn dieses Vertrauen gibt Halt und Orientierung, holt einen Menschen heraus aus den Untiefen der Ängste ins neue Leben mit brennendem Herzen, coolem Kopf und solidarischen Händen. Und gibt ihm eine Würde, die er trotz seiner Ängste nicht verliert.

Burkhard Budde


Kommentiert

Zukunft der CDU mit der CDU?

 

Der Motor einer Partei ist der konstruktive Wettstreit von Personen und Ideen um den besten Weg in die Zukunft.

Dabei sind Nebelkerzen wie taktische Spielchen oder intrigantes Verhalten gefährlich, Feindbilder nur Steine im Weg. Die offene Gesellschaft mit einer liberalen Demokratie und einem wehrhaften Rechtsstaat braucht weder rechte noch linke Feindbilder innerhalb und außerhalb von Parteien, weder selbstgerechtes Schubladendenken noch nervige Schwarzweißmalerei, weder heimliche Schlechtmacherei noch persönliche Herabsetzung. Wohl aber ist eine offensive und öffentliche inhaltliche Profilbildung zugunsten einer Gesamtpartei notwendig, damit der Wagen einer Partei angesichts von politischen Herausforderungen wie Flüchtlingskrise, Rechtsextremismus und Gesundheitskrise nicht (weiter) ins Rutschen gerät oder sogar vor eine Wand fährt.


Es reicht nicht aus, am Steuer „freundliche Unverbindlichkeit“ (so der Hamburger Politiker Ole von Beust) zu zeigen und ständig nur ängstlich auf Sicht zu fahren. Auch nicht, „unterschiedliche Charaktere“ als Mitfahrer zu haben, die gegensätzliche Vorstellungen vom Fahrziel, vom Fahrweg oder vom Fahrtempo vertreten, sich deshalb ständig streiten und nicht einigen können.


Viele Bürger und viele Parteimitglieder erwarten vielmehr, wahr-, ernst- und mitgenommen zu werden, klare Auskünfte einer Partei – keine Absolutheitsansprüche oder billigen Rezepte - über strategische Ziele und (bestmögliche) Wege dahin zu erhalten sowie mit „besserer“ Überzeugungsarbeit dafür gewonnen zu werden.


Eine Kuschelpolitik, aber auch eine Holzhammerpolitik weckt kein Vertrauen in Politik, Parteien und Politiker. Bürger schenken jedoch (neues) Vertrauen, wenn die Straßen in der politischen Landschaft erkennbar und erfahrbar sind und bleiben. Und Lenker am (partei-)politischen Steuer sitzen, die persönlich integer und unabhängig sind, empathisch und zugleich strategisch Kurs halten - nicht einfach drauflosfahren, einen Schlingerkurs betreiben oder sogar die Hände vom Steuer nehmen (und „durchwinken“).

Der Motor der CDU kommt nicht ins Stottern, sondern bringt die Partei bei allem notwendigen Pragmatismus (wieder) auf die Überholspur, wenn er mit der ursprünglichen Idee des „C“ („Christlich“, Würde, christliches Menschenbild, Menschenrechte), des „D“ („Demokratie“, Freiheit, Sicherheit, Wohlstand) und „U“ („Union“, Integration, Vielfalt in Einheit) neue Energie - kein Sand im Getriebe, sondern Sand aus dem ideologischen Getriebe - erhält.


Und am Steuer kein Heilsbringer, wohl aber eine profilierte und durchsetzungsstarke Persönlichkeit sitzt, die einen klaren Kompass (kein Navi, aber auch kein Ruhekissen) hat und glaubwürdig bleibt, weil sie weder zu den applaudierenden oder pfeifenden Zuschauern noch zu den selbst- und machtsüchtigen Trittbrettfahrern gehört. Sich nicht als Bremser, sondern als Motor kontinuierlicher Erneuerung aus christlicher Verantwortung für das Land versteht.

