Aus Mist Dünger machen

 

Der Hochmütige überschätzt sich,

prahlt und erhöht sich selbst.

Er will immer mehr sein.

Und fällt auf die Nase – bodenlos.

 

Der Geizige denkt nur an sich,

kann nicht abgeben und teilen.

Er will immer mehr haben.

Und bleibt allein – lieblos.

 

Der Wollüstige ist fasziniert

und zugleich gefesselt von seinen Gefühlen.

Er will immer mehr genießen.

Und wird selbst ungenießbar – kopflos.

 

Der Gierige schwelgt blind

und versinkt im Sumpf des Genusses.

Er will immer mehr essen.

Und vergisst das Ende – maßlos.

 

Der Zornige empört sich schnell

und bringt die Vernunft zum Schweigen.

Er will immer häufiger Recht haben.

Und verletzt sich und andere – haltlos.

 

Der Neidische vergleicht und übertreibt,

rümpft die Nase und verhindert Fortschritte.

Er will immer häufiger anerkannt werden.

Und findet keinen Sinn – geistlos.

 

Der Gleichgültige hat ein „dickes Fell“ entwickelt

und lässt niemanden richtig an sich heran.

Er will immer häufiger allein sein.

Und wird langweilig – freudlos.

 

Der Gehässige spielt gerne Kasperletheater.

Er ist der gute Kasper, der Andere der böse Teufel.

Er will das Spiel reinigen, den Andersspielenden vernichten.

Und foult dadurch auch sich selbst -  würdelos.

 

Durch Bodenhaftung und Gemeinschaft,

Vernunft und Maß, Geist und Freude

entsteht jedoch aus Mist

Dünger für neues Leben – folgenreich.

Burkhard Budde

 

Liebende

 

Das Herz,

verschlossen und abgekühlt,

jetzt bewegt und zugleich glühend.

 

Der Kopf,

überheblich und berechnend,

jetzt klug und zugleich verdreht.

 

Der Mund,

vorlaut und belehrend,

jetzt weise und zugleich entfesselt.

 

Die Augen,

gelangweilt und wegsehend,

jetzt wach und zugleich glänzend.

 

Die Hände,

gleichgültig und festhaltend,

jetzt offen und zugleich neugierig.

 

Zwei Seelen,

mehr als Herz, Kopf, Mund,Augen, Hände,

vergessen zeitweilig alles Rollenspiel,

lassen sich gemeinsam fallen,

vergessen alles um sichherum,

tauchen in den Strom prickelnden Lebens,

verschmelzen bebend

und werden schwebend eins.

 

Und bleiben Vertrauende, ohne Gefühlstaumel.

Annehmende, ohne Verblendungen.

Verstehende, ohne Bevormundung.

Sprechende, ohne Täuschung.

Teilende, ohne Erklärungen.

Vergebende, ohne Unvernunft.

 

Liebende und geliebte Neugeborene

eines göttlichen, freien und befreienden Zaubers,

erfahrbar mitten im Auf und Ab des Alltags.

 

Burkhard Budde

 

 

Der Eiszapfen

 

Ein geheimnisvolles Schauspiel.

Es wächst von oben nach unten.

 

Ein einzigartiges Kunstwerk.

Es erscheint wie ein Geschenk des Himmels.

 

Doch alles lebt von eisiger Kälte,

verhindert Nähe und Zärtlichkeit.

 

Mit einer glänzenden Oberfläche.

Nicht einfach berührbar oder bewegbar.

 

Mit einer täuschenden Schönheit.

Nicht wirklich durchschaubar oder greifbar.

 

Mit einer großen Erhabenheit.

Nicht leicht annehmbar oder liebbar.

 

Strahlt der Eiszapfen aus

und zieht Blicke an.

 

Doch wenn seine Zeit gekommen ist,

wird er auftauen und schmelzen.

 

Wird er seine Einsamkeit und Angst,

seine Lust und Last tröpfchenweise überwinden.

 

Bilden sich aus vielen Tropfen

Wasser neuen Lebens.