 

Burkhard Budde


Für mehr Achtsamkeit und Toleranz


Fraktionsvorsitzender Toepffer gegen sprachliche Verrohung


Zunächst gab es ein großes Kompliment: Der Ev. Arbeitskreis der CDU in Niedersachsen (EAK) sei eine „intellektuelle Speerspitze der CDU“, sagte der Vorsitzende der CDU – Landtagsfraktion Dirk Toepffer MdL auf der 39. EAK-Tagung am 7. März 2020 in Hermannsburg. Und tatsächlich versucht der EAK mit seinem Vorsitzenden Pastor Dirk Heuer, das politische Alltagsgeschehen und die politischen Herausforderungen mit Hilfe des christlichen Kompasses sowie christlicher Quellen zu reflektieren und praktisch mit zu gestalten. Toepffer, der von „klugen Gedanken“ sprach, betonte die Bedeutung der Grundsatzarbeit des EAKs für die Gesamtpartei, vor allem jedoch für junge Menschen, die für Argumente aus dem christlichen Glauben heraus zugänglich seien.

„Toleranz und political correctness“ sei ein wichtiges Thema, so Toepffer, weil der sprachlichen Verrohung häufig auch die physische Gewalt folge. Alarmierend seien zudem das permanente Verbreiten von Lügen und Verschwörungstheorien. Angesichts der schnellen Verbreitung von schwer korrigierbaren Botschaften in den sozialen Medien sowie von bewussten Provokationen empfahl er „sprachliche Zurückhaltung und Vorsicht“. Man müsse dem politischen Gegner nicht auf den Leim gehen und mit brüllenden Empörungen auf AfD Äußerungen reagieren, weil sich die AfD sonst in eine Opferrolle begeben könne. Mit „Schaum vor dem Mund“ könne intolerantes Verhalten nicht entlarvt werden. Letztlich sei eine sachliche und inhaltliche Auseinandersetzung besser, da sonst Extremisten die Themen bestimmen würden und wichtige politische Unterschiede bei unverhältnismäßig übertriebenen Reaktionen „flöten“ gehen könnten. „Es darf kein Thema geben, dass wir nicht diskutieren. Denn sonst überlassen wir es den anderen“, meinte der Christdemokrat.

Und was die „politisch korrekte Sprache“ anbelange, sei ihm wichtig, wie Betroffene selbst dächten, ob sie sich bei bestimmten Begriffen wirklich verletzt fühlten. Toepffer sprach sich für mehr Gelassenheit aus sowie für mehr Toleranz auch gegenüber der Mehrheitsgesellschaft.

Pastor Dirk Heuer

Dr.Dorothee Godel, Pastor Dirk Heuer, Dr. Günther Gebhardt (v.l.)


Lachen verbindet

Auch über versalzene Suppen lachen?!

Heute schon gelacht? Vielleicht.

Gestern bereits gelacht? Bestimmt!

Wenn Mann/Frau am 5.März 2020 am Solo-Programm „Lustig, aber wahr“ teilgenommen hatte. Bastian Bielendorfer, stark geprägtes Lehrerkind aus dem Ruhrpott, brachte viele im „Kulturzentrum Pavillon“ in Hannover zum Lachen. Lustvolle Geschichten und lustige Anekdoten gewürzt mit Ironie und Satire sowie dekoriert (fast) immer mit einem Schuss humorvoller Erotik, erzählten vom (eigenen) Alltag. Und massierten – auch mit Hilfe des Kopfkinos – die (eigenen) Lachmuskeln.

 

Das ganze Spektrum des Lebens wurde auf die Schippe genommen – die Zeit der Kindheit und der Schule, der Partnersuche und Familie. Und vieles mehr, auch Politik und „Thüringen“ fehlten nicht. Besonders die Großeltern und der Vater – „die Lehrerdynastie“ – hatten beim humorvollen Komiker lebendige und lebenslange Spuren hinterlassen – nicht nur in seinem bekannten Buch „Lehrerkind – Lebenslänglich Pausenhof“.

 

Und so wurde keiner dümmlich ausgelacht; schwere Gedanken wurden höchstens weggelacht. Auf Kosten anderer wurde nicht einfach gelacht; kleine und große, versteckte und selbstverliebte Wahnsinnige konnten sich jedoch in manchen Spiegeln trefflich wiederentdecken. Und immer schien der Spaßmacher über seine Unzulänglichkeiten sowie sein komisches Verhalten selbst lachen zu können.

Wozu die ganze Show? Nur zur Unterhaltung, zur Ablenkung, zur Unterbrechung des Alltags? Nur um kurzweilige Seelenmassage gegen Geld zu erleben? Bastian Bielendorfer: „Weil Lachen nicht spaltet, sondern verbindet.“

Das könnte eine wichtige „Pointe“ im Leben und für das Leben sein: Weil dann die Alltagssuppe – vielleicht schon durch ein Lächeln – eine Prise Salz bekommt. Und mehr Alltagsmenschen auf den Geschmack kommen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, nicht nur ihr eigenes Süppchen kochen zu wollen, sondern die Suppe gemeinsam auszulöffeln versuchen. Damit man wieder etwas zu lachen hat.

Und wieder gemeinsam befreiend über das ganze Leben lachen zu können, über Lebenslügen, über sich selbst, über Machtansprüche, Heuchelei, eben auch über versalzene Suppen.

Denn alles individuell Lustige ist auch irgendwie und irgendwann für alle wahr – und klar.

 

Burkhard Budde


Kampf um die Delegierten

(Noch) nicht veröffentlichter Leserbrief in F.A.Z.

 

Erlebt ein aufmerksamer Zuschauer, aber auch ein „einfaches Mitglied“ einen unappetitlichen, aber unvermeidbaren Machtkampf um die Führung der CDU?

 

Welche Rolle spielt dabei ein „einfacher Delegierter“ oder ein Delegierter, der zugleich Funktions- und Mandatsträger ist, und auf einmal von allen Seiten umworben wird? Ist ein Delegierter nur ein braver Erfüllungsgehilfe der scheinbar Mächtigen? Ein begeisterter Steigbügelhalter von Personen, die ihn fallen lassen (können), wenn er seine Schuldigkeit getan hat? Ein bequemer Trittbrettfahrer einer „solidarischen“ Stimmung, die ihn vielleicht selbst eines Tages an die Futtertröge der Macht befördert?

 

Politisch unappetitlich ist es, wenn Schablonen die Runde machen. Armin Laschet stehe für „Kontinuität“, Friedrich Merz für „Erneuerung“. Und Norbert Röttgen, für „beides“?! Noch geschmackloser wäre ein Kampf mit Stimmungsmache auf Kosten oder zu Lasten eines „Parteifreundes“ – ob offen oder hinter vorgehaltener Hand spielte dabei kaum eine Rolle.

 

Wenn darüber hinaus andere Parteien oder gesellschaftliche Kräfte ihre Chance sehen (würden), die CDU insgesamt zu diskreditieren, um ihr eigenes Süppchen zu kochen, bliebe dem „mündigen Bürger“ endgültig der „politische Kloß“ im Halse stecken und er entfremdete sich immer mehr von der Politik und noch mehr von der liberalen Demokratie.

 

CDU-Delegierte könnten jedoch auf dem Parteitag ein glaubwürdiges Zeichen einer wehrhaften (Parteien-)Demokratie setzen, indem sie nicht nur „Empfehlungen“ (=machtpolitische Absprachen und klare Erwartungen) mit bedenken, sondern nach bestem Wissen und Gewissen, also unabhängig und selbstständig entscheiden.

 

Dann lösten sich die Werte wie Eigenverantwortung und Mündigkeit, Offenheit und Fairness im Wettstreit um die besten Köpfe (und Ideen) nicht wie Zucker im Tee auf. Und diese Werte, die den politischen Praxistest bestehen, brauchen weder einen Heiligenschein noch einen Holzhammer, weder Schaufenster, wo sie ein „süßes Dasein“ fristen, noch einen Boxring ohne Regeln, wohl aber vertrauenswürdige Persönlichkeiten mit Führungs- und Durchsetzungskompetenz.

 

Und die sollten gleichzeitig sozial, menschlich und geistig verwurzelt sein, um politisch und ethisch auch in praktisch-politischen Fragen nicht ins Schwimmen zu geraten.

 

Rückenwind kann nicht schaden, um unterschiedliche Kräfte zu integrieren. Flügelschläge sind auch wichtig, um eine klare Richtung vorzugeben. Die liberale Demokratie braucht beides – und Persönlichkeiten, die die Werte der Demokratie sowie demokratische Verfahren auch den nachfolgenden Generationen glaubwürdig (vor-) leben.

 

Burkhard Budde


Mehr wissen – besser verstehen

 

Christliche Ethik

 



Ethik (=“Gewohnheit“, „Sitte“ bzw. die philosophische Wissenschaft vom Sittlichen mit den traditionellen Fragen nach dem „höchsten Gut“, dem „richtigen Handeln“ und der „Freiheit des Willens“) kann in vielfältigen Perspektiven unterschiedliche Fragestellungen bearbeiten.