 

Er bleibt schön kühl und unberechenbar.

Aber durch Sonnenstrahlen der Liebe verwandelt

wird er zum Segen.

 

Burkhard Budde

 

Kick duch Blick?!


Bin ich glücklich, erlebe ich einen Kick.
Bin ich traurig, gab es einen Knick.
Bin ich gestresst, kenne ich nur noch Klicks.


Weihnachten geschieht durch einen liebenden Blick.
Der mich im Finstern sucht,
mit dem Herzen findet,
mir meine Augen öffnet


Habe ich im Vertrauen einen Augenblick
Augenkontakt zu diesem Kind
kann ich der göttlichen Liebe gewiss sein.


Unbedingtes und unbegrenztes,
unerklärliches und unsagbares,
unzerstörbares und unendliches
Glück durch diesen segnenden Blick

 

Burkhard Budde 

Im Zug des Lebens

 

Geschiebe. Gedränge. Geschäftigkeit.
Warten. Erwarten. Abwarten.
Spannung. Entspannung. Verspannung.

Ausstieg. Einstieg. Umstieg.
Ankunft. Treffpunkt. Abschied.
Hingehen. Bleiben. Weggehen.

Wählen. Auswählen. Abwählen.
Annehmen. Festhalten. Abgeben.
Verlieren. Gewinnen. Vergessen.

Woher komme ich? Wo bin ich?
Welche Mittel habe ich?
Doch was will ich?

Eingefahrene Gleise nutzen?
Die Seele langweilt sich.

Dem Zug der Zeit hinterherlaufen?
Die Seele bleibt zurück.

Im falschen Zug sitzen bleiben?
Die Seele findet kein Glück.

Trittbrettfahrer verschiedener Züge sein?
Die Seele fällt irgendwann auf die Nase.

Will ich die Weichen neu stellen?
Auch wenn der Zug abgefahren ist?!
Dann sucht meine Seele Zug um Zug
neuen Sinn und neue Kraft.


Und ich sitze im Zug des Lebens.

Burkhard Budde

 

Das letzte Wort

 

Er erscheint manchmal wie ein Terrorist.

Brutal, sinnlos und unterschiedslos zerstört er Leben.

 

Oder wie ein Dieb.

Unerwartet, unheimlich und hilflos stiehlt er Leben.

 

Oder wie ein Killer.

Ungerecht, unerklärbar und ohnmächtig vergiftet er Leben.

 

Oder wie ein Gespenst.

Spukend, gruselig und unerwünscht verängstigt er Leben.

 

Aber dann erscheint er auch wie ein Denker.

Er erinnert an die Gleichheit, Verletzlichkeit und Endlichkeit allen Lebens.

 

Oder wie ein Helfer.

Er hilft bei der Bewältigung unerträglicher Qualen des Lebens.

 

Oder wie ein Befreier.

Er schafft am Ende eines Lebens Neues im alten Leben.

 

Der körperliche, seelische, geistige und soziale Tod gehört zum Leben.

Aber das Leben selbst

hat auch in seiner Sprach- und Deutungslosigkeit das letzteWort.

Im Dennoch-Glauben an das Unsichtbare im sichtbaren Leben.

Im Vertrauen auf Letztes im vorletzten Leben

durch die schöpferische Liebe des liebenden Schöpfers. 

 

Burkhard Budde

 

Edelsteine als Pflastersteine

 

Künstliche Steine bereichern das Leben.

Ein verlogenes Theaterspiel jedoch enttäuscht.

 

Kantige Steine werden bewusst geworfen.

Üble Nachrede verletzt die Seele.

 

Steinbrocken werden gezielt in den Weg gelegt.

Missgunst verhindert neue Entwicklungen.

 

Betonsteine zementieren den Kopf.

Feindbilder verachten die geistige Vielfalt.

 

Glatte Steine lähmen aktive Hände.

Gleichgültigkeit fördert Bequemlichkeit

 

Harte Steine verhärten das Herz.

Hass zerstört die Menschlichkeit.

 

Echte Edelsteine ziehen jedoch neue Kreise.

 

Beachtet und geachtet,

können sie anziehen und ausstrahlen,

Steinewerfern widersprechen und widerstehen.

Aber auch aus verschiedenen Steinen

einen gemeinsamen Weg der Freiheit in Würde bauen.

 

Die Einsicht lebendiger Steine kann umsichtig wachsen.

Und zur Weitsicht aller gehören Pflastersteine neuenLebens,

die die Wege des Gutgemeinten zur Hölle meiden

und den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens suchen.

 

Burkhard Budde  

 

Wo das Herz schlägt

 

Manchmal schlägt das Herz in besonderer Weise.

Wenn man seine Augen und Ohren öffnet. Und den Kopf sowie seinen Grips anstrengt. Dann kommt man in Bewegung. Und kann seinen Mitmenschen neu begegnen.

 

Beispielsweise bei der alten Aussage Martin Luthers:

 „Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

 

Der Kopf fängt an zu arbeiten:

Steckt da eine Botschaft drin, die interessant sein könnte, vielleicht sogar „cool“ ist?

Ich selbst fühle mich nicht unfrei und abhängig, versklavt und unmündig.

Aber habe ich mein Leben wirklich in der Hand? Lasse ich mich nicht sehr häufig treiben, einfach gehen?

Folge ich wirklich immer und überall meinem Wissen und Gewissen?

Trage ich stets die Folgen meiner Taten, meiner Gleichgültigkeit, meiner Angst?

Bin ich wirklich frei genug, meine verschlossene Hand in eine offene Hand zu verwandeln, meine Maske abzulegen und mein Gesicht zu zeigen?

 

Der Kopf denkt nach, grübelt und denkt weiter:

Warum hat Luther damals - der 31.Oktober 1517 war wohl so ein Schlüsseldatum - den Verkauf von Ablassbriefen und die Käuflichkeit kirchlicher Ämter, das „Beten, Bereuen und Bezahlen“ oder anders formuliert die „Heuchelei, Verdummung, Geschäftemacherei“  angegriffen?  

Was hat das mit mir im Jahr 2014 zu tun?

 

Sollte ich loslassen lernen – zum Beispiel meinen geliebten Ego-Trip und meine Selbstgerechtigkeit -, damit ich die Hand meines Nächsten wieder ergreifen kann?

Sollte ich annehmen lernen – zum Beispiel mich selbst und die ausgestreckte Hand anderer -, damit ich meine Verantwortung neu begreifen kann?

Sollte meine geballte Faust sich öffnen – zum Beispiel durch Selbstkritik und einen ersten Schritt -, damit mein Herz von der Hand Gottes ergriffen werden kann?

Dient meine befreite und versöhnte Hand dazu, dass unfreie Hände Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit erfahren?

Durch den ewigen Herzschlag mit immer neuen Anfängen geschieht das Unmögliche im Möglichen?!

 

Und so verstehe ich den alten Luther neu:

 

Gott selbst kann das Herz zum Schlagen bringen.

Und zwar durch fünf Wirkweisen:

„Allein die Schrift“ („Sola scriptura“) kann Funken neuen Lebens schlagen.

„Allein durch Gnade“ („Sola gratia“) kann die Quelle neuen Lebens entdeckt werden.

„Allein durch den Glauben“ („Sola fide“) können die leeren Hände mit neuem Leben gefüllt werden.

„Allein aus Liebe“ („Sola caritatis“) können die Schätze neuen Lebens gehoben werden.

„Allein Christus“ („Solus christus“) kann in seinem Spiegel das neue Leben durch, mit, vor und in Gott erfahrbar machen.

Denn dieser Herzschlag kennt am sichtbaren Ende nur einen neuen schöpferischen Anfang.

Und nicht die Verlogenheit, die Trickserei und die Gier haben das letzte Wort, sondern das Herz im Herzen.

 

 Burkhard Budde

 

Treue Freunde wecken schlafende Hunde

 

Sind Menschen manchmal wie schlafende Hunde?