Die Individual- Ethik fragt u.a. zum Beispiel:

Wie ist das Verhalten des einzelnen Menschen zu beurteilen? Welche Werte und Normen leiten ihn?

Die Sozial-Ethik:

Wie sind die Verhältnisse, in denen der Mensch lebt, zu beurteilen? Welche Strukturen und Prozesse gibt es?

Die Gesinnungs-Ethik:

Welche „Denke“ und welche Motivation hat der einzelne Mensch? Wie sieht es mit seinem Gewissen, mit dem „Wahren“, „Guten“ und „Richtigen“ aus?

Die Verantwortungs-Ethik:

Wie kann das „Handeln“ in der Realität eingeschätzt werden? Welche Folgen und Wechselwirkungen können entstehen? Wer (=Subjekt) handelt, vor wem(=Instanz), wann (=Zeit), unter welchen Bedingungen (=Situation), in welchem Ausmaß (=Geltungsbereich)?

 

Christliche Ethik schöpft aus den biblischen Quellen und ist

ein Kompass der Liebe mit verschiedenen Nadeln:

-Nadel der Folgen: aus Dankbarkeit folgt Liebe (vgl. z.B. „Vom Schalksknecht“ Mt 18,21-35)

-Nadel der Forderungen: aus Überzeugung soll Liebe/Weisheit folgen („Goldene Regel“ Mt 7,12)

-Nadel des gelebten Glaubens: der „Begeisterte begeistert“ (Gal 5,25; Röm 11,36a)

-Nadel der verantwortungsbewussten Freiheit: der Christ ist frei zur Liebe (1.Kor 6,12; Mk 2,27a)

-Nadel der Würde: alle Menschen sind Ebenbilder Gottes (1.Mos 1,27a)

 

Christliche Ethik im Geiste Jesu Christi (siehe auch „ Barmherziger Samariter“ Lk 10,25-37 und „Bergpredigt“ Mt 5-7) ist zugleich eine Gesinnungs- und Verantwortungsethik:

Der universelle Stachel der Liebe, der Freiheit und Verantwortung im Fleisch einer konkreten und aktuellen Situation. Christliche Ethik betreibt keine theoretische Prinzipienreiterei oder gedankenlose Schwärmerei, aber auch keinen reinen Pragmatismus. Sie will niemanden bevormunden, aber auch keinen von der eigenen zu begründenden Verantwortung vor Gott und dem Nächsten sowie seiner Mit- und Nachwelt einfach entlasten.

 

Der Kompass christlicher Ethik ist keine moralische Statue, die nur mit dem Finger gen Himmel zeigt. Kein ideologisches Navi, das genau weiß, wo es lang geht. Kein politisches Rezeptbuch, das Glück verspricht und einfache Angebote zur Gestaltung des Lebens macht.

Der Kompass des Evangeliums von der göttlichen Liebe im Geiste Jesu Christi zeigt vielmehr die Richtung auf allen Lebenswegen an. Und Kompassarbeit bedeutet, seine Verantwortung in einer konkreten Situation durch die Beantwortung verschiedener Fragen wahrzunehmen (z.B. Welcher Weg führt am besten zum Ziel? Umwege? Pausen? Tempo? Schritte? Sprünge? Proviant? Team?). Und dabei die Gewissheit geschenkt zu bekommen, dass Gott Wegbegleiter und Wegbereiter, ja der „Grund“ aller Wege ist, der be-wegt.

 

Burkhard Budde


Essay

 

Kann Heuchelei toleriert werden?

 

Heuchelei? Geht gar nicht! Kann nicht toleriert werden! Scheinheiligkeit und Doppelmoral sind wie trojanische Pferde – von außen eine Augenweide, aber im Inneren warten böse Überraschungen. Schon Jesus geißelte Heuchelei, zum Beispiel die der „Schlangen“ und meinte damit bestimmte Schriftgelehrte und Pharisäer, die wie „übertünchte Gräber“ seien – von außen hübsch anzusehen, aber innen „voller Totengebeine“ und „lauter Unrat“. Wer mir jetzt nicht glaubt, weil Jesus für viele doch „die Liebe“ verkörpere, findet von Jesus noch mehr „provozierenden Tobak“ im Matthäusevangelium Kapitel 23, Verse 37-39.

 

Apropos Toleranz. Welche Antwort würden Sie geben? In einer offenen Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt bedeutet Toleranz

a) keine Meinung zu haben, weil das am Bequemsten ist?

b) die eigene Meinung zu verschweigen, weil man einen kritischen Stresstest befürchtet?

c) die eigene Meinung anderen aufzuzwingen, weil man die Wahrheit kennt?

d) die Meinung anderer zu dulden, weil man es sich leisten kann?

d) der Meinung anderer zuzustimmen, weil man Vorteile dadurch hat?

e) die Meinung anderer zu respektieren, weil es sonst keine Entwicklung gibt?

 

Wer etwas nachdenkt, entdeckt vielleicht folgende Gedanken. Der Verzicht auf eine Meinung (a) könnte bedeuten, von anderen zum Spielball missbraucht oder ein Getriebener zu werden. Das Verschweigen (b) der eigenen Meinung zum Beispiel aus Angst vor einer ehrlichen Auseinandersetzung verhindert neue Erkenntnisse und Erfahrungen. Jemandem seine Meinung mit einer Keule aufzwingen (c) zu wollen, schafft nur zerstörerische Gefühle und Gedanken. Die Duldung (d) der anderen Meinung von oben herab ist relativ einfach, wenn man auf einem Hochsitz einer Moral, Religion oder Ideologie sitzt, aber zugleich gefährlich willkürlich. Auch ein schneller Kniefall vor kräftig austeilenden Meinungsmachern in Form von schneller Zustimmung (d), weil die häufig mimosenhaft beleidigt und nachtragend sind, wenn sie selbst kritisiert werden, hat mit Toleranz nichts zu tun.

 

Mein Vorschlag ist die Antwort e): Toleranz ist keine Einbahnstraße, auf der man sich selbst aufgibt. Auch keine Sackgasse, in der man jede Achtung vor sich selbst und anderen verliert. Wohl aber wie eine Brücke, auf der es eine Vielfalt von Sichtweisen gibt, sich alle jedoch gegenseitig respektieren und Unterschiede aushalten; alle ihre Meinungsverschiedenheiten im Wettstreit der Argumente nach Spielregeln und auf Augenhöhe austragen. Und auf der sich jeder frei und fair, eigenverantwortlich und selbstständig eine eigene (neue) Meinung bei der Wahrheitssuche mit dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens bilden kann.

 

Die Brücke der Toleranz ist allerdings nicht mehr tragfähig, wenn „rote Linien“ wie Hass, Volksverhetzung, Beleidigungen überschritten sind. Dann ist das Strafrecht gefordert.

 

Respektvolle Toleranz verzichtet jedoch freiwillig auf Worte, die wie Schläge ins Gesicht sind, unter die Gürtellinie gehen und Andersdenkende von der Brücke zu vertreiben versuchen.

 

Und Heuchelei? Jesus hat sie scharf kritisiert und nicht toleriert, aber die Heuchler nicht einfach verteufelt und sie über das Brückengeländer geworfen, sondern eine Brückenspur

 zum Umdenken und zum Neuanfang – zum Heil und zum Heilwerden - offen gehalten.

Damit viele auf der Brücke voneinander und miteinander lernen, aber auch Haltung gegen Heuchelei, Hass und Intoleranz zeigen können.

Burkhard Budde

 


Mehr wissen – besser verstehen

 



Christliches Menschenbild



 

Das Bild vom Menschen aus christlicher Sicht schöpft aus der biblischen Quelle.


Nach der ersten Schöpfungserzählung (Priesterschrift“ 1.Mos 1,1-2,4a; Elohim=Gott) ist der Mensch

ein Ebenbild Gottes, Abschluss und Krönung der gesamten Schöpfung – nach dem Bild und der Ähnlichkeit Gottes sowie als Mann und Frau durch Gottes analogieloses Tun geschaffen („creatio ex nihilo“ = Schöpfung aus dem Nichts“).  

Nicht Gott hat eine menschliche Gestalt, sondern der Mensch ist von Gott her, repräsentiert Gott und bleibt ihm gegenüber verantwortlich.