Als beißende Hunde schnappen sie unberechenbar zu und beißen andere rücksichtslos weg. Oder sie kritisieren reflexartig und selbstgerecht, auch wenn es keine wirkliche Begründung gibt.

Als bellende Hunde können sie andere lautstark warnen. Oder nur den Mond anbellen und anhimmeln,der jedoch gleichgültig und unsolidarisch bleibt und ihnen nichts als einmildes Lächeln schenkt.

Als streunende Hunde wollen sie frei von Zuhause, ihrer prägenden Heimat sein, um sich selbst um jeden Preis zu verwirklichen, und vergessen dabei ihre Geschichte und Identität.Und werden  immer wieder brutal getreten und unfair weggetreten.

Als eingesperrte Hunde fühlen sie sich sicher und sehr wohl, weil sie in ihrem Zwinger keine kontroverse Auseinandersetzung mit der Außenwelt haben. Sie verkümmern jedoch langsam in der Enge ihres Denkens und in ihrer Angst vor der Freiheit des Geistes.

Als gebundene Hunde können sie wirklich frei sein.

An der langen Leine der Werte und Normen erleben sie die Freiheit zur Verantwortung im freien Spiel der geistigen, seelischen, sozialen und wirtschaftlichen Kräfte. Ohne Fesseln, aber in der Bindung an ihr geistig-geistliches Zuhause, an die eigene Würde, können sie selbstbewusst und selbstständig, selbstkritisch und selbstverantwortlich, nach bestem Wissen und Gewissen ihren eigenen Weg angesichts immer neuer Herausforderungen suchen und finden.

Als solche treuen Freunde wecken sie schlafende Hunde, damit diese nicht vor die Hunde gehen.

 

Burkhard Budde

 
 

Das Tier im Menschen

 

Wie ein nervöser Löwe im Käfig läuft einer hin und her. Die Angst, in der Gefangenschaft seiner Möglichkeiten und Abhängigkeiten zu kurz zukommen oder etwas zu verpassen, treibt ihn an. Aber selbst lautes Brüllen,übertriebene Forderungen und schlimme Beschimpfungen bringen keine Befreiung.

 

Wie ein gestrauchelter Hund heult ein anderer den Mond an, der jedoch nur milde lächelt. Mit guten Vorsätzen und schönen Worten kann man manchmal nichts oder nur genau das Gegenteil des Erhofften erreichen. An der Sturheit, Eitelkeit und Überheblichkeit Mächtiger haben sich schon viele die Zähne ausgebissen.

 

Wie ein ängstliches Kaninchen vor der Schlange erstarrt wiederein anderer angesichts des lähmenden Giftes übler Nachrede und verborgener Intrigen in Sprach- und Hilflosigkeit. Das notwendige Gegengift, ein offener und fairer Umgang, aber auch mutige Kämpfer für eine Kultur des gegenseitigen Respektes und der Kommunikation, ist nicht (immer) sofort verfügbar.

 

Wie ein Fuchs im Schafspelz versucht einer sich der jeweiligen Situation geschickt und mit guter Mine anzupassen, um nicht nur im Kampf des Lebens zu überleben,sondern auch um eigene Vorteile zu haben und sie um jeden Preis zu vermehren. Aber verliert er nicht auf Dauer in einer Glitzerweltwelt täuschender Spielerseine eigene Seele und im Hexenkessel gnadenloser Kämpfer sein eigenes Gewissen?

 

Ein Mensch bleibt dem Mitmenschen ein Mensch, wenn er den Löwen in ihm durch einen kühlen und klugen Kopf bändigt, dem Hund in ihm durch Augenhöhe und Verhältnismäßigkeit eine sachliche Auseinandersetzung ermöglicht, dem Kaninchen in ihm durch neues Selbst- und Fremdvertrauen die Angst nimmt und dem Fuchs in ihm durch Gott- oder Urvertrauen seine bedingungslose Würde zurückgibt. Er wird frei zum Leben und für das Leben in Menschlichkeit.

 

Burkhard Budde