„Und Gott sprach. Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich.“ (1.Mose 1,26a)

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1. Mose 1,27)


Nach der zweiten Schöpfungserzählung („ Jahwistischen Bericht“ 1.Mose 2,7-3,19; JAHW= Namen des Gottes Israels) ist der Mensch

ein Erdengebilde, aus dem Staub der Erde gebildet, indem Gott ihm den Odem des Lebens (Odem=Atem) in seine Nase blies.

Als Erdling ist der Mensch begrenzt und vergänglich, als „lebendige Seele“ , die er nicht hat, sondern ist, bleibt er mit Gott verbunden.

„Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1.Mose 2,7)

Die Erschaffung der Frau (=„ischa“), die zum Mann (=“isch“) „passt“, deutet auf die Wesensgleichheit sowie Gleichwertigkeit bei aller Verschiedenheit hin (1.Mose 2,18-25).

 

Der Mensch ist ein gewolltes Geschöpf Gottes.

Er ist kein Zufallsprodukt; es bleibt jedoch letztlich ein Geheimnis, warum er wann, wo, wie und wozu er das Licht der Welt erblickt.


Der Mensch ist ein originelles Geschöpf Gottes.

Er ist kein Fließbandprodukt; jeder Mensch hat einen individuell genetischen Fingerabdruck sowie eine einzigartige und unverwechselbare Sozialisation und Geschichte.


Der Mensch ist ein soziales Wesen.

Er ist von Geburt an kein Einsiedler; jeder Mensch braucht in seiner Unvollkommenheit und Bedürftigkeit andere Menschen zum Überleben, soziale Kontakte und fürsorgliche Solidarität. Und er wird selbst als Teil der Gemeinschaft gebraucht.


Der Mensch ist ein Ebenbild Gottes, ihm „ ähnlich“.

Er ist kein gottloses Wesen, auch wenn er sich als Gottloser versteht. Der Mensch, der eine unzerstörbare Würde (=„dignitas aliena“=fremde Würde) hat, wird als Abbild seines Urbildes seine „Verantwortung vor Gott“ nicht los. Er bleibt ihm verantwortlich, weil er in einer wesenhaften Beziehung zu ihm steht. „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.“ (Röm 11,36)


Der Mensch ist ein  Kunstwerk Gottes, dem Schöpfer zwar entfremdet, ihm jedoch bleibend verantwortlich.

Er ist kein böser Wolf, aber auch kein gutes Schaf; wohl aber schenkt ihm der Glaube an Jesus Christus, der das Ebenbild Gottes ist (2.Kor 4,4), die innere Freiheit zur Liebe, zur gelebten Verantwortung vor Gott und dem Nächsten im inneren Kampf mit Hass, Bosheit, Neid, Lüge und Angst.


Das Kunstwerk aus einer Mischung von Vernunft und Gefühl kann die unsichtbare Hand, die es freiwillig und ohne jede Gegenleistung geschaffen und gewürdigt hat, ausschlagen, ignorieren oder sogar „beißen“. Aber das freie Kunstwerk kann diese Hand auch im Gott- und Christusvertrauen ergreifen, um zu begreifen: Die schöpferische Hand liebt mich unendlich und schenkt mir durch den Geist Christi Neuanfänge.

Burkhard Budde


Essay

 

Auf der Suche nach einem Menschen

 

Es ist viel los auf der Bühne und hinter den Kulissen der Welt: Einer sucht etwas, was er verloren hat. Ein anderer fragt ihn: „Was hast Du denn verloren? Etwa Deine Antriebskräfte, die Dich bewegen?“ Also den Hunger nach Nahrung, körperliches Verlangen, lustvolle Neugierde, Sehnsucht nach Anerkennung und Gemeinschaft? Er antwortet überraschend: „Ich suche einen Menschen.“

 

Auf seiner Suche begegnet er einem Schauspieler, der in unterschiedlichen Situationen verschiedene Masken trägt und seine vielen Rollen erfolgreich spielt. Dann einem Schubladensortierer, der seinen Mitmenschen heimlich Etiketten auf die Stirn klebt und sie dann in Schubladen „Freund“ und „Feind“, „Parteigänger“ und „Parteigegner“, „wichtige“ oder „unwichtige Personen“ einsortiert. Dann einem, der mit seiner weltanschaulichen Schrotflinte losschießt, ohne Person und Sache zu unterscheiden. Einem, der mit seiner Moralkeule droht, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. Und einem, der wie eine Statue wirkt, unbeweglich, gefühlslos und unflexibel ist sowie nur seine Denke und sich selbst kennt.

 

Der Suchende fragt sich: „Sind alle Menschen nur ein Power-Mix mit vielen zerstörerischen Kräften?“ Also Menschen, die alle irgendwie und irgendwann eitel, gierig, rachsüchtig, maßlos, neidisch, feige, gleichgültig und oberflächlich sind?

 

Da trifft er auf einen, der ihm ein Buch zum Lesen gibt, und sagt: „Botschaften aus diesem Buch können Dir bei Deiner Suche helfen.“ Und er liest: „Gott sprach. Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich.“ Und er denkt darüber nach.

 

Ist ein Mensch ein Geschöpf? Dann wäre er nicht sein eigener Schöpfer, sondern ein gewolltes Wesen. Und sein Schöpfer kein Mensch, sondern Gott, vielleicht eine Art kreative Urquelle (?) – denn sonst hieße es ja nicht „Lasset uns…“?!

 

Ist das Geschöpf ein Original? Dann wäre ein Mensch keine Kopie, sondern ein besonderes Kunstwerk - unvergleichbar und unwiederholbar, eben einmalig und einzigartig.

 

Ist das Original ein Ebenbild seines Urbildes, ihm „ähnlich“? Dann würde ein Mensch trotz seiner Vergänglichkeit, seiner Unvollkommenheit, seiner Fehlerhaftigkeit etwas „Göttliches“ widerspiegeln, es in seinem Herzen tragen und es nicht verlieren können. Es könnte zwar ignoriert, aber nicht gewährt oder weggenommen werden. Dann sollte ein Mensch nicht mit einer seelenlosen Maschine verwechselt werden, mit einer Ware, die gekauft oder verkauft werden kann, mit einem Gegenstand, der einfach gebraucht oder verbraucht wird.

 

Und ist dieses Ebenbild ein soziales Wesen, weil Gott „Menschen“ (Plural!) geschaffen hat? Dann wäre ein Mensch nicht als Einzelgänger geschaffen. Er brauche von seiner Geburt an Mitmenschen, um zu überleben – und er werde für seine Mitmenschen (später) gebraucht. Alle geschaffenen Menschen segelten in einem geschaffenen Boot des Lebens – und seien ihrem Schöpfer als seine Ebenbilder bleibend für seine Schöpfung verantwortlich.

 

Als der Suchende in dem Buch liest, dass sich Jesus mit den Verachteten seiner Zeit auseinandersetzte und sogar mit korrupten Zöllnern Tischgemeinschaft hatte, wird ihm klar:

Der Mensch hat eine innere Freiheit. Und zwar durch den Glauben an Jesus Christus als sichtbares Bild des unsichtbaren Gottes, der die bedingungslose Liebe Gottes vorlebte und zur gelebten Verantwortung einlädt: Seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, keinen Menschen zu hassen oder auszugrenzen. Die Mitwelt nachhaltig zu gestalten. Die Vernunft nicht zum Götzen zu machen, wohl aber zur Vernunft zu bringen und zugleich menschlich vor Gott als letzter Verantwortungsinstanz zu handeln.

 

Dem Suchenden fällt es wie Schuppen von den Augen: Ein Verlust der „Verantwortung vor Gott“ (Grundgesetz), der religiösen Verwurzelung der unantastbaren Würde, gefährdete ihre Geltung – ihre ausnahmslose, überall und zu jeder Zeit geltende Achtung.

 

Auf der Bühne des Lebens kann jeder Schaufensterpuppen, Gespenster, Zuschauer, Goldene Kälber, Macht- und Gutmenschen erleben, aber auch die Würde in aller Menschlichkeit wiederfinden. Und den von Gott unendlich geliebten Menschen - in sich selbst.

 

Burkhard Budde

 

Glücksbringer durch Tradition,

Innovation und Gottvertrauen

Einblick: „Glück auf“ – das ist mehr als ein traditioneller Farbtupfer bunter Folklore.

Heute am 23. Februar 2020 erinnerte ein Gottesdienst in der Martinikirche in Sankt Andreasberg am Bergdankfest an die alte Bergbautradition – auch mit dem Bergmännischen Volkslied aus dem Erzgebirge „Glückauf, ihr Bergleut jung und alt“, das irrtümlich als „Harzer Bergmannslied“ bekannt geworden war.